Fährhaus-Betrieb geht weiter

Ute und Wolfgang Wree vor ihrem Fährhaus in Holnis, das im September 195 Jahr alt wird. Nun wollen sie das Gasthaus verkaufen.
Ute und Wolfgang Wree vor ihrem Fährhaus in Holnis, das im September 195 Jahr alt wird. Nun wollen sie das Gasthaus verkaufen.

Das Ensemble in Holnis ist das Lebenswerk von Wolfgang und Ute Wree / Jetzt wollen sie sich zur Ruhe setzen

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15. August 2019, 14:16 Uhr

Glücksburg | 195 Jahre ist es her, dass das Fährhaus in Holnis als Gaststätte eröffnete. Wolfgang Wree, 65, betreibt es seit 40 Jahren. Auch die 200-Jahr-Feier hätte er gerne noch aktiv mitgemacht. Aber er hat nicht mehr die Kraft, möchte verkaufen. Jetzt gibt es ernsthafte Interessenten: Ein Paar, Mitte 30, aus Süddeutschland möchte einen Neuanfang wagen. „Hut ab“, sagt Wree.

Dass das Fährhaus Gaststätte bleibt, ist Wree sehr wichtig. Es liegt an der langen Tradition. Einerseits der familiären: Wolfgang Wree übernahm die Gaststätte 1979 von seinen Eltern. Anfangs war ihm ein wenig bange wegen der Selbstständigkeit und der Verantwortung. Zehn bis zwölf Mitarbeiter beschäftigt er in Vollzeit. Sie bei der Stange zu halten, wurde im Lauf der Zeit immer schwieriger. „Wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft. Aber wenn es darum geht zu arbeiten, während die meisten anderen Menschen frei haben, sind nur wenige zu finden“, lautet sein Fazit.

Dazu kommt die Diskrepanz zwischen Sommer und Winter. „Im Winter schließen wir für zwei Monate, oder der Betrieb ist auf die Wochenenden reduziert. An schönen Sommertagen dagegen ist der Andrang so groß, dass wir nicht nachkommen. Zurzeit haben wir die Terrasse nur zu 50 Prozent bestuhlt“, so Wree.

Gut ausgebildetes Personal war ihm stets wichtig. Eine Ausnahme bildet seine Frau Ute, unentbehrliche Partnerin auch im Geschäft. Sie ist gelernte Kinderkrankenschwester. Wree selbst hat bei Hertie in Flensburg Koch gelernt. Anschließend absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung im Kurparkhotel von Glücksburg. Beide Ausbildungsstätten gibt es nicht mehr.

Neben der familiären Tradition ist für den Fährhaus-Betreiber die historische Einrichtung an sich erhaltenswert: Seit dem Mittelalter, als Straßen noch schlecht und gefährlich waren, kürzten Reisende ihre Wege gerne per Schiff über das Wasser ab. Von Holnis konnte man auf geradem Weg über Brunsnis und weiter über Land und Wasser bis nach Kopenhagen reisen. Dänische Könige und Herzöge, die Ländereien auf beiden Seiten der Förde besaßen, verlangten neben der sicheren Überfahrt das Bereithalten von beheizten Zimmern, guten Speisen und Getränken.

Seit 1824 erfüllte das Fährhaus diese Anforderungen – seit 1857 durch Vorfahren der Familie Wree. Ursprünglich diente das Fährhaus als Wohnhaus eines Bauernhofs, errichtet 1796. Noch heute bilden die ehemaligen Ställe links und rechts des Wohnhauses und die Remise ein idyllisches Ensemble mit prächtiger Hoflinde. Vom östlichen der beiden Fähranleger, die es einst gab, ist noch eine Steinmole übrig. 1876 wurden die Überfahrten nach Dänemark eingestellt. Die Förde-Schifffahrt nutzte den Anleger noch bis in die 1960er-Jahre.

Das Lokal blieb und lud weiter zu Ausflügen und Aufenthalten ein. 1996 entstand im nördlichen Stallgebäude ein Hotel mit acht Zimmern und einer Ferienwohnung. In Zukunft werde es mehr Hotelzimmer geben, glaubt Wree. Das Spektrum der Gäste reicht vom Studenten bis zum Industriellen. Alle eint, dass sie die Abgeschiedenheit suchen mit langen Spaziergängen im Naturschutzgebiet und Wasserblick.

Einen tragischen Zwischenfall gab es im Jahr 2000. Das südliche Nebengebäude mit Altenteil brannte ab – Grund war wahrscheinlich ein defekter Kühlschrank. Die Mutter von Wolfgang Wree kam dabei ums Leben. Das Gebäude wurde äußerlich originalgetreu wieder aufgebaut. Der Innenausbau ist noch nicht abgeschlossen.

2008 wurde der Wintergarten vor dem Restaurant mit viel Glas und geschlemmten Steinen vergrößert. Das winklig gestaltete Raumgefüge wurde geschickt in Richtung Süden gedreht. Sehr gelungen fanden das auch die Denkmalschützer, erzählt Wree. Die gesamte Anlage gilt als erhaltenswert. Zu den Gebäuden gehören 13 Hektar Land, die überwiegend im Naturschutzgebiet in Richtung Holnis-Spitze liegen und von einem Hofbesitzer in Holnis-Drei gemäht werden.

Viele Anekdoten gibt es aus fast 200 Jahren Gaststättenbetrieb zu erzählen. Ein großes Event war die Hochzeitsfeier einer Tochter von Prinz Friedrich Ferdinand. Der Berliner Kunst-Professor Otto H. Engel zahlte Anfang des 20. Jahrhunderts seine Fährhaus-Aufenthalte mit selbst gemalten Bildern. Einige dieser Bilder hängen noch an den Wänden. Wolfgang Wree hat weitere zugekauft, heimatverbunden wie er ist.

Wenn das Fährhaus einmal verkauft ist, werden die Wrees nur ein paar Häuser weiter nach Holnis ziehen. Aber auch reisen wollen sie – endlich auch mal während der Sommerzeit.

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