1000 Tonnen Holz in Flammen : Feuer auf Recyclinghof in Schleswig: Dauerstress für 200 Einsatzkräfte

Ein Inferno aus Rauch und Flammen: Rund 70 Atemschutzgeräteträger bekämpfen das Feuer von allen Seiten.
Ein Inferno aus Rauch und Flammen: Rund 70 Atemschutzgeräteträger bekämpfen das Feuer von allen Seiten.

Schleswig erlebt einen der größten Brände der letzten Jahre.

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11. August 2018, 01:00 Uhr

Schleswig | Kevin Kallsen ist platt. „Ja, das kann man so sagen. Aber es nützt ja nichts“, meint er, während er am Freitagmittag mit seinen Kameraden Timo Heil und Christoph Hansen auf einem Stapel Europaletten sitzt und kurz mal durchatmet. Seit mehr als 20 Stunden sind sie da schon auf den Beinen. Und Pausen? Die sind nicht nur für die drei Mangelware. Denn gemeinsam mit fast 200 weiteren Helfern bekämpfen sie seit Donnerstagabend einen der größten Brände, die die Stadt Schleswig in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat.

Gegen 18.30 Uhr war der erste Notruf am Vorabend bei der Feuerwehr eingegangen. Erst war man da noch von einem Routineeinsatz ausgegangen. Schon wenig später aber war klar, dass dieses Feuer Dimensionen hat, „mit denen man sich nicht alle Tage auseinandersetzen muss“, wie Schleswigs Wehrführer Sönke Schloßmacher sagt. Auf dem Gelände des Recycling-Unternehmens Remondis im Gewerbegebiet St. Jürgen waren geschredderte Holzreste in Flammen aufgegangen. Rund 1000 Tonnen, sagt Niederlassungsleiter Michael Karg, lagern dort. Hinzu kommen beträchtliche Mengen Biokompost. Darin konnte sich das Feuer rasant ausbreiten – auch begünstigt durch das Wetter. Zwar schüttete es am späten Donnerstagabend zeitweise wie aus Eimern. Dazu aber frischte es deutlich auf. „Der Wind hat dem Feuer noch mehr Kraft gegeben. Und auch der Regen hat uns nicht wirklich geholfen“, sagt Schloßmacher. Denn in erster Linie habe der dafür gesorgt, dass die Kameraden teilweise über Stunden klitschnass im Einsatz waren. „Das kann schnell auf die Stimmung gehen. Aber zum Glück wurden wir hervorragend von der Johanniter-Unfallhilfe mit Essen und Trinken versorgt. Das ist immer schon die halbe Miete.“

Kurz durchatmen: Die Feuerwehrkameraden waren teilweise mehr als 20 Stunden im Einsatz.
Sven Windmann
Kurz durchatmen: Die Feuerwehrkameraden waren teilweise mehr als 20 Stunden im Einsatz.
 

Dadurch, dass das Feuer sich immer weiter ausbreitete, mussten nach und nach weitere Wehren nachgefordert werden. Vom Fliegerhorst in Jagel kamen zwei riesige Löschfahrzeuge, die über Kanonen je 8000 Liter Wasser in die Flammen jagten. Neben der Schleswiger Wehr, die mit 65 Frauen und Männern vor Ort war, kamen Helfer der Freiwilligen Feuerwehren Flensburg-Weiche, Nübel, Moldenit, Füsing, Schaalby, Idstedt, Neuberend, Jagel, Fahrdorf, Hüsby und Lürschau zur Unterstützung. Auch das Schleswiger THW war vor Ort. Die Busdorfer Feuerwehr und eine Handvoll Schleswiger Kameraden kümmerten sich derweil um den einen oder anderen Schaden, den der Sturm in der Kreisstadt angerichtet hatte. „Es ist ja Urlaubszeit, da sind viele Leute natürlich im Urlaub. Aber wir haben zum Glück genügend Helfer im Einsatz“, sagt Schloßmacher, dem die Müdigkeit – wie den meisten seiner Kameraden – anzusehen ist.

Was die Frauen und Männer in der Nacht vor die größte Herausforderung stellte: Dadurch, dass das Feuer von allen Seiten bekämpft werden musste, reichte das Wasser aus den Hydranten nicht aus. Deshalb musste eine Leitung vom etwa eineinhalb Kilometer entfernten Brautsee gelegt werden, bei der, so Schloßmacher, alle 500 Meter eine Pumpe zwischengeschaltet werden musste.

Wie das Feuer entstehen konnte, steht bislang nicht fest. Die Polizei ermittelt. Es könnte innerhalb der Holzhaufen – bedingt durch die wochenlange Trockenheit – einen Gärprozess gegeben haben. Voraussichtlich noch bis Samstagvormittag müssen Radlader die Holz- und Komposthaufen immer wieder auflockern, um Glutnester zu finden. Bis dahin wird auch eine Brandwache vor Ort sein. Vielleicht ist Kevin Kallsen dann auch noch dabei. Er gehörte zu den ersten Kameraden, die am Donnerstag vor Ort waren. Die ganze Nacht über war er im Einsatz, am Freitag um 6 Uhr stand er dann kurz bei der Arbeit auf der Matte. Danach ging es direkt zurück zum Löschen.

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