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9. Schleswiger Lehrstellen-Rallye : Firmen werben für Ausbildung statt Studium

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Lehrstellen-Rallye der IHK findet erstmals am Vormittag statt. 28 Betriebe stellen sich am 28. September vor.

von
erstellt am 17.Sep.2017 | 11:32 Uhr

Werner Dawid unterrichtet Englisch und WiPo an der Domschule. Er bereitet junge Menschen auf das Studium vor. Das ist die klassische Vorstellung von der Aufgabe eines Gymnasiallehrers. Gestern Vormittag verließ Dawid seine traditionsreiche Lehranstalt an der Königstraße, fuhr ins Gewerbegebiet und hielt dort ein flammendes Plädoyer für die duale Berufsausbildung.

In den Räumen der Spedition Karl Jürgensen stellte die Industrie- und Handelskammer (IHK) das Programm ihrer Schleswiger Lehrstellen-Rallye vor. Diese Veranstaltung findet am Donnerstag, 28. September, bereits zum neunten Mal statt. Mit Werner Dawid beteiligte sich nun erstmals ein Gymnasiallehrer daran, im Vorfeld öffentlich die Werbetrommel zu rühren.

28 Ausbildungsbetriebe aus der ganzen Stadt stellen sich bei der Lehrstellen-Rallye vor – so viele wie noch nie. In den vergangenen Jahren nutzten jedes Mal rund 250 Jugendliche die Gelegenheit, sich über die verschiedenen Ausbildungsberufe zu informieren, die in Schleswig angeboten werden. Die Gemeinschaftsschüler waren dabei stets deutlich in der Überzahl. Die Betriebe aber betonen immer stärker, dass sie mit ihrer Aktion auch die angehenden Abiturienten erreichen wollen. Vielen Unternehmen fällt es zunehmend schwer, ihre Lehrstellen zu besetzen. Als eine Ursache haben sie ausgemacht, dass immer mehr Schulabgänger an die Universitäten strömen.

Werner Dawid haben sie bei dieser Diagnose auf ihrer Seite. Er spricht von einem „Akademisierungswahn“. Es gebe in Deutschland inzwischen ebenso viele Studienanfänger wie Ausbildungsanfänger. „Ich denke, das ist eine Fehlentwicklung“, sagt er.

IHK-Geschäftsstellenleiter Stefan Wesemann möchte deshalb den Jugendlichen bekannt machen, welche Chancen eine Ausbildung in Schleswig überhaupt bietet. „Ich erinnere mich noch daran, wie es war, als ich selbst mit der Schule fertig war und darüber nachdachte, wie es weitergeht. Es ist ja ein Nebel, den man da vor sich hat.“

Zum bewährten Konzept der Lehrstellen-Rallye gehört es, dass junge Menschen, die ihre Ausbildung bereits begonnen haben, den Schülern von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Aber auch die Chefs und andere erfahrene Mitarbeiter stehen in der Regel Rede und Antwort.

Dabei sind die Motivlagen, aus denen heraus die Unternehmen sich beteiligen, durchaus verschieden. Ben Augustin ist mit seiner Spedition Karl Jürgensen zum ersten Mal dabei. Er möchte unter anderem etwas gegen das schlechte Image tun, das dem Beruf des Kraftfahrers anhaftet. Bei ihm können die Rallye-Teilnehmer deshalb selbst einmal in der Fahrerkabine eines Trucks sitzen. Tanja Hensen von Sport-Tiedje plagt diese Sorge weniger. „Sport- und Fitnesskaufmann“ klingt cooler als Trucker. Sie möchte unter Schleswigs Schülern vor allem bekannter machen, wie sehr Tiedje in den vergangenen Jahren gewachsen ist und welche Karrierechancen das international operierende Unternehmen bietet.

Die Lehrstellenrallye am 28. September findet von 10 bis 14 Uhr statt. Wesemann hofft, dass alle Schleswiger Schulen ihre Schüler dazu vom Unterricht befreien. Pendelbusse bringen die Teilnehmer zu den Firmen. Wer drei Unternehmen in der Innenstadt und am Stadtrand besucht, hat die Chance, einen Tablet-Computer zu gewinnen.

Infos: www.ihk-lehrstellenrallye.de

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