Film läuft: Auf der Spur einer Fotografen-Legende

Franz Schensky
Franz Schensky

"Der Mann in der Brandung": Das war Franz Schensky, der 1871 auf Helgoland geboren wurde und 1957 in Schleswig starb. Geschätzte 150 000 Bilder hat der Pionier der Schwarz-Weiß-Fotografie auf hoher See und an der Schlei geschossen. Nach zwei Jahren Recherche zeigt der Bremer Regisseur Dr. Wilhelm Rösing seine Filmdoku am 16. Juni im Capitol-Kino.

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09. Juni 2009, 10:13 Uhr

Schleswig | - "Wie mit grimmgem Unverstand Wellen sich bewegen." Das Lied hat Ewigkeitswert. Reimer Pohls Hände sind zu sehen, wie sie die weißen und schwarzen Tasten in St. Petri bedienen. Die Marcussenorgel braust auf, die Kamera läuft, der Ton läuft, die Erinnerung geht 52 Jahre zurück. Hin zum Todestag von Franz Schensky im Jahr 1957, als die Melodie zum Abschied von einem Pionier der Schwarz-Weiß-Fotografie gespielt wurde.

Schensky hatte Schleswig ins Bild gesetzt. Die Wellen der Schlei. Und die Wogen der Nordsee, die sich vor Helgoland brachen. Franz Schensky war: "Der Mann in der Brandung." Ihm hat der Bremer Regisseur Dr. Wilhelm Rösing den gleichnamigen Dokumentarfilm gewidmet. Spurensuche nach Franz Schensky in 73 Minuten - von Helgoland, wo Schensky 1871 geboren wurde, bis in die Schleistadt, in die er 1945 geflüchtet war. Nach der Premiere mit 1500 Besuchern in der Helgoländer Nordseehalle wird der Film am Dienstag, 16. Juni, ab 20 Uhr im Schleswiger Capitol-Filmpalast gezeigt.

Dann flimmern Schenskys Bilder über die Leinwand. "Ich kenne keine besseren, die Fotos sind brillant. Heute nutzen Fotografen ihre Tele-Objektive, er ließ sich mit einem Boot aufs Wasser bringen, gebrauchte ein Stativ und musste ständig Glasplatten neu einlegen", sagt Regisseur Rösing, der schon für das ZDF, den WDR und den Hessischen Rundfunk drehte und nun zwei Jahre über Schensky recherchiert, Fotos gesichtet und Zeitzeugen vor der Kamera befragt hat. Unterstützt wurde Rösings Projekt von der Hermann-Reemtsma-Stiftung, der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein sowie der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein. Sie tragen dazu bei, dass ein stiller Star nachträglich ins Scheinwerferlicht rückt. Denn Rösing nennt Schensky "einen Helgoländer, der in Vergessenheit geriet, was seine Geschichte betrifft, nicht, was die Bilder angeht". Rund 150 000 Fotos hat Schensky geschossen. Natur, Hitler und Zerstörung auf Helgoland, Holm, Dom, Schlei-Regatten und Unternehmer in Schleswig.

Drehort im Gallberg 4. Franz Schensky hatte eine Kammer unterm Dach, kein fließend Wasser, aber viele Ideen, wenn er seine Bilder entwickelte. Unterhalb seiner Dunkelkammer lebte er mit seiner Familie.

Regisseur Rösing und Kameramann Lars Barthel wollten Geschichte schnuppern. Plötzlich tauchte Hans-Dieter Brodersen aus Kiel auf. Seine Frau sollte erfahren, wo Brodersen als Kind gelebt hat: Im Gallberg 4, als Schenskys Nachbar, über den er sogar eine Schularbeit verfasste.

Eine Zufallsbegegnung zwischen Rösing und Brodersen. Er wurde gleich für den Dokufilm engagiert - wie Daisy Ritter, die dort als Kleinkind lebte, wie Gesche Meyer, die einst im Parterre wohnte und Rösings Team jetzt durch vertraute Räume führt.

Dr. Thomas Gädeke bleibt auf Gottorf. Der stellvertretende Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte urteilt im Film über die Bedeutung der Schensky-Bilder. Über die Hinwendung zum Meer als damals ungewöhnliches Motiv für die Fotografie. 90 Exemplare lagern auf der Schlossinsel.

Ein Jahr vor seinem Tod in Schleswig hatte Schensky noch zur Kamera gegriffen. Jetzt hat Rösing gegen das Vergessen dieses Pioniers gefilmt.

Vorführung: Dienstag, 16. Juni, 20 Uhr, Karten: Kino,

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