Dr. aus Schnarup-Thumby : Faszination Kirchenkunst

Sönke Andresen vor dem Altar der St-Georgs-Kirche in Struxdorf.
Sönke Andresen vor dem Altar der St-Georgs-Kirche in Struxdorf.

Mit fast 80 Jahren hält Sönke Andresen seine Doktorarbeit in den Händen.

shz.de von
18. August 2018, 12:00 Uhr

Sönke Andresen aus Schnarup-Thumby wird im Januar 80 Jahre alt. Diesen Geburtstag wird er vermutlich als Dr. Sönke Andresen feiern können. Denn bis auf die Veröffentlichung seiner Doktorarbeit und deren Aufnahme in den ISBN-Katalog sind dafür alle Voraussetzungen erfüllt. Der Titel seiner Dissertation auf dem Gebiet Kunstgeschichte lautet „Nicolaus Heimen, ein Bildschnitzer im Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf“. Diese Arbeit schließt nach Meinung von Experten eine wesentliche Lücke in der Erforschung der Kunstgeschichte Schleswig-Holsteins.

Kontakt zu den Werken Heimens hatte Andresen bereits als Kind. Sein Vater war Pastor in Sankt Annen im Dithmarschen. In der Kirche hing ein Retabel (Tafel hinter dem Altar), das in den 1950er-Jahren teilweise vor Ort restauriert wurde. „Ich habe das als Jugendlicher mit zwölf oder 13 Jahren beobachtet und war fasziniert, dass unter einer dicken Farbschicht Gesichter, Hände, Adern auf den Handrücken und Beinen zum Vorschein kamen“, erzählt er. Das habe ihn so fasziniert, dass er sogar von diesen Figuren geträumt habe.

Diese Faszination sei jedoch in Vergessenheit geraten, bis er den ebenfalls von Nicolaus Heimen gestalteten Altar in der Struxdorfer St.-Georgs-Kirche sah und Elemente wiedererkannte. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Lehrer in Schnarup-Thumby und später in Böklund. Mit dem Bedürfnis mehr über dieses Fachgebiet zu erfahren, begann er mit Eintritt in die Rente ein Studium der Kunstgeschichte in Kiel. Er schloss es nach zehn Semestern als Magister ab. Seine Magisterarbeit handelte bereits von Heimen und dem Retabel von Sankt Annen.

Keine Frage also, auch eine Doktorarbeit zu dem Thema zu verfassen. Professor Christoph Jobst nahm ihn als Doktorand auf. „Es ist wirklich mal an der Zeit, dass jemand an diesem Thema arbeitet“, meinte er.

Acht Jahre lang las der Doktorand jedes Wort, das er über Heimen und die Kunstgeschichte seiner Zeit erhalten konnte. Er reiste zu allen Orten, von denen ihm Heimen-Werke bekannt waren. Ergebnis ist eine Dissertation, die aus einem Textband von 370 Seiten und einem Bildband von 230 Seiten besteht. Für dieses Werk erhielt er die Gesamtnote 1,7. „Für mich war das eine dauernde Entdeckungsreise“, verrät Andresen.

Bereits während seines Kunststudiums betrug der Altersunterschied zu seinen Kommilitonen 40 Jahre und mehr. Auch seine Professoren, die als Prüfer gefordert waren, waren mindestens 20 Jahre jünger als er. Doch er glaubt nicht, dass ihn dies bei der Notenvergabe benachteiligt hat. „Ich vermute sogar, dass meine Arbeit besser bewertet wurde, als wenn sie ein jüngerer Kollege abgegeben hätte.“ Vor der mündlichen Prüfung hatte Andresen doch Bammel. Doch da beruhigte ihn sein Doktorvater: „Wenn hier einer etwas von Heimen weiß, dann sind sie das und nicht die Prüfer“, sagte er.

Sönke Andresens Doktorarbeit ist für Fachleute geschrieben und für Laien schwer verdaulich. Deshalb will er im Herbst am Altar der Struxdorfer Kirche einen Vortrag zu diesem Thema halten.




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