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Kreis schleswig-flensburg : „Feuerwehrleute genießen Ansehen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kreisbrandmeister Mark Rücker spricht über das Projekt „Fire Card“ und die erfolgreiche Nachwuchswerbung in den Wehren.

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 15:26 Uhr

Mit der Einführung einer „Fire Card“ will der Kreisfeuerwehrverband das Ehrenamt stärken. Die Bonuskarte, die nächste Woche ausgegeben wird, gewährt den knapp 8000 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren und ihrer Nachwuchsabteilungen Rabatte bei verschiedenen Firmen. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Alf Clasen spricht Kreisbrandmeister Mark Rücker über das Projekt und erklärt, wie es um die Wehren im Kreis bestellt ist.

Herr Rücker, wie ist die Idee zur „Fire Card“ entstanden?

Der Kreisfeuerwehrverband Steinburg hat so etwas Ähnliches mit seinen Mitgliedsausweisen gemacht. Und da dachten wir, sowas müssten wir doch auch bei uns hinkriegen. Auf Landesebene gibt es ja auch noch die Ehrenamtskarte, die für alle Ehrenamtler gedacht ist. Aber wir wollten etwas eigenes machen, was unmittelbarer bei uns im Kreis wirkt.

War es schwer, Firmen als Partner zu finden?

Nein. Wir haben eine Reihe von Firmen angeschrieben und auch einen Aufruf in den sozialen Medien gestartet. Dabei haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen. Bis jetzt machen 18 Firmen mit. Wir hoffen, dass weitere folgen werden.

Gibt es auch Bestrebungen, öffentliche Einrichtungen mit ins Boot zu holen, um den Feuerwehrleuten beispielsweise Rabatte in Schwimmbädern oder Museen zu gewähren?

Ich habe schon Bäder angeschrieben, aber leider noch keine Rückmeldung erhalten. Genauso werden wir zum Beispiel noch bei Museen anfragen, ob die vielleicht einen Nachlass auf die Eintrittspreise gewähren.

Wie sind die Erfahrungen mit der „Fire Card“ im Kreis Steinburg? Hat sie Auswirkungen auf die Nachwuchsgewinnung?

Die Resonanz ist auf jeden Fall positiv. Aber ob dadurch schon mehr Mitglieder gewonnen werden konnten, dazu habe ich bislang noch keine Rückmeldung.

Bleiben wir beim Thema Nachwuchsgewinnung. Wie sieht es bei den Wehren im Kreis aus?

Im vergangenen Jahr haben wir fast 200 neue Mitglieder im Kreis Schleswig-Flensburg dazu bekommen. Im Landesdurchschnitt liegen wir damit ganz oben. Zum Vergleich: In ganz Schleswig-Holstein wurden 469 neue Feuerwehrleute registriert. Die Feuerwehren haben mit verschiedenen Aktionen sehr viel Engagement in die Mitgliederwerbung gesteckt. Teilweise sind sie von Tür zu Tür gelaufen und haben die Menschen persönlich angesprochen.

Und doch fehlt in einigen Wehren das Personal.

Die Tagesverfügbarkeit ist ein Problem. Viele Mitglieder arbeiten in den größeren Orten und stehen dann für Einsätze im eigenen Dorf nicht zur Verfügung. Tagsüber fährt nie eine Wehr alleine los, sondern es kommt immer mindestens eine Nachbarwehr mit, um das Personal aufzustocken. Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir die Alarm- und Ausrückeordnung weiter anpassen können.

Die „Fire Card“ soll einen Beitrag zur Stärkung des Ehrenamts darstellen. Wird das Ehrenamt in unserer Gesellschaft Ihrer Meinung nach ausreichend gewürdigt?

Das ist sicher unterschiedlich. Aber gerade die Feuerwehrleute genießen generell ein gutes Ansehen. Die Freistellung bei Einsätzen erfolgt manchmal allerdings nicht mehr so einfach wie früher. Einige Arbeitgeber beantragen inzwischen Lohnfortzahlungen. Aus deren Sicht ist das ja auch irgendwie verständlich. Worüber wir uns nicht beklagen können, ist die Unterstützung durch die Gemeinden. Wenn ein neues Fahrzeug oder ein neues Gerätehaus benötigt wird, dann wird entsprechend investiert – trotz teilweise knapper Kassen. Schleswig zum Beispiel baut ja gleich zwei neue Gerätehäuser.

Apropos gutes Ansehen der Feuerwehr. Sie sind gleichzeitig Berufsfeuerwehrmann. Da müssen Sie ein beliebter Mensch sein.

(lacht) Ich kann mich nicht beschweren. Und ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Ist es für die Freiwilligen Wehren von Vorteil, dass der Kreisbrandmeister bei der Flensburger Berufsfeuerwehr arbeitet?

Man ist enger zusammengerückt und hilft sich gegenseitig, zum Beispiel mit technischem Gerät. Es kommt auch immer häufiger vor, dass Mitglieder der Berufsfeuerwehr Führungspositionen in den Freiwilligen Feuerwehren einnehmen. Das war früher nicht erlaubt, bis das Brandschutzgesetz geändert wurde.

Sie sind also jeden Tag mit Feuerwehr beschäftigt. Bleibt da noch Zeit für irgendwelche Hobbys?

Als Kreisbrandmeister nehme ich tatsächlich sehr viele Termine wahr. Aber die Zeit für Sport und die Familie, die nehme ich mir. Ich habe ja noch zwei Stellvertreter.

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