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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 00:24 Uhr

Soziales Netzwerk : Facebook erobert Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Trotz Kritik von Datenschützern: Facebook gewinnt auch bei Firmen, Vereinen und Parteien in der Stadt immer mehr an Gewicht.

Kaum zu glauben, aber wahr: Es gab einmal ein Leben ohne Facebook. Das jedoch scheint Lichtjahre her zu sein. Denn längst ist das größte soziale Online-Netzwerk der Welt nicht nur für die meisten jüngeren Menschen unverzichtbar geworden. Auch Wirtschaftsbetriebe, Vereine oder auch Parteien setzen seit Jahren auf die Vorzüge der Internetplattform – Tendenz steigend. Gestern konnten die Schleswiger Nachrichten ihren 2500. Facebook-Fan begrüßen. Kein Einzelfall in der Stadt. Auch hier vor Ort gewinnt das Netzwerk immer mehr an Gewicht.

Beispiel Ela-Ela: Die im Gewerbegebiet St. Jürgen beheimatete Diskothek hat mit Abstand die beliebteste Fanseite der Stadt. Ganze 8548 Nutzer haben dort, Stand gestern, „Gefällt mir“ geklickt. „Wir haben Facebook inzwischen zum Mittelpunkt unserer Werbung gemacht. Das ist die Zukunft, da braucht man sich nichts vorzumachen“, sagt Betreiber Kaj-Uwe Dammann. Die reguläre Homepage der Disco sei heute nur noch zweitrangig. „Der Vorteil ist, dass man über Facebook die Leute viel schneller erreicht und direkt mit ihnen kommunizieren kann. Dank der ganzen Smartphones, die heute ja fast jeder hat, geht das sogar noch schneller“, sagt Dammann, dem aber auch die Gefahren dieser Entwicklung bewusst sind: „Es gibt natürlich immer ein paar Spinner, die meinen, irgendwelche blöden Kommentare abgeben zu müssen. Aber in der Regel halten dann gleich andere Nutzer dagegen. Da müssen wir kaum eingreifen.“

Diese Erfahrungen hat auch Mario Hoff gemacht. Dennoch überwiegen auch für den Macher der „Heimat“ auf der Freiheit (561 Fans) die positiven Aspekte: „Für uns ist Facebook einfach eine gute Möglichkeit, um Werbung zu machen für unsere Veranstaltungen. Zumal wir dafür ohnehin nur ein schmales Budget haben.“ Zwar habe er vor sogenannten Shitstorms großen Respekt, „eben weil Kritik dort öffentlich und meist ungefiltert geäußert werden kann“. Aber insgesamt mache man mit dem Online-Netzwerk gute Erfahrungen. „Als Ingo Appelt im letzten Jahr drei Stunde vor seinem geplanten Auftritt absagen musste, hat es uns sehr geholfen. Am Ende standen nur 30 Leute vor der Tür und wussten von nichts. Und wir hatten 500 Karten verkauft“, erzählt Hoff.

Auch andere Gastronomen und Veranstalter nutzen Facebook aus diesen Gründen. „Plakate aufzuhängen lohnt sich kaum noch. Die kosten deutlich mehr Geld und werden weniger wahrgenommen als Facebook-Ankündigungen“, sagt etwa Felix Klöpping, der den Auftritt des Freien Kultur- und Kommunikationszentrums (FKKZ) für die inzwischen 1121 Fans betreut. „Das Gute ist, dass wir unsere Leute kennen und somit auch wissen, wen wir zu welcher Veranstaltung ganz gezielt einladen können.“

So einfach ist es für Max Triphaus nicht ganz. Aber der Geschäftsführer der Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) ist sich ebenfalls sicher, dass man heutzutage in Sachen Marketing kaum noch auf Facebook verzichten kann. „Buchungen, wie anfangs erhofft, funktionieren darüber zwar nicht. Aber man kann ein gewisses Klientel auf Events, Gewinnspiele oder Fotowettbewerbe wunderbar aufmerksam machen. Und unter unseren rund 2100 Fans gibt es viele, die einfach die Gelegenheit nutzen und sich über aktuelle Themen aus der Region austauschen.“

Das wiederum haben inzwischen auch viele Städte für sich entdeckt. Einen Facebook-Auftritt Schleswigs jedoch sucht man vergeblich. „Wir haben über dieses Thema lange und viel diskutiert, waren deshalb sogar beim Landesdatenschützer in Kiel“, sagt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt und verweist gleichzeitig auf „schwierige rechtliche Aspekte“, die man insbesondere als Kommune zu beachten habe. Generell sei eine Facebook-Seite der Stadt zwar nicht vom Tisch, aber momentan nicht angedacht. Zumindest aber die Stadtwerke haben jetzt den Schritt gewagt und im Zuge der Umgestaltung der eigenen Homepage auch einen Facebook-Auftritt ins Leben gerufen. „Um besser unsere jungen Kunden zu erreichen“, wie Geschäftsführer Wolfgang Schoofs betont.

Diesen Ansatz hat man auch bei den Schleswiger Parteien. Und deshalb sind laut SPD-Ortsvorsitzendem Henrik Vogt unter den 137 Fans nicht besonders viele Schleswiger SPD-Mitglieder. „Denn da liegt der Altersdurchschnitt bei über 60.“ Vielmehr sollen junge Menschen, die sich für die Politik vor Ort interessieren, angesprochen werden. „Man muss heute einfach alle Kommunikationswege nutzen. Facebook ist dabei ganz entscheidend.“

 

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erstellt am 17.Okt.2014 | 07:43 Uhr

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