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Bürgermeisterkandidat Christiansen : Feinsinnig, aber selten geräuschlos

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Nachrichten stellen alle fünf Bürgermeister-Kandidaten vor. Den Anfang macht Dr. Arthur Christiansen, gemeinsamer Kandidat von SPD, SSW und Grünen.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 18:00 Uhr

Auch nach 30-jähriger Tätigkeit gibt es für einen Verwaltungs- und Politprofi wie Dr. Arthur Christiansen Momente, die unter die Haut gehen. „Schau’n Sie, der kleine Junge da“, sagt er, zeigt auf das Foto auf dem Display seines Handys und erzählt eine Geschichte. Sie handelt von einer Frau, die eines Tages mit ihrem Sohn in der Bürotür des Handewitter Bürgermeisters steht. „Mein Junge wollte mal sehen, wo der Bürgermeister arbeitet“, erklärt die Frau schüchtern. Christiansen erwidert: „Ich bin der Bürgermeister.“ Und an den Sohn gewandt: „Komm, setz dich mal auf meinen Platz.“ Dabei entsteht das besagte Foto. Tage später folgt eine Dankes-E-Mail: „Sie haben meinem Jungen eine große Freude gemacht. Zum ersten Mal war er glücklich nach dem Tod seines Vaters.“

Gänsehaut habe er nach dieser E-Mail gehabt, sagt Christiansen. Es sind Momente wie dieser, die ihm zeigen, dass man nicht nur mit großen Schritten etwas bewegen kann und muss. Der Mann, der vom Chefsessel in der Handewitter Gemeindeverwaltung auf die Spitzenposition im Schleswiger Rathaus wechseln will, ist ein feinsinniger, sensibler Mensch, auch wenn sein Auftreten das bisweilen nicht vermuten lässt. Wenn der 1,87-Meter-Mann um die Ecke biegt, geschieht das selten geräuschlos. Christiansen ist präsent, schüttelt kraftvoll Hände, lacht so dröhnend wie ein volles Kino. Und im Sommer besucht er gern die Schweriner Schlossfestspiele.

Pressetermin auf der Terrasse des Alten Kreisbahnhofs bei Eis mit Schokoladensoße. Mit Arthur Christiansen ein Gespräch zu führen, das sich nicht um Politik und Verwaltungshandeln dreht, ist schwierig. Selbst nach seinem Lieblingsbuch gefragt („Für Bücher habe ich im Moment gar keine Zeit“), dauert es nur zweieinhalb Sätze, bis es wieder um Politik geht. Sogar in seiner Freizeit sind seine Gesprächspartner davor nicht gefeit. Im Sommerurlaub war er auf Zypern und verwickelte die verdutzten Insulaner in eine Diskussion über die Euro-Krise; er weiß, dass das auf Außenstehende etwas schräg wirken mag. „Aber mein Beruf ist für mich Berufung“, sagt er dazu. Christiansen ist irgendwie immer im Dienst. Einen guten Job zu machen, ist ihm wichtiger als Freizeit, allerdings müssen selbst seine Batterien wieder aufgeladen werden. „Natürlich muss ich mich mal erholen. Aber eineinhalb Tage die Beine hochlegen, nein, das kann ich nicht.“

Was kann er nicht leiden? „Unehrlichkeit, Besserwisserei, Dogmatismus in jeder Form.“ Was stört ihn manchmal an sich selbst? „Mein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Ich muss aufpassen, dass man mir das nicht als Arroganz auslegt.“ Was zeichnet ihn aus? „Ich bin mit mir im Reinen, ich kann zuhören, ich habe ein gutes Gefühl für Stimmungen.“

Zwei Wochen noch dauert der Wahlkampf. Christiansen hat Termine von morgens bis abends, er will die Schleswiger kennenlernen, seit Monaten ist er in der Stadt unterwegs. Purer Stress? „Wieso sollte ich gestresst sein? Mir macht das doch Spaß.“

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