zur Navigation springen

Nach Grosseinsatz in Schleswig : Finder der Granate: „Dachte nicht, dass das Ding scharf ist“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Finder der Handgranate verteidigt sein Verhalten. Das Landeskriminalamt spricht derweil von „erheblicher Gefahr“.

Schleswig | Das hätte schief gehen können – und zwar richtig. Daran lässt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), keine Zweifel. „Von dem Ding ging eine erhebliche Gefahr aus. So viel steht fest“, erklärt er auf Nachfrage. „Das Ding“, damit meint er die Granate, die am Dienstagnachmittag dafür gesorgt hatte, dass der Kampfmittelräumdienst (KRD) in Schleswig anrückte und Teile des Stadtweges gesperrt und evakuiert werden mussten.

Ein junger Mann hatte sie zuvor im Uferbereich der Schlei gefunden und danach in seinem Rucksack mit nach Hause genommen. „Ohne, dass ich mir groß was dabei gedacht habe“, wie Marco J. im Gespräch mit den Schleswiger Nachrichten (SN) erzählt. Er habe einfach geglaubt, dass es sich um eine ungefährliche Übungsgranate gehandelt habe. „Hier in Schleswig wurde im Krieg doch gar nicht gekämpft. Wo soll so ein Ding also herkommen?“

Wie so oft sei er morgens ans Wasser gegangen, einfach so, auf der Suche nach Strandgut – „und nicht zum Angeln“, wie die Polizei am Dienstag mitgeteilt hatte. Dabei sei er plötzlich auf die Granate gestoßen und habe sie, nach kurzem Überlegen, eingepackt. „Ich dachte: Cool, das Teil kannste dir ja auf die Fensterbank stellen.“ So weit kam es aber nicht. Zu Hause kamen dem 27-Jährigen dann doch Zweifel. Spätestens, nachdem er die Granate abfotografiert und als Foto per Handy an seine Freunde geschickt hatte. „Die haben zum Teil panisch reagiert und meinten, dass ich das Ding sofort wieder wegbringen sollte. Aber jetzt war es ja nunmal hier, und ich konnte es doch schlecht in einen Mülleimer im Stadtweg schmeißen“, sagt Marco J. Also hat er die Polizei angerufen.

Zum Glück, wie sich spätestens Mittwoch herausstellte. Denn die Handgranate, ein britisches Modell aus dem Zweiten Weltkrieg, war noch scharf. Der Schlagbolzen war vorgespannt, der Sicherungssplint fehlte. „Warum sie nicht schon längst gezündet hatte, wissen wir nicht“, sagt LKA-Sprecher Jung. Eine entsprechende Untersuchung hätten die Experten des Kampfmittelräumdienstes auch nicht vornehmen können: „Zu gefährlich.“ Deswegen wurde die Granate gestern Morgen am KRD-Stützpunkt in Groß Nordsee kontrolliert gesprengt. Dabei habe sich gezeigt, dass sie noch funktionierte – und ordentlich Kraft hatte. „Eine kleine Erschütterung hätte ausreichen können, damit sie zündet“, betont Jung.

In den kommenden Tagen werden nun Spezial-Taucher den Bereich der Schlei weiträumig absuchen, in dem Marco J. die Granate gefunden hat. Dorthin, etwas östlich der Freiheit, hatte er bereits am Dienstag die Polizei geführt. Da glaubte er noch fest daran, dass die Granate nicht scharf gewesen war. „Die war völlig verrostet und unten ganz grau. Ich dachte sogar, sie wäre offen, das sah aus wie eine Schlickschicht. Hätte nie gedacht, dass das Ding scharf ist.“ sagt er. Dass er sich darin offenbar getäuscht hatte, schockt ihn allerdings doch ein wenig.

Von einem Schock will Jörg Nadler zwar nicht reden. Aber nachdenklich gestimmt hat ihn der Granatenfund in der Schlei schon ein wenig. „Bislang hatte ich so etwas Gefährliches noch nicht im Netz – und das will ich auch nicht“, sagt der Holmer Fischer, der ansonsten von Metallstücken, einer steinzeitlichen Axt oder auch menschlichen Knochen erzählt, die er schon an Bord seines Bootes gezogen hat. Im Sommer 2002 allerdings dachte er einmal, dass er auf eine Bombe gestoßen war. Gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Kollegen Harald Ross hätte er vor der Freiheit etwas gefangen, „dass wir erst für was ganz Wildes hielten“, erzählt er. Die beiden riefen sofort den Kampfmittelräumdienst, der daraufhin auch gleich an- und schnell wieder abrückte. Denn die Metallkonstruktion entpuppte sich als Feuerlöscher aus den 1920er Jahren. „Aber man ist nie gefeit davor, auch mal auf echte Munition zu stoßen. Die kann ja theoretisch überall liegen“, sagt Nadler, der etwa von einem Versenkungsgebiet bei Karschau weiß.

Dieser Gefahr ist sich auch LKA-Sprecher Jung bewusst. Er mahnt deshalb: „Wenn man Munitionsreste, Granaten oder Ähnliches findet, sollte man immer sofort die Polizei rufen!“ Ein Tipp, den jetzt auch Marco J. verinnerlicht hat. Beim nächsten Mal würde er „so ein Teil“ liegen lassen – statt es in den Rucksack zu packen.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 07:22 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen