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Schleswig : Facebook-Fahrer bringen das Taxigewerbe in Not

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die illegale Billig-Konkurrenz zum Taxi kommt aus dem Internet. Die Behörden sind alarmiert.

Schleswig | Am Wochenende werden sie wieder aufgereiht vor dem Ela-Ela stehen: Alte Golfs, neue Mercedesse, hin und wieder auch ein Kleinbus mit Platz für acht Fahrgäste. In diesen Wagen lassen sich die Disco-Besucher nach Hause fahren. Gegen Geld. Die meisten der Fahrer bieten ihre Dienste im Internet an. Die Facebook-Seite mit dem programmatischen Namen „Von A nach B Günstiger als Taxi’s“ hat inzwischen mehr als 1200 Mitglieder. Die Mehrzahl von ihnen stammt aus Schleswig und Umgebung. Aber auch in Rendsburg, Eckernförde und anderen Nachbarstädten wird die Seite immer beliebter. (Hinweis der Redaktion: Der Name der Gruppe wurde am Donnerstag kurz nach Erscheinen dieses Artikels in den Schleswiger Nachrichten geändert. Sie heißt jetzt nur noch „Von A nach B“.)

„Früher hatten wir am Wochenende alle unsere Wagen im Einsatz, das ist inzwischen nicht mehr nötig“, sagt der Schleswiger Taxi-Unternehmer Marcel Marzenke (Taxi Evers und Taxi Möller). In seiner ganzen Branche ist erhebliche Unruhe entstanden. Das Phänomen der Privat-Fahrer, die vor allem am Wochenende unterwegs sind, breitet sich seit rund zwei Jahren immer weiter aus.

Legal ist das nur, solange der Fahrer damit kein Geld verdienen will, sondern einfach auf dem Heimweg andere Discobesucher mitnimmt, die sich an den Benzinkosten beteiligen. Auch solche Mitfahrgelegenheiten werden auf Facebook angeboten, aber offenbar gibt es immer mehr Fahrer, die ihren Privatwagen ohne entsprechende Lizenz zum Taxi umfunktionieren und damit ihren Lebensunterhalt oder zumindest ein beträchtliches Zubrot verdienen. Sie werben für sich in der Facebook-Gruppe – oft unter ihrem vollen Namen – mit Sätzen wie: „Heute Nacht bis 3 Uhr morgens Fahrer für Schleswig-Flensburg, Nordfriesland“ oder „Heute Abend Fahrer Schleswig und Umgebung, maximal drei Personen, einfach Nachricht schreiben“. Manche geben auch ihre Handynummern an.

Ein langjähriger Taxifahrer, der ungenannt bleiben möchte, beschreibt, was er nachts vor dem Ela-Ela und anderen Diskotheken beobachtet: „Die Fahrer geben sich mit Standlicht oder Lichthupe zu erkennen. Einer hat damit geprahlt, dass er in einer Nacht 400 Euro verdient hat. Da frage ich mich manchmal, warum ich so blöd bin, ein reguläres Taxi zu lenken und Steuern und Versicherung zu bezahlen.“ Kollegen von ihm hätten schon ihre Arbeitsplätze verloren.

Jan Wiese, Leiter der Straßenverkehrsbehörde beim Kreis Schleswig-Flensburg, bestätigt: „Die Facebook-Fahrer sind inzwischen ein großes Thema, aber es fehlen die Mittel und Ressourcen, effektiv dagegen vorzugehen.“ Bisher ist kaum ein Fahrer belangt worden, obwohl sie meist gegen mehrere Vorschriften gleichzeitig verstoßen, für die unterschiedliche Behörden zuständig sind. Außer mit der Polizei steht Wiese deshalb auch mit dem Flensburger Hauptzollamt in Kontakt, das für die Bekämpfung von Schwarzarbeit zuständig ist. Wieses Kreisbehörde beaufsichtigt das Taxigewerbe und stellt die Personenbeförderungsscheine für gewerbliche Fahrer aus. Voraussetzung sind Ortskenntnis, gesundheitliche Eignung und ein Mindestalter von 21 Jahren.

All das garantieren die Facebook-Fahrer nicht. Viele junge Discobesucher nutzen ihre Angebote dennoch gern. „Es ist günstiger als das Taxi, wo man ein Vermögen loswird“, sagt ein 21-jähriger Schleswiger. Allerdings geht die Rechnung nicht immer auf. So nehmen viele Facebook-Fahrer für eine Strecke, die im Taxi zwölf Euro kostet, fünf Euro pro Fahrgast. Bei drei Personen sind das 15 Euro.

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erstellt am 02.Apr.2015 | 16:15 Uhr

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