Aus dem Amtsgericht : Feuerwehrmann prügelt sich mit Supermarkt-Kunden

Amtsgericht: Im Oktober wird der Eingangsbereich komplett umgebaut. Besucher müssen dann durch eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektor gehen.
Amtsgericht: Im Oktober wird der Eingangsbereich komplett umgebaut. Besucher müssen dann durch eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektor gehen.

Ein Feuerwehrmann an der Punschbude fühlt sich von einem Supermarkt-Kunden bedroht – versetzt ihm drei Faustschläge und geht dann selbst zu Boden.

von
12. Mai 2015, 07:18 Uhr

Es war ein verregneter Abend kurz vor dem Vierten Advent 2013. Die Freiwillige Feuerwehr baute gerade ihren Punsch- und Bratwurststand auf dem Sky-Parkplatz im Friedrichsberg ab, als es plötzlich zu einer Schlägerei kam – zwischen einem Feuerwehrmann und einem Supermarkt-Kunden.

Gestern hatte die Sache ein Nachspiel vor dem Strafrichter. Auf der Anklagebank saß der 37-jährige Sky-Kunde. Dabei wurde schnell klar: Er war nicht derjenige, der als erster zugeschlagen hatte. Er hatte es offenbar eilig, seine letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen und hastete auf den Eingang des Supermarktes zu. Dabei stolperte er über eine Zeltstange, die zur gerade abgebauten Punschbude der Feuerwehr gehörte. Dieser Zwischenfall machte ihn offenbar wütend. Er stieß mit dem Fuß gegen die Reste der Zeltkonstruktion. Einer der Feuerwehrleute, ein heute 51-jähriger Friedrichsberger, bemerkte das und sah offenbar sich und seine Kameraden bedroht. Vor Gericht erklärte der Angeklagte: „Ich hab nur gesagt: ,Was willst denn du Feuerwehr-Micky-Maus?’“

Danach schlug ihm der Feuerwehrmann drei Mal mit der Faust ins Gesicht. Das gab er als Zeuge nun auch offen zu: „Ich hatte das Gefühl, dass er mich angreifen wollte. Daraufhin habe ich zugelangt.“ Wenn die Faustschläge den Mann zur Räson bringen sollten, verfehlten sie ihre Wirkung. Denn wenig später ging der Feuerwehrmann zu Boden. Der Sky-Kunde verdrehte ihm ein Ohr und die Nase. Nach seinen eigenen Angaben wollte er seinen Widersacher damit bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Was geschah, bis die Beamten wenige Minuten später eintrafen, wurde gestern nicht ganz klar. Der Feuerwehrmann berichtete von Rippenprellungen und einer Sprunggelenksverletzung. Irgendjemand habe ihn mehrfach getreten. Sehen konnte er nichts, weil er sich zum eigenen Schutz die Augen verdeckte. Der Angeklagte könne es aber nicht gewesen sein, denn der habe ihn ja die ganze Zeit über festgehalten, meinte der Feuerwehrmann.

Zwar waren an jenem Abend zahlreiche Zeugen auf dem Parkplatz, aber endgültig aufklären konnten sie das Geschehen nicht. Zu widersprüchlich waren ihre Angaben. Denkbar, dass ein Freund des Angeklagten auf den Feuerwehrmann eintrat, als dieser am Boden lag. Beweise dafür gab es nicht. Es saßen noch eine ganze Reihe weiterer Zeugen auf dem Flur des Amtsgerichts und warteten auf ihren Einsatz, als Richter Morten Alpes vorschlug, die Verhandlung abzukürzen und das Verfahren gegen eine Geldzahlung einzustellen und dabei „durchaus zu berücksichtigen, dass auch der Angeklagte einiges eingesteckt hat“. Hoffnung auf einen Freispruch machte der Richter ihm dabei nicht. Am Tatbestand der Körperverletzung gebe es schließlich keinen Zweifel. Spätestens als der Feuerwehrmann am Boden lag, sei schließlich genügend Zeit gewesen, einfach wegzugehen, anstatt ihm Ohr und Nase zu verdrehen.

Die Staatsanwaltschaft regte an, der Angeklagte solle 400 Euro an die Schleswiger Feuerwehr zahlen. Das aber passte dem Angeklagten überhaupt nicht. Man einigte sich auf die Friedrichsberger Iris-Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen. Der arbeitslose Angeklagte wird ihr in sechs Monatsraten insgesamt 240 Euro überweisen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen