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Brandserie : Feuerteufel von Schleswig: Gutachter empfiehlt Einweisung in Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Da geht ein Riss durch die Person“, sagt der Gutachter über den Angeklagten. Am Freitag soll das Urteil fallen.

von
erstellt am 17.Mär.2015 | 16:41 Uhr

Ist er verrückt oder ist er ein schlechter Mensch? Was trifft zu auf den 36-jährigen Danny B., der im vergangenen August an einem einzigen Tag sieben Schleswiger Mehrfamilienhäuser anzündete? Am voraussichtlich vorletzten Verhandlungstag vor dem Flensburger Landgericht brachte der Gutachter Dr. Rainer Taistra diese Frage am Dienstag auf die englische Formel „mad or bad?“ Die Antwort, das machten die Ausführungen des Psychiaters deutlich, fiel nicht ganz leicht. Am Ende aber, sagte er, senke sich die Waagschale auf die Seite „mad“ – verrückt.

Die Richter werden ihr Urteil wahrscheinlich an diesem Freitag fällen. Wenn sie dem Gutachter folgen, dann weisen sie den Angeklagten in eine psychiatrische Klinik ein. Die andere Möglichkeit, die Staatsanwalt Axel Schmidt gegenüber Taistra ausdrücklich ansprach, wäre eine Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Dass Taistra dies nicht empfahl, lag auch daran, dass er die Hoffnung nicht aufgegeben hat, dass eine Therapie bei Danny B. Erfolg haben könnte. „Ich konnte ihm gegenüber offen über seine psychopathischen Verhaltensweisen sprechen, er hat mir im wesentlichen zugestimmt“, sagte Taistra. Der Angeklagte saß bereits für mehrere Jahre wegen Raub und Vergewaltigung im Gefängnis und nahm dort bereits an einer Sozialtherapie teil. Dabei habe er in der Theorie auch viel gelernt, so Taistra. „Er kann es nur nicht umsetzen.“

Der Gutachter konstatierte eine kombinierte Persönlichkeitsstörung: antisozial, paranoid und narzisstisch. Das zeige sich unter anderem an einem Mangel an Einfühlungsvermögen gegenüber anderen Menschen. Bezeichnend seien die ausgeprägten Machtfantasien des Angeklagten, die sich mit dem Gefühl paarten, ein ewiger Verlierer zu sein. „Da geht ein Riss durch die Person“, fasste es Taistra zusammen.

Bevor er die Feuer legte, hatte er einige Tage auf der Straße gelebt, nachdem er seine Lebensgefährtin und seine Kinder in Rendsburg verlassen hatte. Nach Hause zurückzukehren, kam für ihn nicht in Frage. Es wäre eine Niederlage gewesen.

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