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Schloss Gottorf : Experten prüfen heimische Schätze

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Großer Andrang bei der Aktion „Kunst oder Krempel“ auf Schloss Gottorf / Nicht jedes mitgebrachte Stück hielt, was es versprach.

Viele von uns haben mindestens einen Gegenstand mit unklarer Vergangenheit irgendwo im Haus. Hineingekommen ist er zum Beispiel, weil er uns auf einem Flohmarkt einfach optisch gefiel, oder weil wir ihn als Erbstück einmal erhalten haben mit dem Zusatz: „Pass gut drauf auf, das ist echt und richtig was wert!“ Auf Schloss Gottorf boten gestern die drei promovierten Kunsthistoriker Constanze Köster, Thomas Gädeke und Carsten Fleischhauer an, etwas Licht in das Dunkel zu bringen: Handelt es sich um ein wertvolles Stück, oder ist es eher doch nur eine schöne, aber wertlose Erinnerung? „Bis vor ein paar Jahren haben wir die Begutachtung von heimischen Schätzen am Rande des Gottorfer Landmarktes angeboten, aber da ging die Aktion irgendwie unter“, sagte Organisatorin Nina Thiesen.

Ganz und gar nicht unter ging die Veranstaltung gestern. Haufenweise wurden Bilder, Keramik, Vasen und Schmuck ins Museum getragen. Der Andrang war so groß, dass sich die Experten nicht wie geplant alle Exponate gemeinsam ansahen, sondern alle drei einzeln das Mitgebrachte begutachteten.

Sabine Schläger aus Schleswig war zeitig da, musste aber mit der Nummer 40 einige Zeit warten. „Das finde ich nicht gut organisiert. Man hätte die Nummern gleich mit dem Kauf der Eintrittskarte vergeben müssen und nicht erst, wenn wir hier alle im Vorraum sitzen und warten“, meinte sie. Die Organisatoren bestätigten, dass sie mit so einer hohen Nachfrage nicht gerechnet hätten und somit improvisieren mussten. Zudem konnten die Wartenden bis zum Aufruf kostenfrei die „Sammlung Bönsch“ besichtigen.

Alles in allem war die Stimmung somit durchweg gut, auch wenn nicht jedes mitgebrachte Stück hielt, was es versprach. „Ich musste schon einige Leute enttäuschen, da sie Repliken dabei hatten und eben keine Originale“, sagte Constanze Köster, die wie ihre Kollegen freundlich, geduldig und sachkundig ein Objekt nach dem anderen unter die Lupe nahm. Mit Volker Johannsen aus Borghorst schimpfte sie sogar ein klein wenig, wie er anschließend schmunzelnd erzählte: „Ich habe – wie ich nun weiß – einen echten handgearbeiteten Silberteller dabei. Den habe ich von einer Gräfin aus Borghorst einmal bekommen und, um ihn an die Wand zu hängen, einen Haken hinten dran geklebt. Das ist gar nicht gut fürs Silber, sagte Dr. Köster, also werde ich das zu Hause gleich mal entfernen.“ Sein Ehemann Gerd hatte ein Landschaftsfoto dabei, das nicht besonders wertvoll ist, aber dennoch weiterhin bei den beiden im Flur hängen wird.

Wolfgang Ohms aus Schleswig war gekommen, um den Experten sein Pferd mit dem berühmten Knopf im Ohr zu zeigen. Ein Tier der Firma Steiff, von dem aber auch die Experten nicht sagen konnten, wie alt es ist und welchen Wert es wohl hat. „Sie haben mir einen Experten in Hamburg empfohlen“, sagte Ohm anschließend.

Bodo Lembrecht aus Kropp hatte ein Ölgemälde dabei und wollte eigentlich etwas über den Maler erfahren. Thomas Gädeke konnte in diesem Fall nicht weiterhelfen, wohl aber Informationen zum restaurierten Rahmen geben. „Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, hier vorbeizukommen“, sagte Lembrecht beim Einpacken des Bildes. Er wird es wieder ins heimische Wohnzimmer hängen.

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