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Schleswiger Stenografenverein : Flinke Finger auf Schreibblock und Tastatur

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Verein von 1895 bietet längst auch zahlreiche Computerkurse an.

Irgendwie klingt es ein wenig aus der Zeit gefallen: Stenografenverein Schleswig. Kann sich doch kaum jemand unter 30 Jahren noch vorstellen, was das sein soll, Stenografie. Tatsächlich ist die aus einfachen Zeichen gebildete Kurzschrift im Zeitalter von Tablet-PCs längst zum Auslaufmodell geworden. Ausgestorben ist sie hingegen noch nicht. Und so ist Steno weiterhin eine wichtige, aber nicht mehr die tragende Säule im Gesamtkonzept dieses Vereins, den es in Schleswig bereits seit 1895 gibt.

„Wir sind immer mit der Zeit gegangen, bieten laufend neue Kurse an. Da passt der Vereinsname tatsächlich nicht mehr so richtig“, sagt Anke Timme, seit 2002 Vorsitzende. Kurse zum Erlernen von PC-Anwendungsprogrammen von Word bis Powerpoint, Umschulungsmaßnahmen für das Arbeitsamt oder auch klassische Sekretärinnenseminare bietet der Verein heute an. Zuletzt konnten Kursteilnehmer lernen, wie man das Bildbearbeitungsprogramm „Gimp“ effektiv nutzen kann. All das findet in der Regel in den Vereinsräumen im Gebäude der Kreishandwerkerschaft am Ilensee statt. „Wir gehen aber auch raus in die Schulen oder in Firmen und bieten dort Fortbildungen an“, sagt Anke Timme, die selbst Kurse leitet.

Wer jedoch bereits mit der Schule fertig ist, aber noch keinen Arbeitsplatz hat – auch der ist beim Stenografenverein richtig. Schließlich steht dort das Tastschreiben ganz hoch im Kurs. „Es gibt noch immer viele Arbeitgeber, die Wert darauf legen, dass man die Tastatur beherrscht, und zwar schnell und mit allen zehn Fingern. Bei uns kann man die entsprechenden Zertifikate erlangen“, erklärt Anke Timme.

Das kann Evelyne Toman bestätigen. Erst kürzlich ist sie nach 16-jähriger Unterbrechung wieder ins Berufsleben eingestiegen. „Wenn ich parallel dazu hier beim Verein das Tastschreiben nicht wieder geübt hätte, wäre mir dieser Schritt nicht gelungen“, ist sie sich sicher. Das geht auch anderen Teilnehmern des Kurses so, denn insbesondere sind es Mitarbeiter der Gerichte, von Behörden oder Anwaltskanzleien, die sich hier regelmäßig treffen. Unter ihnen sitzen allerdings auch solche, die das Schreiben am Computer nicht nur beruflich beherrschen müssen, sondern es längst zum Hobby gemacht haben. Eine von ihnen ist Janina Schmidt. Sie hat das Tastschreiben in ihren 25 Jahren Vereinsmitgliedschaft längst perfektioniert. 500 Anschläge pro Minute sind für die Mitarbeiterin eines Schleswiger Notars kein Problem. „Es macht einfach Spaß und hat dazu noch einen beruflichen Bezug“, schwärmt sie.

Wie viel Freude es ihr bereitet, sieht man daran, dass die langjährige Jugendwartin des Vereins regelmäßig bei Wettkämpfen antritt. Erst kürzlich konnte Janina Schmidt – gemeinsam mit ihrer Kursleiterin Gundula Schulz – beim Bundespokalschreiben in Soest den zweiten Platz erringen. Ihre Vereinskolleginnen Anja Manke und Bettina Piening landeten in der Textbearbeitung knapp auf Platz vier.

Wettbewerbe gibt es übrigens auch für Stenografen. Und auch in dieser Disziplin haben die Schleswiger echte Ausnahmetalente in ihren Reihen. Dazu gehört neben Vereinsmeisterin Traute Staack (220 Silben pro Minute) auch Ursula Sommer, Protokollführerin im Landessozialgericht – und überzeugte Stenografin: „Ich könnte bis heute nicht darauf verzichten.“

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erstellt am 03.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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