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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 18:17 Uhr

Treppenwitz : Fluchtweg fehlt – Museum in Not

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Montage einer Außentreppe am Stall des Stadtmuseums verzögert sich offenbar wegen Stahlmangels. Nun ist die Eröffnung einer Ausstellung gefährdet.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Maler Maximilien Luce zählt zur Riege der berühmtesten französischen Spätimpressionisten. Am 26. Oktober will das Stadtmuseum eine Auswahl seiner Werke präsentieren – die Ausstellung dürfte eines der Highlights der Schleswiger Kultur-Saison werden. Doch das Projekt ist gefährdet. Denn im Stall des Stadtmuseums fehlt weiterhin der zweite Fluchtweg, dessen Einbau die Ratsversammlung bereits im Dezember 2012 beschlossen hatte. Ohne diesen Fluchtweg dürften sich in den Räumlichkeiten maximal vier Personen gleichzeitig aufhalten – eine Katastrophe für eine Ausstellung, die ein großes Publikum ansprechen soll.

Die Bauarbeiten haben zwar begonnen, die Treppe wurde jedoch noch nicht geliefert. Inoffiziell verlautete dazu, dass die Treppe das eigentliche Problem sei. Auf dem deutschen Markt sei es derzeit schwierig, geeigneten Stahl zu bekommen. Was auf den ersten Blick überraschend klingt, wird allerdings durch die Spitzenvertreter der Stahlindustrie bestätigt. Der Wirtschaftsverband Stahl mit Sitz in Düsseldorf teilte dazu mit, dass die Rohstahlerzeugung der Stahlunternehmen in Deutschland im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,3 Prozent auf 3,2 Millionen Tonnen zurückgegangen sei. Die Ursache sei eine ungewöhnliche Häufung von Produktionsunterbrechungen, zum Beispiel verursacht durch Reparaturarbeiten. Eine weitaus größere Baustelle nur 30 Kilometer von Schleswig entfernt war ebenfalls betroffen: Firmen, die derzeit die Rader Hochbrücke reparieren, hatten anfangs Mühe, den nötigen Stahl ordern zu können.

Zurück zur noch nicht existenten Außentreppe des Stadtmuseums: 42 000 Euro soll sie inklusive Einbau kosten. Anfangs hatten die städtischen Gremien den Sinn und Zweck der Ausgabe angezweifelt. Sie warfen die Frage auf, ob der Stall des Museums tatsächlich so intensiv genutzt werde, dass die Investition gerechtfertigt sei. Diese kritische Haltung hatte massive öffentliche Proteste zur Folge. Ende November 2012 gab der Kulturausschuss daraufhin nach und empfahl der Ratsversammlung, das Geld bereitzustellen. Der Rat stimmte im Dezember zu. Nach Genehmigung des Etats durch Kiel konnte das Geld ab April ausgegeben werden. Doch bis es zur Ausschreibung kam, vergingen Monate. Die Frist, die das Bauamt den Baufirmen zur Abgabe von Angeboten setzte, endete am 22. August. Zu diesem Zeitpunkt war der Stahlmarkt allerdings schon angespannt.

Das Bauamt konnte dazu gestern keine Auskünfte geben („Die beiden zuständigen Kollegen haben Außentermine“). Bürgermeister Thorsten Dahl konnte daher weder bestätigen noch dementieren, dass es bei der Treppe Lieferschwierigkeiten gebe. Allerdings betonte der Verwaltungschef, dass „die Ausstellung stattfindet, notfalls mit einer Ausnahmegenehmigung“. In dem Stall des Museums gebe es seit Jahren größere Veranstaltungen, nie sei etwas passiert. „Wir kriegen das auf jeden Fall hin.“

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