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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 08:05 Uhr

Schleswig : FKKZ will woanders Musik machen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In einem Jahr ist das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) Geschichte – jedenfalls auf der Freiheit. Der Verein klagt über die hohen Mietkosten.

Die Musik spielt bald woanders – jedenfalls nicht mehr in den Kasernenblocks auf dem östlichen Teil der Freiheit. Denn das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ), das dort einen eigenen und weit über die Region hinaus attraktiven Kulturraum erschaffen hat, will sich komplett von der Freiheit verabschieden. Es sucht ein neues Zuhause in der Stadt. Einer der Gründe für den geplanten Auszug ist die hohe Miete, die die Kasernen-Eigentümergesellschaft Team Vivendi seit Juni von den Kulturschaffenden verlangt: Monatlich 5000 Euro.

„Hinzu kommen beträchtliche Nebenkosten für Heizen und Strom. Das alles können wir nicht länger zahlen“, sagt FKKZ-Vorsitzender Arne Olaf Jöhnk gegenüber den SN. Denn bis Oktober würden alle syrischen Flüchtlinge ausgezogen sein, so dass Mieteinnahmen von der Seite wegfielen. Ohnehin hätten die Geldforderungen von Team Vivendi den Etat des FKKZ niedergedrückt: „Unsere Rücklagen sind ziemlich aufgebraucht.“ In diesen Tagen hat Jöhnk daher in einem Schreiben an Team Vivendi eine Art „geordneten Rückzug“ aus dem Kasernengelände angekündigt. Das heißt: Der Gebäudeblock 17, in dem die Flüchtlinge untergebracht waren, wird vom FKKZ vollkommen leergeräumt und ab 1. November an den Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen zurückgegeben. Für die anderen zum Teil noch benutzten Kasernenblocks 18, 19 und 35 wolle man einen monatlichen Abschlag in Höhe von 1000 Euro an Vivendi entrichten, erklärt Arne Olaf Jöhnk. „Dieser Betrag würde die Kosten für Strom und Wasser auskömmlich decken.“ Endgültig auslaufen lassen wolle man den Nutzungsvertrag dann im August 2016. Jöhnk: „Nach unserem Schreiben warten wir jetzt auf eine Rückmeldung vom Verpächter.“

Auf SN-Nachfrage bei Team Vivendi, ob die Mietreduzierung sowie der 1000-Euro-Vorschlag der FKKZ-Betreiber akzeptiert werde, erklärte gestern Vivendi-Sprecher Michael Radtke, man habe dazu noch keine Entscheidung getroffen, da das Schreiben erst seit Kurzem vorliege. Auf die weitere Nachfrage, was mit dem dann leer stehenden Kasernenblock-Ensemble passieren solle und ob möglicherweise ein Abriss geplant sei, erklärte Radtke: „Darüber gibt es keine Pläne, weil die Stadt bisher nicht in die Puschen gekommen ist, um einen Bebauungsplan aufzustellen. So befinden wir uns weiter im Schwebezustand.“

Unabhängig von den Problemen, die das FKKZ mit Team Vivendi als Verpächter hat: Arne Olaf Jöhnk hat bereits ein neues Domizil für die Kulturschaffenden im FKKZ gefunden und erworben. Was es genau ist, will er noch nicht verraten, nur so viel: „Es handelt sich auch um eine ehemalige Bundeswehr-Liegenschaft, die sich im nahen Umkreis von Schleswig befindet. Und es hat auf dem Areal ein L-förmiges Gebäude, darunter einen Fernmeldebunker.“ Dieser verfüge über eine „ideale Akustik“, meint Jöhnk. „So können die vielen Bands, die bei uns proben, ihn optimal nutzen, auch für lauteste Musik.“ Allerdings seien noch bebauungsrechtliche Dinge zu klären. Dennoch sei unverzichtbar, dass ein Veranstaltungshaus direkt in der Stadt gefunden werde. Jöhnk hat hierfür den Erwerb des alten THW-Gebäudes am Seminarweg ins Auge gefasst.

Welche Bedeutung das Kulturnetz im FKKZ für ihr Lebensgefühl und für ihre Musik hat, machen Hannes Jetter, Felix Klöpping, beide ehemalige Lornsenschüler, sowie Sascha Plickert und Bastian Lassen deutlich: „Bei uns trifft man sich, und wir haben nichts Vergleichbares in Schleswig. Hier finden die großen Veranstaltungen für die Region statt, dazu kommen Leute extra aus Flensburg, Kiel oder Hamburg.“

Etwa 30 Bands aus dem ganzen Kreisgebiet proben regelmäßig in den Räumen des FKKZ. Eine davon, mit Namen Rezet, ist gerade von einer erfolgreichen Amerika-Tournee zurückgekehrt.

 

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erstellt am 14.Aug.2015 | 10:21 Uhr

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