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Schleswiger Nachrichten

17. Oktober 2017 | 19:34 Uhr

Etikettenschwindel auf der Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Team Vivendi wirbt im Internet nach wie vor mit Gesundheitstherme und Binnenhafen für Schleswig / Geplantes Seniorenheim in der Schwebe

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2016 | 15:41 Uhr

„Bei sanften Klängen schwerelos durchs Solewasser gleiten, entspannende Massagen und Wasseranwendungen genießen, in der Saunalandschaft vom Alltag abschalten: Die geplante Gesundheits-Therme im Stadtteil ‚Auf der Freiheit‘ wird den Gesundheitsstandort Schleswig stärken.“

Bei Team Vivendi scheint die Zeit still zu stehen. Die Pläne für eine Gesundheitstherme sind von der Schleswiger Politik schon vor mehr als vier Jahren beerdigt worden, doch auf der Homepage auf-der-freiheit.de wird nach wie vor das Blaue vom Himmel versprochen, um Menschen aus ganz Deutschland an die Schlei zu locken.

Auch vom Binnenhafen ist auf der Internetseite der Entwicklungsgesellschaft nach wie vor die Rede: „Ein eigener Yachthafen wird zum Herz des neuen Stadtteils entwickelt. (...) Die Grundstücke rund um den Binnenhafen verfügen alle über einen eigene Bootsanleger.“ Dabei steht spätestens seit März fest, dass es auch mit dem „Yachthafen-Quartier“ in dem neuen Stadtteil nichts mehr wird.

Aber was passiert überhaupt im östlichen Teil des ehemaligen Kasernengeländes außer dem Umbau der „Heimat“ zu einem Kulturzentrum?

Im März hatte Team Vivendi stolz verkündet, die einst für den Binnenhafen gedachten acht Hektar Areal an die Gießener HP&P-Gruppe verkauft zu haben. Doch seitdem ist es ruhig geworden um das Projekt, das den Bau einer Senioreneinrichtung sowie weiterer Wohnungen vorsieht. „Die für unser Objekt benötigten notariellen Kaufverträge für die Grundstücke sind abgeschlossen“, bestätigte HP&P-Geschäftsführer Helmut Peter jetzt auf SN-Nachfrage. Das geplante Investitionsvolumen betrage 30 Millionen Euro. Doch Peter sagt auch: „Mit dem Baubeginn ist zu rechnen, wenn bauordnungsrechtlich die Baugenehmigung erteilt wird und feststeht, was mit der Restfläche geschieht. Wir werden unser Projekt erst zu dem Zeitpunkt realisieren, wenn sichergestellt ist, dass die Restfläche entwickelt wird.“ Mit anderen Worten: Der Architekt aus Gießen hat sich eine Rücktrittsklausel in den Vertrag schreiben lassen.

Wann was mit besagter Restfläche – nämlich dem Gelände östlich des „Heimat“-Gebäudes – passiert, ist derzeit völlig ungewiss. Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen schiebt den Schwarzen Peter Richtung Stadt: „In zwölf Jahren Entwicklungszeit hat die Verwaltung keinen Bebauungsplan auf die Reihe bekommen.“ Ergo habe er derzeit auch keine ernsthaften Interessenten für das Areal in Schleswig. Eine Baugenehmigung hat lediglich Investorin Susanne Schöning, um ihr Kloster am östlichen Rand des 56 Hektar großen Konversionsgeländes zu realisieren.

Die schöne, heile Welt auf der Freiheit – sie hat längst viele hässliche Risse bekommen. Nur nicht in den Hochglanzbroschüren und auf der Homepage von Team Vivendi. Dabei war die Webseite im Frühjahr zwischenzeitlich vom Netz genommen worden. Damals hatte Team-Vivendi-Sprecher Michael Radtke mitgeteilt: „Sie wird überarbeitet und wieder online gestellt, sobald die Entwicklung des neuen Baugebietes auf dem ehemaligen Binnenhafen-Gelände startet.“

Die Homepage ist längst wieder am Netz – aber keineswegs auf einen aktuellen Stand gebracht worden, wie auch Volker Schlüschen einräumen muss. Den Vorwurf des Etikettenschwindels wischt der Projektentwickler jedoch mit einem Lachen in der Stimme weg: „Wer weiß“, sagt er, „vielleicht will die Stadt ja irgendwann doch noch einmal eine Therme bauen.“

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