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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 05:50 Uhr

Fleischfreier Tag - aber bitte freiwillig

vom

Grüne wollen Kantinen pro Woche einen rein vegetarischen Tag verordnen / Kunden skeptisch: Jeder sollte selbst entscheiden, was er isst

Schleswig | "Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden." Diese zwei Sätze aus dem aktuellen Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen sorgen seit Tagen für Furore - auch in der Schleistadt. Die SN haben mit Befürwortern und Gegnern des Veggie Day gesprochen.

Einmal im Monat findet sich im Hotel Alter Kreisbahnhof der Schleswiger Veggie-Stammtisch zusammen. In geselliger Runde werden aktuelle vegetarische und vegane Themen diskutiert und Tipps zur fleischlosen Ernährung ausgetauscht. Organisatorin Ragna Mewes findet den Vorwurf, der Veggie Day schränke die Entscheidungsfreiheit ein, unberechtigt. An einem Tag der Woche ausschließlich vegetarische Kost anzubieten, sei keine Bevormundung. "Die Leute bekommen so oder so jeden Tag etwas vorgesetzt - ob mit Fleisch oder ohne. Was auf dem Teller landet, entscheidet letztlich der Kantinenchef", argumentiert Mewes. Man müsse die Restaurants und Küchen nur erst einmal darauf bringen, dass vegetarische Alternativen mit Fleischgerichten geschmacklich mithalten können.

Auch Thomas Horn, Organisator des Stammtisches in Eckernförde, plädiert für einen vegetarischen Tag. Für ihn ist die Entscheidung, sich fleischlos zu ernähren, ein ganz logischer Schluss: "Selbst als gestandener Fleischesser kann man Massentierhaltung und Lebendschlachtung nicht befürworten." Trotz der heftigen Kritik freut sich Horn über die neu entfachte Diskussion um den Vegetarismus. Er sieht sie als Chance, einmal die eigenen Essgewohnheiten zu reflektieren. "Die Gesellschaft signalisiert ständig, dass Fleisch zu einer normalen Ernährung dazugehört. Es sollte sich jeder fragen, ob es wirklich seine eigene Entscheidung ist, Fleisch zu essen", präzisiert Horn. Auch aus ökonomischer Sicht begründet er seinen Standpunkt. Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch würden mehr als 15 000 Liter Wasser benötigt, in vielen Ländern würde Brandrodung vorgenommen, um Ackerbau für Tiermast betreiben zu können. Den konzipierten fleischlosen Tag solle man daher nicht als bevormundenden Veggie Day, sondern vielmehr als "Denk-darüber-nach-Tag" ansehen.

Dabei ist in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach rein pflanzlichen Lebensmitteln kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Menschen kaufen bewusst fleischlose Produkte - ein Trend, der sich auch im Bistro-Angebot des Naturmarktes Schleswig widerspiegelt. Hier stehen ausschließlich vegetarische Gerichte auf der Speisekarte. Trotzdem sieht sich der Familienbetrieb nicht als Lebensmittelgeschäft für Vegetarier, sondern als Bioladen, betont Junior-Marktleiter Peter Schumacher: "Wir führen sowohl vegetarische und vegane, als auch non-vegetarische Produkte und besitzen eine Käse- und Fleischtheke." Er steht der Forderung der Grünen skeptisch gegenüber. "Die Absicht, den Leuten zu zeigen, dass eine vegetarische Ernährungsweise eine schmackhafte Alternative zum Fleisch sein kann, finde ich gut. Aber nicht alle Kantinen sind darauf ausgerichtet, gut vegetarisch zu kochen." Unambitionierte vegetarische Kost würde niemanden davon überzeugen, in Zukunft das geliebte Schnitzel oder die Currywurst vom Teller zu lassen. "Das ist nicht der Weg, den man gehen sollte", meint Schumacher.

Auch Fleischermeister Wilhelm Lausen aus Schleswig kritisiert die Forderung. Grundsätzlich habe er nichts gegen einen fleischfreien Tag, wenn dieser dem Wunsch der Allgemeinheit nachkommen würde. Ein Problem habe er nur damit, dass sich die Regierung in Ernährungsfragen einmische. Lausen sieht im Veggie Day den Versuch, Wirtschafts- und Umweltpolitik zu betreiben: "Wenn die Grünen glauben, dass sie dadurch die Massentierhaltung und den dadurch entstehenden Methanausstoß bekämpfen, halte ich das für den falschen Weg." Die Hauptverursacher für diese Probleme sieht er nämlich nicht in den Kantinen, sondern in den Fast-Food-Ketten. Seine Kundschaft gibt dem Metzger recht. Eine Kundin sagt, dass es jedem selbst überlassen sein sollte, ob er täglich Fleisch essen möchte oder nicht. Ein anderer Kunde sieht ebenfalls seine persönliche Freiheit in Gefahr: "Ich bin niemand, der jeden Tag Fleisch auf dem Teller braucht, aber von der Regierung will ich mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu essen habe."

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von
erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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