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Weihnachtsoratorium : Festliche Klänge im Schleswiger Dom

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Domchor und die Domkantorei zelebrierten Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium gemeinsam mit der Kammer-Sinfonie Bremen.

Ein Konzert nach Maß: Am vierten Advent erklang im voll besetzten St.-Petri-Dom Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, und zwar die Teile I bis III und V. Es gehört zu jenen Werken der Musikgeschichte, welche mit unzerstörbar guter Laune immer wieder gerne gehört werden. Rainer Selle leitete den Schleswiger Domchor und die Domkantorei sowie die Kammer-Sinfonie Bremen auf historischen Instrumenten. Die vier Gesangsolisten gestalteten sich als stimmliche Edelsteine in einem insgesamt überaus gelungenem Konzert, die ihre Rezitative und Arien mit glänzenden Stimmen bestens zum Erklingen brachten. Den Sopranpart als Engel und vorzügliche Duettpartnerin in „Herr, dein Mitleid“ (Nr. 29) hatte die mit sanft-hellem Organ ausgestattete Julia von Landsberg inne. Markus Lemke intonierte mit viel sängerischer Erfahrung und weichem Bass nicht nur die herrliche, trompetenbeleuchtete Arie „Großer Herr, o starker König“ (Nr. 8), sondern deklamierte die Rezitative sehr deutlich.

Dasselbe gilt auch für Johannes Hoppe als rezitierender Evangelista, der mit seiner hellen, beinahe jugendlich wirkenden Stimme ebenso die schwierige, flötenbegleitende Koloratur-Arie „Frohe Hirten, eilet herbei“ (Nr. 15) scheinbar mühelos meisterte. Ebenso mühelos verbreitete Ulrike Andersen mit ihren drei großen und samtig klingenden Alt-Arien „Bereite Dich, Zion“ (Nr. 4), „Schlafe, mein Liebster“ (Nr. 19) oder das rührende „Ja, ja!, mein Herz soll es bewahren“ (Nr. 32) farbigen bis hin zur Tiefe deutlich artikulierten und fantastisch anzuhörenden Sangesschmelz.

Das Orchester war hochkarätig zusammengesetzt, und insbesondere die Instrumentalsolisten wie die exzellent blasende Flöte in der „Tenor-Arie“, die herzerfrischend schmetternde Trompete und die zart-duftige Violine in der Alt-Aria „Schließe, mein Herze“ (Nr. 31) oder im Terzett „Ach! Wann wird die Zeit erscheinen“ (Nr. 51) verdienen hierbei besondere Beachtung, wenn auch die Holzbläser hinter dem Pfeiler plaziert, klanglich manchmal ins Hintertreffen gelangten. Trotzdem führten die historischen Instrumente mit ihren süß-herben Klängen das Publikum in ferne Zeiten. Insbesondere die sanft quakenden Oboen d’amore sowie die Oboen da caccia versprühten trotz leichter Intonationsprobleme sowohl in der wiegenden, pastoralen Sinfonia als auch in den Arien eine kanapee-gemütliche Freundlichkeit.

Rainer Selle leitete die beiden Chöre mit frischen Tempi. Die Mitglieder zeigten sich routiniert und bestens vorbereitet. Sie verbreiteten mit einigender und gut deklamierender Stimme ebenso in den Chorälen jauchzende Festlichkeit, auch wenn gerade dort zeitweise auch die beschauliche Ruhe fehlte. Durch das Dacapo des festlichen Eingangschores („Ehre sei dir Gott!“) lieferte Chor und Orchester gleich die Zugabe mit: stehender und lang anhaltender Beifall der verdiente Lohn.



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