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Mensch des Jahres 2015 : Florian Lange hat den Lebensretter-Reflex

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der 32-Jährige sprang ohne zu zögern in die Treene, um einen Mann vor dem Ertrinken zu retten.

Handewitt | Eigentlich war Florian Lange nur unterwegs mit Familie und Freunden zum Paddeln auf der Treene – wie jedes Jahr. Dann kam aber alles anders als sonst, und am Ende hatte er einen Mann aus einer lebensbedrohlichen Lage befreit und war selbst ernsthaft verletzt. Sich als „Lebensretter“ oder gar als „Held“ zu bezeichnen, kommt ihm aber nicht in den Sinn. „Sicherlich hätten viele in dieser Situation ähnlich reagiert, eine solche Hilfe kommt reflexartig“, sagt der 32-jährige Handewitter bescheiden.

Rückblende: Anfang August lagen hinter dem nördlichen Schleswig-Holstein regenreiche Tage. Der Wasserstand der Treene war deutlich höher als normal. An einer Sohlgleite bei Treia kenterten die Kanus reihenweise. Nichts Ernsthaftes passierte, bis eine Urlauber-Familie, vermutlich aus Thüringen, sich der ominösen Stelle näherte. Das Boot lag plötzlich kieloben im Fluss und wurde von der Strömung unter einen Busch gedrückt. Mutter und Tochter schwammen unbeschadet zum Ufer, doch der Vater war mit seiner Schwimmweste am Kanu hängengeblieben und wurde unter Wasser gedrückt. Er brauchte dringend Hilfe. Florian Lange, der vor Jahren in Dänemark eine Rettungsschwimmer-Ausbildung absolviert hatte, zögerte nicht. „Ich habe keine Gefahr gesehen, ich kenne die Treene ja schließlich seit Jahren“, erinnert er sich.

Am Unfallort tauchte der Handewitter ab, löste den Mann aus der misslichen Situation. Das Kanu verlor er aus dem Auge, doch plötzlich rammte ihn der Bug. Irgendwie kam er ans Land, der Kopf brummte. Erst nach und nach registrierte Florian Lange, dass er sich bei der Rettungstat ernsthafter verletzt hatte: Gehirnerschütterung, Blessuren an Rücken und Lenden, der Verlust von fünf Zähnen. Er musste ins Krankenhaus, war gut drei Wochen arbeitsunfähig.

Auch finanzieller Schaden drohte. Für den Verdienstausfall wollte die Unfallkasse zunächst nicht einspringen, inzwischen ist aber alles geregelt. „Nun ist das Ganze eigentlich abgehakt“, sagt Florian Lange. Wenn die Kopfschmerzen nur nicht wären. „Sie sind nicht schlimm, aber andauernd.“ Er befindet sich in ärztlicher Behandlung und hofft, dass auch dieses „Andenken“ bald verschwunden ist.

Ansonsten ist wieder der Alltag eingekehrt beim 32-Jährigen, der mit seiner Frau, drei kleinen Kindern und seinen Eltern seit einigen Jahren in Handewitt wohnt. Täglich fährt er nach Hadersleben. Dort steht an der Autobahn das Distributionszentrum eines großen dänischen Konzerns. Der Handewitter ist als System-Operator beschäftigt und immer dann gefragt, wenn beim Waren-Transport im Lager etwas klemmt. Das kommt häufiger vor, denn es handelt sich um ein sehr großes Lager.

Besonders am Herzen liegt Florian Lange die Jugendarbeit. „Das hat mir immer Spaß gebracht“, sagt er. Als er noch in Sillerup lebte, betätigte er sich als Ausbilder in einer Jugendfeuerwehr. Zudem schwört er auf das Pfadfindertum. Heute ist er bei den dänischen Pfadfindern in Langberg Leiter von zwei Jugendgruppen: montags bei den kleinen „Bibern“, mittwochs bei den größeren „Trops“.

 
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erstellt am 05.Nov.2015 | 13:51 Uhr

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