Thomas Cornelius im Dom : Fein differenzierte Orgelklänge

 Thomas Cornelius spielte an der großen Domorgel. Foto: rpo
Thomas Cornelius spielte an der großen Domorgel. Foto: rpo

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05. Juli 2013, 03:59 Uhr

Schleswig | Im Rahmen des "Orgelfestivals Sønder jylland-Schleswig" kam auch die große Domorgel zum Klingen. Am Spieltisch saß Thomas Cornelius, der Zweite Kirchenmusiker an der Hauptkirche St. Petri in Hamburg. Der gebürtige Schleswiger war von 1999 bis 2004 Schüler des früheren Domorganisten Karl Helmuth Herrmann. Nach dem Abitur an der Domschule 2006 studierte Cornelius Kirchenmusik in Lübeck und Hamburg.

Das Programm seines Konzertes umfasste auch Komponisten, die hierzulande gewirkt haben: Franz Tunder war von 1632 bis 1641 Hoforganist am Gottorfer Herzogshof; Nikolaus Bruhns war von 1689 bis 1697 Stadtorganist in Husum, und Johann Nicolaus Hanff war 1711/12 Organist am Schleswiger Dom. Die Kathedrale war gut besetzt, als Domkantor Rainer Selle die Zuhörer begrüßte und eine kleine Einführung in das Programm gab. Mit Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) begann Thomas Cornelius das Konzert. Der junge Organist legte Wert auf die Ausgestaltung der freien Rhythmen.

Franz Tunder (1614 bis 1667) schrieb eine ausführliche Choralfantasie über das Pfingstlied "Komm, Heiliger Geist, Herre Gott". Choralmelodie und Begleitstimmen wurden auf unterschiedlichen Manualen dargeboten - was man auch auf der Video-Übertragung erkennen konnte. Johann Sebastian Bach folgte mit Präludium und Fuge in D-Dur (BWV 532). Hier konnte man über die ausgefeilte Pedal-Technik des jungen Mannes nur staunen. Die sehr lebendige und vitale Fuge mit leichten Verzögerungen vor bedeutenden Akkorden krönte die Wiedergabe. Von César Franck (1822-1890), dem großen Romantiker unter den Orgel-Komponisten, hörte man das Stück "Prière" (Gebet) op. 20. Bei den dunklen, feierlichen Klängen kam das Schwellwerk mit seinen vielen Möglichkeiten voll zur Geltung - der einzelne Klang differierte von laut zu leise und umgekehrt.

Eine "Eigene Freie Improvisation" brachte farbige Klangwirkungen der unterschiedlichsten Ausgestaltung. Thomas Cornelius nutzte fast alle Möglichkeiten der Orgel aus - gewaltige Klänge zum Schluss führten zurück auf den ziselierten Beginn. Von Johann Nikolaus Hanff (1665-1712) folgten zwei Choralvorspiele. Schlusswerk war die Fantasie in d-moll op. 135b von Max Reger (1873-1916), eine der letzten Orgelkompositionen des Meisters. Insgesamt kann man dem jungen Mann bescheinigen: Er besitzt ein feines Gefühl für Raum und Klang, was sich in Artikulation, Spieltempo und Registerwahl zeigte.

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