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Office Key : Facebook blockiert Schleswiger E-Mail-Schlüssel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Werbe-Kampagne der Firma Office-Key wird in den USA ausgebremst. Die Schleswiger Verschlüsselungs-Experten vermuten Anti-Terror-Gesetze als Hintergrund.

Schleswig | Mit ihrer neuen Verschlüsselungstechnik für E-Mails möchte die Schleswiger Firma Office Key international groß rauskommen – ganz besonders in Amerika. Doch dieser Traum droht nun zu platzen. Denn das kleine IT-Unternehmen vom Stadtfeld hat einen schier übermächtigen Gegner: Facebook.

Es war Ende der vergangenen Woche, als Office-Key-Geschäftsführer Sven Hering in dem sozialen Netzwerk plötzlich keine Nutzeranfragen zu seinem Projekt mehr beantworten konnte. Dabei ist er eigentlich auf Facebook angewiesen. Erst Anfang August hat er begonnen, sein Verschlüsselungs-Projekt „i-Muniqe“ auf einer amerikanischen Internet-Plattform für Crowdfunding zu bewerben. Dabei geht es darum, möglichst viele Interessenten zu finden, die sich mit kleinen Geldbeträgen an der Entwicklung beteiligen und anschließend auch selbst von dem Produkt profitieren. Auf diese Weise sollten innerhalb von 30 Tagen 75.000 Dollar zusammenkommen. Nach den ersten Tagen waren es immerhin schon 6500 Dollar. Aber jetzt geht es nicht weiter. Denn die Crowdfunding-Seite kickstarter.com, die Office Key nutzt, ist an Facebook gekoppelt.

Als Hering bemerkte, dass sein Projekt blockiert ist, glaubte er noch an ein schnell zu lösendes Problem. Er fragte bei Facebook nach – und bekam bis heute keine Antwort. So kann er nur mutmaßen, was der Internet-Gigant gegen seine kleine Firma haben könnte.

Vielleicht ist die Sperre ausgelöst worden, weil bei Facebook bestimmte Schlüsselwörter automatisch blockiert werden? Das jedenfalls hält Schleswig-Holsteins stellvertretende Datenschutz-Beauftragte Marit Hansen für denkbar. „Das kann sein“, meint auch Hering. Dass er mit seinem E-Mail-Schlüssel in Amerika auf Probleme stoßen würde, war ihm von vornherein klar. „Verschlüsselungstechnologie gilt in den USA als Waffe“, sagt er. Eine Technik, die es staatlichen Stellen unmöglich macht, die Kommunikation zu überwachen, ist dort verboten. Das ist eine Folge der Anti-Terror-Gesetze, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurden. „Wir hatten vermutet, dass es schwierig wird, das fertige Produkt in den USA auf den Markt zu bringen“, sagt Hering. „Aber dass wir in einem solch frühen Stadium behindert werden, das hat uns überrascht.“

Zu Hause in Schleswig-Holstein hat Office Key indes keinerlei Probleme mit den Behörden. Ganz im Gegenteil: Die Landesregierung fördert die Entwicklung mit einem Zuschuss von 167.000 Euro. Zu den zahlreichen Fachleuten, die geprüft haben, ob die Verschlüsselung tatsächlich sicher ist, gehört auch ein Team des Landesdatenschutz-Beauftragten.

Wegen des großen Zuspruchs in Deutschland zeigt sich Sven Hering deshalb auch zuversichtlich, sein Produkt wie geplant im nächsten Jahr auf den Markt bringen zu können – trotz des Gegenwindes aus Amerika.

www.imuniqe.com

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erstellt am 20.Aug.2014 | 07:43 Uhr

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