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Amtsgericht Schleswig : Falschgeld-Urteil mit Hintergedanken

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein 25-Jähriger bezahlte im Friedrichsberg mit 20-Euro-Blüten. Er bekommt eine milde Strafe. Die Staatsanwaltschaft hofft, mit seiner Hilfe an den Hintermann heranzukommen.

Für Staatsanwalt Thorkild Petersen-Thrö war es eine eher ungewohnte Rolle. Gegen Ende des Prozesses gegen einen 25-jährigen Schleswiger wegen der Verbreitung von Falschgeld zog der Jurist alle Register – um ein möglichst mildes Urteil zu erwirken. Der Vertreter der Anklage bezeichnete die Reue des Angeklagten als glaubwürdig, hob die Selbstanzeige als strafmildernd hervor und bekannte, er sei positiv überrascht von dem Auftritt gewesen. Für die Straftat, die eigentlich mit Haft zwischen einem und fünf Jahren bestraft wird, forderte der Staatsanwalt schließlich das Straf-Minimum für einen minderschweren Fall: drei Monate auf Bewährung. „Mehr Gutes kann ich Ihnen nicht tun“, sagte Petersen-Thrö. Dem konnte dann auch der Verteidiger nicht widersprechen.

Dass der Angeklagte so schonend behandelt würde, war zu Beginn der Verhandlung nicht zu erwarten gewesen. Er tauchte sehr zum Ärger der Beteiligten nämlich zunächst nicht auf, musste von der Polizei zu Hause abgeholt werden und entschuldigte sich damit, dass er dauernd arbeiten müsse.

Die Anklage warf dem Mann vor, im August/September 2013 Falschgeld in Umlauf gebracht zu haben. In einer Lotto-Annahmestelle in der Friedrichstraße und im Bahnhofskiosk habe er jeweils mit einem gefälschten 20-Euro-Schein bezahlt.

Der junge Mann bestätigte die Vorwürfe und erzählte die ganze Gesichte: Nach immer wieder wechselnden Zeiten von Jobs und Arbeitslosigkeit war er als Kurierfahrer bei einem Imbiss im Friedrichsberg beschäftigt. Der Verdienst war mager und der junge Mann ständig in Geldnot. Das fiel wohl auch einem Bekannten auf, der schließlich eine Lösung des Problems anbot: Bei einem Treffen auf einem Parkplatz präsentierte er dem Angeklagten einen großen Umschlag, prall gefüllt mit nagelneuen 20-Euro-Scheinen. „Das müssen 10- bis 20  000 Euro gewesen sein. Und er sagte, er könnte noch mehr, auch größere Scheine besorgen“, sagte der junge Mann aus. Das Angebot: Er sollte das Geld in Umlauf bringen. Knapp die Hälfte des sauberen Geldes könne er dann behalten. Der Angeklagte schilderte, dass er zunächst gezögert habe. Beim nächsten Treffen nahm er dann 20 Scheine.

Eine verhängnisvolle Entscheidung, wie sich herausstellte. Das Falschgeld (Die Bundesbank bezeichnete es später nach einer Analyse als „geeignet“) belastete sein Gewissen – und gleichzeitig erhöhte der Geldverteiler seinen Druck langsam, aber sicher: Erst mahnte er nur, das Geld endlich im Umlauf zu bringen. So zahlt der Angeklagte schließlich in einem Lotto-Kiosk mit der ersten „Blüte“, später im Bahnhofskiosk. „Ich habe mich schlecht gefühlt, konnte nicht mehr schlafen“, sagte er vor Gericht. Aber der Druck wuchs: Der Komplize stand immer wieder beim Angeklagten vor der Tür. Das Falschgeld wollte er nicht zurück. Er forderte echtes. Der Angeklagte zog um, konnte aber nicht entkommen. „Er sagte mir, er werde meine Eltern umbringen und mich und meine Freundin plattmachen“, gab er zu Protokoll. Schließlich ging der 25-Jährige zur Polizei und erstattete Selbstanzeige.

Richter Martin Krauel folgte mit seinem Urteil den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidiger: Drei Monate auf Bewährung, 100 Euro an die Schleswiger Tafel und Wiedergutmachung des Schadens der Kiosk-Inhaber.

Das milde Urteil kann durchaus auch als vorgezogene Belohnung für das richtige Verhalten in einem anstehenden Prozess gewertet werden. Wenn demnächst gegen den Mann verhandelt wird, der das Geld verteilt haben soll, ist der 25-Jährige als Hauptbelastungszeuge vorgesehen. Das hatte Petersen-Tröh schon in seinem Plädoyer deutlich gemacht: „Ich bitte Sie inständig, da mitzuziehen. Wir werden Sie brauchen. Da müssen Sie jetzt noch durch.“

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erstellt am 14.Feb.2015 | 07:31 Uhr

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