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Konfirmanden im Kreis Schleswig-Flensburg : Ferien ohne Handy und ohne Geld

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ohne Smartphone, MP3-Player und Geld – Konfirmanden sind in den Osterferien auf Pilgertour von Fockbek bis nach Oeversee.

Im Eingangsbereich des Kropper Gemeindehauses stapeln sich derbe Holzstäbe und rustikale Schuhe, drinnen tobt das Leben – die 29 Teilnehmer der Pilgertour für Jugendliche bereiten sich auf ihre zweite Etappe vor, die auf dem Ochsenweg von Kropp mit einem Umweg um das Selker Noor herum bis nach Schleswig führt. Schlafsäcke und Isomatten werden für den Transport bereitgelegt, die letzten Verpflegungsbrote geschmiert und auch die vom ersten Tag geschundenen Füße bekommen noch ein wenig Aufmerksamkeit. Mittendrin Olaf Peters, der als Jugendpfleger der Stern-Region für Verpflegung und als alter Rockmusiker mit der Gitarre für gute Laune sorgt. Mit von der Partie ist auch Jörg Jeske. Der Pastor für Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg hatte die Idee, eine Pilgertour für Konfirmanden anzubieten – vier Tage unterwegs, ohne Geld, ohne Musik vom MP3-Player, ohne Smartphone, kein Programm. Es geht darum, sich auf das Nötigste zu beschränken, die Natur, die anderen Mitglieder der Gruppe und sich selbst wahrzunehmen. Und um die Erkenntnis, dass es sogar ein gutes Gefühl sein kann, nicht immer abgelenkt zu werden.

Es ist inzwischen die fünfte Pilgertour dieser Art, die für Jugendliche aus der Stern-Region angeboten wird. Und es war von Anfang an kein Problem, genügend Teilnehmer zu finden, die die Strapazen der Wanderung und den Verzicht auf einige Errungenschaften der Technik auf sich nehmen. „Wir machen inzwischen keine Werbung mehr, sind aber ausgebucht“, sagt Jeske, „offensichtlich gibt es dafür Bedarf.“

Zum ersten Mal dabei ist der 13-Jährige Elias Gülich – und das, obwohl er sich vor acht Wochen die Hüfte angebrochen hat. Der Marsch von Fockbek nach Kropp hat Schmerzen verursacht, dennoch will er möglichst durchhalten. „Es ist schon toll, seine Gedanken schweifen zu lassen und hier in der Gruppe neue Leute kennenzulernen. Ich möchte gern weiter dabei sein. Aber zur Not fahre ich auch eine Etappe im Gepäckwagen mit.“

Für Pastor Jörg Jeske gehört es zum Wesen der Pilgerreise, dass die Teilnehmer an ihre Grenzen und vielleicht auch ein Stück weiter gehen. „Blasen an den Füßen sind normalerweise kein Grund, aufzugeben“, sagt er. Aber natürlich steht die Gesundheit der Teilnehmer im Vordergrund. Und es wird auch niemand gedrängt.

Die längste Etappe steht den Konfirmanden heute bevor, wenn es auf dem Alten Ochsenweg von Schleswig weiter nach Sieverstedt geht. Zu den Wanderungen gehört auch eine Schweigephase. „Das fällt nicht allen leicht“, weiß Jörg Jeske aus Erfahrung, „aber es hilft dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich zu finden. Es ist ein Stück Spiritualität.“

Jeske hat die Erfahrung gemacht, dass die Pilgertour auch Jugendliche anspricht, „die mit dem Glauben nicht so viel am Hut haben“.

Zu den Ritualen gehört die kurze biblische Geschichte am Morgen, gemeinsames Singen während der Pausen und das Zusammentreffen der Gruppe an Abzweigungen. „Der erste der älteren Betreuer wird nicht überholt, der letzte lässt niemanden zurück“, beschreibt Jeske die Regel. „Wir achten auf einander“, sagt der Pastor. Zu den so genannten Teamern gehört auch der 21-jährige Lars Paulsen. Der Student sieht sich nicht als Aufpasser, sondern als Mitglied der Gruppe und genießt es, auf dem Weg seine Gedanken ungesteuert fließen zu lassen.

Die Nächte verbringt die Gruppe in Gemeindehäusern, geschlafen wird auf Isomatten und in Schlafsäcken. Duschen ist Glückssache. In Kropp gab es keine, in Schleswig ebenfalls nicht. „Das macht auch nichts“, sagt Jörg Jeske, der nach zwei Etappen selbst nicht mehr so ganz gesellschaftsfähig ist. Der Abend vergeht mit dem Essenkochen, ausführlicher Fußpflege, einer selbst gestalteten Andacht und einigen Spielen. „Mehr geht auch nicht, nach dem Marsch sind wir alle platt“, sagt Jeske. So platt, dass er nach der ersten Wanderung gegen 18.30 Uhr aus dem Jungenzimmer die Frage hörte, ob man nicht sofort schlafen könne.

Die 16-jährige Fenja Lorenzen ist bereits zum vierten Mal dabei und nutzt die Zeit ganz bewusst. Sie verzichtet nicht nur auf ihr Smartphone, sondern hat auch ihre Uhr zu Hause gelassen. „Ich will mich nicht ablenken lassen, will unbedingt jeden Stress vermeiden.“ Sie hat für das Pilgern die Vorbereitungen auf ihren Realschulabschluss unterbrochen. „Ich weiß, dass es mir gut tut, hier abzuschalten“, sagt sie. Die viertägige Pilgertour endet am Freitag in Oeversee. Und dann? „Dann werde ich ausschlafen, mich pflegen und von meinen Schmerzen erholen“, sagt die Schülerin.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 13:27 Uhr

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