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Biernominierungen : Fahrdorfs Feuerwehr zeigt Flagge gegen Internet-Saufspiel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Brandschützer produzieren eigenes Video als Antwort auf umstrittenen neuen Facebook-Trend.

von
erstellt am 13.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Als Feuerwehrmann muss man schnell reagieren. Nicht lange fackeln, sondern ausrücken und handeln wenn’s irgendwo brennt, lautet dann die Devise. Diese Grundtugenden haben jetzt erneut die Mitglieder der Fahrdorfer Feuerwehr unter Beweis gestellt – ausnahmsweise allerdings nicht bei einem Brand oder Verkehrsunfall. Vielmehr haben sie sich spontan beteiligt an einer Kampagne, die klar Stellung bezieht gegen die zurzeit im Internet kursierenden sogenannten „Biernominierungen“.

Dabei werden Nutzer von Facebook aufgefordert, einen halben Liter Bier in einem Zug auszutrinken, das ganze in einem möglichst spektakulären Video festzuhalten und dieses danach, als Beweis für die erbrachte Leistung, zu veröffentlichen. Anschließend muss man wiederum drei „Freunde“ nominieren, es einem gleichzutun. Auf diesem Weg geistert das Saufspiel wie ein Kettenbrief durchs Internet und findet immer mehr Anhänger.

Allerdings formiert sich auch immer mehr Widerstand gegen diesen aus Australien importierten Trend. Unter anderem rief die Jugendfeuerwehr aus dem nordhessischen Deisel – ebenfalls per Facebook – Brandschützer in ganz Deutschland dazu auf, mit eigenen Videos auf die Stumpfsinnigkeit der „Biernominierungen“ zu reagieren. Darauf wurde auch Felix Kühn, bei der Fahrdorfer Feuerwehr für die Öffentlichkeitsarbeit und Internetpräsenz zuständig, aufmerksam. Wenige Minuten später hatte er bereits den Telefonhörer in der Hand und trommelte seine Kameraden zusammen. „Da man bei den ,Biernominierungen’ eine Frist von 24 Stunden einhalten soll, wollten wir das auch schaffen“, erzählt er und fügt an: „Das ist uns auch geglückt.“

Vergangenen Montagmittag hatte Kühn den Aufruf im Internet gelesen, noch am selben Abend trafen sich die Feuerwehrmänner und drehten, nach einem schnell verfassten Drehbuch, ihren Film. Der wiederum wurde Dienstagmorgen geschnitten und dann mittags ins Internet gestellt. Inzwischen ist das Video auf Youtube.de mehr als 1000 Mal angeklickt worden. Zusammen mit etlichen anderen in ganz Deutschland produzierten Filmen ist der Clip mit der Facebook-Seite der Deiseler Jugendwehr verlinkt. „Man merkt richtig, wie schnell so ein Ding ins Rollen kommt“, sagt Felix Kühn, der gemeinsam mit seinen Kameraden hofft, dass das Video noch größere Kreise ziehen wird.

Lohnen würde sich das allemal. Denn trotz der Eile haben die Fahrdorfer einen kleinen aber feinen Film hinbekommen – bei dem am Ende allerdings in erster Linie die Botschaft zählt. „Wir können dich vor vielen Gefahren schützen, aber nicht vor dem dusseligen Saufspiel im Internet. Das musst du schon selber machen. Wenn du nominiert wirst, sag’ Nein!“ rufen sie nach und nach den jungen Facebook-Nutzern entgegen und zeigen am Ende Bilder mit einem gesenkten Daumen als Synonym für: Das gefällt mir nicht!

Dazu Felix Kühn: „Wenn man alt genug ist, Bier zu trinken, dann sollte man es lieber mit seinen Freunden genießen, und zwar mit Verstand. Und vor allem: Man sollte die Kamera auslassen. Denn was einmal im Internet ist, bleibt da für immer.“

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