Hund kam ums Leben : Feuer-Drama auf der Schlei

Verzweifelt versucht Manfred Gehrke am Bug der brennenden Motoryacht, an seinen Hund zu gelangen. Der Weg ins Innere ist durch die Flammen versperrt.
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Verzweifelt versucht Manfred Gehrke am Bug der brennenden Motoryacht, an seinen Hund zu gelangen. Der Weg ins Innere ist durch die Flammen versperrt.

Die Motoryacht eines 67-jährigen Eckernförders gerät vor der Freiheit in Brand.

Alf Clasen von
23. Juni 2017, 11:47 Uhr

Manfred Gehrke versucht alles, um seinen „Robbie“ zu retten. Er schlägt eine Scheibe seiner brennenden Motoryacht ein, um den Setter-Labrador-Mix aus dem Inneren ins Freie zu ziehen. Aber es ist zu spät, das Feuer wütet bereits zu stark – „Robbie“ hat keine Chance mehr. Dafür schafft es der 67-jährige Gehrke trotz seiner Gehbehinderung, das Schiff mit einem Sprung ins Wasser rechtzeitig zu verlassen und sich auf dem Steg der Uferpromenade in Sicherheit zu bringen. Zwei Polizisten tragen den Mann aus Eckernförde später durch die dichte Rauchwolke weg von der Unglücksstelle. Er bleibt unverletzt.

Der Tod des Hundes ist der traurige Höhepunkt des Feuer-Dramas, das Augenzeugen und Rettungskräfte gestern gegen 14 Uhr im Stadtteil Auf der Freiheit in Atem hält. Die Motoryacht ist zunächst bei starkem Wind vor dem Ufer am ehemaligen Offizierskasino auf Grund gelaufen. „Der Mann hat gerufen, ob wir ihm helfen können“, berichtet eine junge Frau, die mit ihrem Freund dort spazieren war. „Wir haben ihn dann mit Hilfe eines Bretts angeschoben.“ Ein anderer Augenzeuge berichtet: „Er hat seinen Motor voll aufgedreht, um gegen den Wind zu manövrieren. Ich hab’ noch gedacht, das hält die Maschine nicht aus.“

Fakt ist, dass das Schiff Feuer fängt, das sich in Windeseile ausbreitet. Als die Feuerwehr später eintrifft, kann sie nichts mehr retten. Geld, Papiere, Kleidung und die schätzungsweise 25  000 Euro teure Yacht – alles hat Manfred Gehrke verloren. Vor allem aber seinen „Robbie“. „Er hat unten im Schiff geschlafen. Als es anfing zu qualmen, hätte ich schneller reagieren müssen“, sagt er im Gespräch mit dem zufällig vor Ort weilenden SN-Reporter. Und dann bricht er in Tränen aus, als er berichtet, dass der Hund trotz seiner zwölf Jahre noch so fit war. „Ich wollte eigentlich heute mit ihm zum Tierarzt. Er sollte die Zähne gereinigt bekommen.“

Wie konnte es zu dem Unglück kommen?

Manfred Gehrke hatte nach eigenen Angaben den Motor ausgeschaltet, um das Seewasserventil des Schiffes zu reinigen. Als er den Motor wieder anlassen wollte, war er bereits ans Ufer getrieben worden. Warum das Schiff dann Feuer fing, darüber kann der verwitwete Rentner nur spekulieren. „Ich vermute, dass eine Kraftstoffleitung geplatzt ist und der Diesel sich entzündet hat.“ Der 30 PS starke Drei-Zylinder-Motor vom Typ Volvo sei eigentlich sehr robust. „Der ist erst vor drei Jahren neu eingebaut worden.“ Größere Gasflaschen, die hätten explodieren können, hatte Gehrke glücklicherweise nicht an Bord.

Heimathafen des 1982 in Holland gebauten Schiffes war Schwerin, „wegen der dort günstigen Liegegebühren“, wie Manfred Gehrke erklärt. Gestern war er vom Fleckebyer Hafen aus unterwegs auf der Schlei. „Und dann wollte ich in diesen Tagen eigentlich noch zur Kieler Wochen fahren.“

Der Rumpf der Motoryacht war nach den Löscharbeiten noch so weit intakt, dass das Wrack vom Seenotrettungsboot „Walter Merz“ abgeschleppt werden konnte.

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