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Allen in der FreMde : Flüchtlinge brauchen mehr Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Menschen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak sind nach ihrer Ankunft im Kreis meist ganz auf sich gestellt – ohne Sprachkenntnisse in einer fremden Kultur. Jetzt werden Menschen gesucht, die Hilfestellung geben

Die sechsköpfige Familie hat es geschafft: Mutter, Vater und vier unmündige Kinder sind den Bürgerkriegswirren in Syrien äußerlich unbeschadet entronnen. Sie alle haben es nach Deutschland geschafft, nach Schleswig-Holstein. Nach einigen Tagen in der zentralen Aufnahmestation in Neumünster ging die Reise weiter nach Schleswig. Im Kreishaus werden die Formalien abgearbeitet: Registrierung, Papiere, Fragen nach dem Gesundheitszustand. Wenige Stunden später sitzt die Familie in ihrer neuen Unterkunft in einem 300-Einwohner-Dorf auf der Geest. In einer fremden Kultur, ohne jede Sprach- und Ortskenntnisse – allein mit all den schrecklichen Erlebnissen, die hinter ihnen liegen. Die neuen Bürger wissen nicht, wo sie Lebensmittel einkaufen können, dass die Kinder zu Schule gehen müssen, dass es Kindertagesstätten gibt. Und wenn sie sich einmal auf die Straße trauen, wechseln Einheimische auch schon mal die Straßenseite.

Die beschriebene Szene hat sich so nicht abgespielt. Aber sie ist beispielhaft für die Realität zu Beginn des neuen Lebens von Flüchtlingen in ihrem Zufluchtsland, wie Rainer Stiemcke bestätigt. Der Fachdienstleiter für Ordnungsangelegenheiten im Kreis ist auch für die Ausländerbehörde zuständig. „Es ist vieles durch Bestimmungen oder Gesetze geregelt, eine Hilfestellung am neuen Wohnort aber gibt es nicht. Doch wir dürfen diese Menschen in ihrer neuen Umgebung nicht so alleinlassen“, sagt Stiemcke.

Probleme bereitet vor allem die ständig ansteigende Zahl von hilfesuchenden Menschen aus Afghanistan, aus dem Irak, vom Balkan und aus Syrien. Zwischen zehn und 20 Menschen werden dem Kreis Schleswig-Flensburg durchschnittlich wöchentlich zugeteilt. Vor nicht allzu langer Zeit wurden diese noch zwei Wochen vorher angekündigt. Diese Frist hat sich nach Aussage von Stiemcke inzwischen auf eine Woche reduziert. Und manchmal sind es auch nur zwei Tage. Nicht viel Zeit für die Ämter, um passende und dazu noch preisgünstige Unterkünfte zu besorgen. „In der Stadt Schleswig oder größeren Orten wie Tarp oder Harrislee ist das kein allzu großes Problem“, sagt Stiemcke, „in den ländlich geprägten Gebieten aber gibt es kaum Mietwohnungen. Da wird es schon sehr schwierig.“

Formal ist für die Flüchtling alles geregelt. Sie bekommen Unterkunft und Sozialleistungen, die zum Überleben reichen, wie Rainer Stiemcke formuliert. Und es gibt Sozialberatungszentren, die bei Krankheiten, beim Zuzug von engen Familienmitgliedern oder bei der Vermittlung von Sprachkursen helfen. Damit ist dem Ausländerrecht Genüge getan.

Doch damit wollen sich Rainer Stiemcke und seine Mitarbeiter nicht zufriedengeben. Denn nicht zuletzt durch den direkten Kontakt ist ihnen klar: Diese Menschen brauchen mehr Hilfe. Und deshalb wünscht sich Stiemcke Menschen, die die neuen Nachbarn unterstützen. Ihnen das Dorf zeigen, sie mit in die Vereine nehmen, ihnen von der Schule oder dem Kindergarten erzählen und sie so aus ihrer Isolation befreien. Es geht darum, das Eis zwischen den Neubürgern und den Alteingesessenen zu brechen. Dafür sei nicht viel Aufwand notwendig – nur eine Hilfestellung über eine begrenzte Zeit.

„Das wäre eine Willkommenskultur und würde die Tür für echte Integration öffnen“, sagt Stiemcke. Und er ist überzeugt davon, dass alle Beteiligten davon profitieren würden. Wer bereit ist, zu helfen, kann sich unverbindlich unter der Telefonnummer 0 46 21 / 872 46 bei Sylke Willig in der Schleswiger Kreisverwaltung melden. „Bei Fragen stehen wir immer zur Verfügung und wir begleiten gern“, verspricht Rainer Stiemcke.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 18:13 Uhr

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