Thorsten Dahl : Ex-Bürgermeister fordert Stadtwerke-Reform

Das Haus der Stadtwerke in der Werkstraße: Das Versorgungsunternehmen gehört der Stadt Schleswig.
1 von 2
Das Haus der Stadtwerke in der Werkstraße: Das Versorgungsunternehmen gehört der Stadt Schleswig.

Thorsten Dahl mahnt externen Sachverstand für den Aufsichtsrat der Schleswiger Stadtwerke an und sieht Parallelen zur HSH Nordbank.

von
11. Juli 2018, 12:39 Uhr

Wenn Ex-Bürgermeister Thorsten Dahl in den vergangenen Jahren in der Schleswiger Öffentlichkeit auftrat, dann als Vorsitzender des Stadtmuseums-Fördervereins oder als Präsident des Lions-Clubs. Jetzt mischt er sich mit einem geharnischten Brief in die Debatte um den Plastik-Skandal in der Schlei ein. Dabei nimmt er den Aufsichtsrat der Stadtwerke ins Visier.

Anlass ist das Sommer-Interview mit dem CDU-Ratsfraktionsvorsitzenden und designierten neuen Aufsichtsrats-Chef Holger Ley in den SN vom vergangenen Freitag. Dahl stößt sich insbesondere an Leys Aussage, der Aufsichtsrat sei „mit dem Thema Plastik nicht befasst“. Ley bezog sich dabei darauf, dass innerhalb der Struktur der Stadtwerke nicht der Aufsichtsrat für die Kläranlage zuständig ist, sondern der Abwasser-Werkausschuss der Ratsversammlung.

Für Dahl ist dieser Hinweis auf die Zuständigkeiten eine Ausrede. Der Ex-Bürgermeister fordert, den Aufsichtsrat der Stadtwerke mit externen Fachleuten zu besetzen. Dort müssten „kompetente und mit der Thematik vertraute Personen sitzen“, die wirtschaftlichen und technischen Sachverstand mitbringen.

Bisher wird der Aufsichtsrat der Stadtwerke so besetzt wie die Ausschüsse der Ratsversammlung: Die verschiedenen Fraktionen nominieren die Mitglieder entsprechend ihrer Stärke in der Ratsversammlung. Aktuell gehören ihm jeweils drei Vertreter von CDU und SPD, zwei Grünen-Vertreter und jeweils ein Vertreter des SSW und der Wählergemeinschaften FWS und BfB an.

Dahl hält diese Konstruktion für gefährlich. „Der Vergleich zum Landtag und zur HSH Nordbank drängt sich förmlich auf“, meint er. Dort sei es die gleiche Konstellation“ gewesen, die „zu verheerenden Folgen geführt“ habe. „Für die großen finanziellen Verluste bei der HSH Nordbank hat bisher keiner die Verantwortung übernommen, und die Kosten trägt der Steuerzahler.“

Würden im Aufsichtsrat der Stadtwerke externe Fachleute sitzen, die ihrerseits von der Ratsversammlung kontrolliert würden, dann gäbe es eine zusätzliche Kontrollinstanz, meint Dahl und fügt hinzu: „Derzeit ist der Aufsichtsrat offenbar recht unkritisch.“

Holger Ley, der sich derzeit im Urlaub befindet, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dahl gegenüber wies er darauf hin, dass seine Fraktion sich im Werkausschuss mit einem konstruktiven Vorschlag als Reaktion auf den Plastikskandal eingebracht habe, nämlich mit der Einrichtung einer sechsten Reinigungsstufe in der Kläranlage, um künftig auch Nanoplastik-Teilchen herausfiltern zu können.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen