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Schleswiger Nachrichten

18. August 2017 | 12:54 Uhr

Kropp : Flüchtlinge packen mit an

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Diakonie stellt renovierungsbedürftige Unterkünfte zur Verfügung. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden.

Insgesamt sind im Amt Kropp-Stapelholm derzeit rund 60 Flüchtlinge untergebracht, weitere 121 werden in diesem Jahr noch erwartet. Wie in anderen Ämtern und Kommunen macht man sich auch in Kropp Gedanken darüber, wo die Menschen, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, untergebracht werden sollen. Für Haider Al Haider, Khidir Kli, jesidische Flüchtlinge aus Mossul im Nordirak, die dort ihre Familien zurücklassen mussten, und neun weitere Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Kosovo ist diese Frage geklärt. Sie leben derzeit in einem renovierungsbedürftigen Haus auf dem Gelände der Diakonie in Kropp. Das Haus kann bis zum eigentlich geplanten Abriss von der Gemeinde genutzt werden.

Holger Schwien, der zusammen mit Uwe Buchholz (DRK), Manfred Brakonier und Jochen Kühne als Lotse ehrenamtlich Flüchtlinge betreut, ist froh über das Gebäude, denn es entlastet trotz einiger Unzulänglichkeiten die Unterbringungssituation. „Insbesondere die sanitären Anlagen bedurften einer Grundsanierung“, sagt er. Übernommen haben das örtliche Firmen. Küche und Wohnräume wollen die Flüchtlinge selbst renovieren. Dafür stellt die Gemeinde Farbe und Materialien zur Verfügung. Zudem haben Kropper Mitbürger Fahrräder, einen gebrauchten Kühlschrank, Herd, Betten und Tische gespendet, um den heruntergekommenen Bau wohnlicher zu machen.

Ihr Engagement ist groß. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister, Stefan Ploog und Amtsvorsteher Ralf Lange ist eine Netzwerkgruppe entstanden, die sich der Flüchtlinge in Kropp-Stapelholm annimmt. Eingebunden sind als Institutionen auch das Sozialzentrum und das Ordnungsamt (Jürgen Thomsen) sowie die Gleichstellungsbeauftragte und Koordinatorin des Projektes, Andrea Heinrich. Sie alle haben seit einigen Monaten alle Hände voll zu tun. Denn jeweils donnerstags kommen immer neue Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster.

Meistens erfahren die Behörden im Amt dies kurzfristig, einen Tag zuvor. Die Menschen werden in Neumünster in ein Taxi gesetzt und in der Ausländerbehörden der Kreise oder kreisfreien Städte abgesetzt. Nach Erteilung ihrer Aufenthaltserlaubnis geht es dann weiter in die Gemeinden.

Die häufig traumatisierten Menschen haben oft eine lange Reise hinter sich und nicht zuletzt aufgrund der Sprach- und Kulturbarriere schier unüberwindliche Hürden vor sich. Um hier zu helfen, nehmen vier Ehrenamtliche aus Kropp und Umgebung die Flüchtlinge unter ihre Fittiche und begleiten sie zum Sozialzentrum, erledigen mit ihnen Einkäufe, zeigen ihnen, wo die Supermärkte sind, wo Sprachkurse stattfinden oder begleiten sie bei Krankheiten zu Ärzten. Zu diesen „Lotsen“ kommen die „Helfenden Hände“, Frauen, die sich bereit erklärt haben, gezielt Frauen und Familien zu unterstützen. Die aus Somalia stammende Ärztin Shamis Pfeiffer-Kirchhoff, die in der Gemeinde lebt, hat Unterstützung bei der medizinischen Versorgung und beim Dolmetschen angeboten, da sie mehrere Sprachen, unter anderen Arabisch und Russisch, spricht.

Bei den Flüchtlingen handelt es sich zurzeit vornehmlich um alleinstehende Männer oder Männer, deren Familien noch in den Krisengebieten ausharren – eine zusätzliche Belastung. Kürzlich durften Khidir Kli und Haider Al Haider aus Kropp nach Berlin zur Irakischen Botschaft fahren. Dort erhielten sie Dokumente, die es ihnen ermöglichen sollen, ihre Frauen und Kinder nach Deutschland nachzuholen. Nicht klären konnten die beiden kurdischen Jesiden bisher, wie das geschehen soll.

 > Das nächste Treffen für freiwillige Lotsentätigkeiten findet am 22. April um 16 Uhr im Rathaus Kropp statt.
 

 

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