Parkdeck über Schleswiger Stadtbücherei : „Fast wie die Elbphilharmonie“

Auf dem leeren Parkdeck: Gebäude-Eigentümer Dieter Kopplin und sein Bauleiter Claas-Hermann Walter.
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Auf dem leeren Parkdeck: Gebäude-Eigentümer Dieter Kopplin und sein Bauleiter Claas-Hermann Walter.

Seit 2002 war das Parkdeck über der Stadtbücherei geschlossen – nach drei Jahren Sanierung ist es jetzt wieder geöffnet.

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08. Juli 2015, 16:20 Uhr

Nachdem Aldi-Eigentümer Theo Albrecht mit seinem gepanzerten Mercedes für mehrere Stunden im Autofahrstuhl feststeckte, ließ er das Parkdeck über seinem Geschäft in der Schleswiger Innenstadt dichtmachen. Das ist 13 Jahre her. Gestern wurde es offiziell wieder eröffnet.

Im Erdgeschoss, wo sich einst der Aldi-Markt befand, ist inzwischen ein Fahrradhandel zu Hause. Die Stadtbücherei im ersten Stockwerk ist jedoch noch immer in dem Gebäude. Bücherei-Leiterin Ursula Nielsen freut sich deshalb besonders über die Wiedereröffnung. Viele Besucher hätten sich in den vergangenen Jahren über die schwierige Parkplatzsituation beklagt. „Seitdem ein ganzes Deck im Parkhaus am Schwarzen Weg gesperrt ist, hat der Suchverkehr in der Stadt noch einmal spürbar zugenommen“, hat Nielsen beobachtet. Das hat auch Dieter Kopplin mitbekommen. Der Immobilienunternehmer aus Schönberg im Kreis Plön hatte das Gebäude im Jahr 2010 vom Aldi-Konzern gekauft und kurz darauf auch die Bücherei-Etage von der Stadt Schleswig übernommen, die seither nur noch Mieterin ist. „Dass wir das Parkdeck ausgerechnet jetzt eröffnen, hat nichts mit dem Parkhaus am Schwarzen Weg zu tun, das ist Zufall“, versichert er.

Und es ist auch ein Experiment: Sind die Schleswiger bereit, Geld dafür zu bezahlen, dass sie während des Einkaufens ihr Auto abstellen können? Das Parken über der Stadtbücherei kostet einen Euro pro Stunde. „Ich finde das günstig“, sagt Ursula Nielsen. Dem stimmt auch Bauleiter Claas-Hermann Walter zu, der aus Kiel kommt. In der Landeshauptstadt zahle man deutlich mehr. Lone Witte, Inhaberin der Reinigung im Erdgeschoss, hat Kopplin zudem zugesichert, dass das Parken für weniger als zehn Minuten demnächst kostenfrei wird.

Auch wenn gestern erst die offizielle Einweihung mit Sekt und Schnittchen stattfand: Das Deck ist schon seit der vergangenen Woche wieder in Betrieb. Bisher haben selten mehr als vier oder fünf Autos gleichzeitig dort geparkt. Kopplin glaubt, dass es mehr werden, wenn sich das Angebot erst herumgesprochen hat.

Er feierte nun den Abschluss einer Sanierungsmaßnahme, die er sich deutlich einfacher vorgestellt hatte. „Es war fast wie bei der Elbphilharmonie“ sagt er. Als er 2012 das Parkdeck in Angriff nahm, dachte er, es würde um nicht viel mehr gehen als eine Erneuerung der Fahrbahnbeschichtung. Es kam jedoch zu zahlreichen Komplikationen und immer wieder zum Stillstand. Die Bücherei musste während der Bauarbeiten mehrmals geschlossen werden, weil über das Parkdeck Regenwasser ins Gebäude eindrang. Der Streit mit einem Subunternehmer, von dem sich Kopplin und sein Bauleiter Walter inzwischen getrennt haben, wird jetzt vor Gericht ausgetragen.

„Irgendwann waren wir selbst von dem Projekt so genervt, dass wir es nicht mehr mit derselben Energie vorangetrieben haben, wie es möglich gewesen wäre“, gibt Kopplin zu.

Insgesamt hat er in die Sanierung rund 500  000 Euro investiert. Darin enthalten sind auch die Kosten für eine neue Wärmeisolierung und für die Rampe, über die die Autos das Parkdeck erreichen können. Den Autofahrstuhl gibt es nicht mehr. Theo Albrecht, der während seiner Urlaubsaufenthalte auf Sylt gerne seine schleswig-holsteinischen Märkte inspizierte, war nicht der einzige, der in der Apparatur aus den 70er Jahren stecken blieb. „Ich habe nicht gezählt, wie viele Leute ich aus dem Fahrstuhl rausholen musste“, sagt Hausmeister Ralf Vogt, der diese Aufgabe schon zu Aldi-Zeiten hatte. Nicht nur die Albrecht-Limousine, auch viele andere Fahrzeuge neueren Baudatums sind so breit, dass die Fahrer im Fahrstuhl die Tür nicht mehr öffnen konnten, um an den Notschalter zu gelangen. Wer stecken blieb, musste warten, bis draußen jemand bemerkte, dass etwas nicht stimmt.

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