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Stadttheater Schleswig : Experte: Stadttheater am Lollfuß ist zu retten

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Ist jetzt alles wieder offen? Ein von der Schleswiger CDU beauftragter Architekt schätzt die Kosten einer Sanierung des Stadttheaters auf "nur" zehn Millionen Euro.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 05:52 Uhr

Schleswig | Vorhang auf und alle Fragen offen - so kann man in Abwandlung des bekannten Zitats die Zukunft des Stadttheaters beschreiben, nachdem gestern der bekannte Altbauten-Sanierer Horst von Bassewitz das marode Haus am Lollfuß in Augenschein genommen hatte. Auf Anregung von Caroline Schwarz war von Bassewitz, wie berichtet, vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Holger Ley nach Schleswig gelotst worden, bevor sich am 21. Mai auf einer Sondersitzung die Ratsversammlung mit dem künftigen Standort des Theaters beschäftigen wird. Dazu liegt eine von der Stadt angeforderte Machbarkeitsstudie vor, die bereits genaue Planungen für ein Theater-Areal auf dem Hesterberg enthält; Gesamtkosten: etwa 16,5 Millionen Euro.
Vor dem Hintergrund dieser Summe kommt die zentrale Aussage des Hamburger Architekten von Bassewitz einer Sensation gleich: "Das Theater am Standort Lollfuß ist zu retten." Bassewitz bescheinigt der Stadt bei den Untersuchungen des seit dem 20. Juni 2011 zugesperrten Theaters ein professionelles Vorgehen. Auch hätten die eingesetzten Ingenieure Korsch und d’Aubert sowie der Architekt Kai Haupthoff "sehr gründlich" gearbeitet. Lediglich bei den eingeplanten Kosten von 7,7 Millionen Euro stapele man zu tief. Realistischer Preis für eine Sanierung des jetzigen Theatergebäudes laut von Bassewitz: rund 10 Millionen Euro.

Nicht richtig gerechnet?


Das ist in etwa auch die Summe, die seine Hamburger Kollegen von der Firma DFZ Generalplaner für einen Neubau des Theaters auf dem Hesterberg aufgerufen hatten - allerdings ohne die dort fälligen Umbauten und Sanierungen. Bassewitz wirft ihnen vor, den turnusmäßigen Risikoaufschlag von 10 Prozent nicht eingerechnet zu haben, sodass die Gesamtkosten für das Hesterberg-Projekt in Wirklichkeit bei rund 18 Millionen Euro zu liegen kämen.
Um dem Vorwurf, hier würden "Äpfel" (Altbausanierung mit bekannter Beschränkung) mit "Birnen" (Neubau mit diversen Spielmöglichkeiten) verglichen, zu begegnen, betonte von Bassewitz allerdings auch, dass "ein Vergleich über die Investitionskosten nicht zulässig" sei. Er spielte vielmehr den Ball zu den politischen Entscheidern zurück: Im Rathaus wie der Ratsversammlung müsse man sich klar werden, welches Theaterangebot - Schmalhans oder Vielfalt -man wirklich wolle. Bassewitz verhehlte aber auf seine eloquente, leicht schnoddrige Art auch nicht, dass aus seiner Sicht das Theater mitten in die Stadt, also an den Lollfuß, gehöre. Ob in den von ihm aufgerufenen Renovierungskosten über 10 Millionen Euro auch das meist nicht unüble Architektenhonorar bereits enthalten ist, blieb einstweilen ungeklärt.

Das Haus bewegt sich


Klar ist nach wie vor nur eines: Die bauliche Lage des jetzigen Theatergebäudes ist dramatisch prekär. Das Haus bewegt sich. Gerade aktuell sind wieder Gipsmarker, die auf Rissen saßen, wegen deren Dehnung weggeplatzt. Bei der Dachkonstruktion stellt ein von Architekt Haupthoff am 5. Juli 2011 verfertigtes Besprechungsprotokoll "Lastüberschreitungen in Knotenpunkten bis 250 Prozent" fest. Gut zwei Monate später notiert der Fahrdorfer Architekt in einem weiteren Protokoll unter anderem "Spannungsrisse", "drückendes Wasser" und dass "in ca. 2/3 der Fläche davon auszugehen ist, dass artesischer Druck herrscht".
Die Kenntnis von solchen Mängeln ist nicht neu. Nur ein Beispiel: Die Akten der Bauaufsicht belegen, dass 1987 der nicht mehr lotgerechte Bühnenturm nachträglich auf Pfählen gegründet wurde, um (so die Ingenieure Korsch und d’Aubert) "weitere Senkungen zu minimieren". Von Bassewitz, der die Unterlagen studiert hat, scheint das bei seinem Sanierungsvotum nicht zu schrecken. CDU-Stadtrat Frank Neubauer resümiert: "Das Buch der Zukunft des Stadttheaters ist völlig neu aufgeschlagen."
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