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Aufwendige Sanierung : Flensburger Grabmal auf der Intensivstation

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Christiansen-Grabdenkmal aus Flensburg liegt in Hebrohy (Gelting) gewissermaßen auf der Intensivstation. Es wird in der Werkstatt von Klaus Bösselmann restauriert.

Diplom-Designer und Kunstschmied Klaus Bösselmann aus dem kleinen Ortsteil Hebrohy in der Gemeinde Gelting trägt gegenwärtig große Verantwortung für die Rettung eines historisch bedeutsamen Flensburger Grabdenkmals. Bösselmanns Werkstatt ist geradezu in eine „Intensivstation für einen schwerkranken Patienten“ verwandelt worden. Die im Normalzustand fünf Meter aufragende Grabanlage trägt auf vier gusseisernen Säulen einen Baldachin, unter dem ein großes Grabkreuz steht. Vom Alten Friedhof in Flensburg wurde das so genannte Christiansen-Grabmal für zwei bis drei Jahre komplett entfernt. Die Einzelteile liegen jetzt zur Behandlung in Hebrohy.

Nach den Worten von Thomas Rasmussen, dem Geschäftsführer der Flensburger Friedhöfe (Anstalt des öffentlichen Rechts), kostet die Rettung des Objekts 175 000 Euro. Zuschüsse von Land und Bund sowie der Stadt Flensburg sind vorhanden. „Die Finanzierung ist jetzt sichergestellt“, berichtete er bei einem Informationsbesuch in der Geltinger Werkstatt.

Einen wichtigen Beitrag dafür leistete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, deren Schleswiger Ortskurator Lutz-Uwe Gloeckner am Ort der Sanierung an Rasmussen einen Förderbescheid über 25000 Euro überreichte. Da dieses Geld aus Überschüssen der Glücksspirale stammt, war auch Florian Blömer, Sprecher von Nordwest-Lotto, in die Übergabe-Zeremonie einbezogen.

Zur Historie des in neogotischen Formen gestalteten Grabdenkmals: 1829 ließ der wohlhabende Flensburger Kaufmann Andreas Christiansen jun. diese Anlage über der Familiengruft errichten. Den Bauplan entwarf kein Geringerer als der preußische Architekt Karl-Friedrich Schinkel (1841 verstorben). Aus Sicht der Kunsthistoriker gilt dieses größte Werk seiner Art in Norddeutschland als einmaliges Kleinod wegen seines hohen Maßes an Formenreichtum und als Zeugnis der im 19. Jahrhundert hoch entwickelten Erinnerungskultur.

Aber der Zahn der Zeit hat auch an diesem guten Stück heftig genagt. Bei Untersuchungen stellte sich vor Jahresfrist heraus, dass Dekor- und Befestigungsteile fehlten. Ebenso gefährdeten verrostete Schrauben, Zapfen, Nieten und Keile weitere Ornamente und die allgemeine Stabilität. Zudem war das Fundament abgesackt und eine Schiefstellung des Objektes festgestellt worden. Jetzt liegt es in der Hand des Kunstschmieds Klaus Bösselmann, für die Wiedergeburt zu sorgen – eine wahre Herkulesarbeit, die Fingerspitzengefühl erfordert und vor allem unter Verwendung von Grauguss, Sandstrahlung und Korrosionsschutz-Mitteln vollzogen wird. „Wann ich damit fertig werde, ist völlig offen“, sagt er. Eine derartige Arbeit lasse sich nicht unter Zeitdruck bewältigen.





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