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Minister Habeck : „Ethische Verantwortung für die Schlei“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach Badeverboten und Algenteppichen: Nährstoff-Einleitungen durch die Landwirtschaft sollen eingeschränkt werden.

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Naturschutz und Landwirtschaft unter einen Hut zu bekommen, ist nicht selten eine schwierige Aufgabe. Zu oft liegen die Interessen sehr weit auseinander. Und so wird Minister Robert Habeck, in Kiel für beide Ressorts zuständig, wohl auch mit Blick auf die Verbesserung der Wasserqualität der Schlei wieder viel Überzeugungsarbeit leisten müssen – auf beiden Seiten. „Ich denke aber, dass inzwischen alle Beteiligten die Notwendigkeit sehen, dass etwas getan werden muss“, sagte er gestern, als er sich bei der Arbeitsgruppe Wasserrahmenrichtlinie Schlei (siehe Infokasten) über deren Arbeit informierte.

Eigentlich hatte man anlässlich des Minister-Besuches eine gemeinsame Schiffstour auf der Schlei eingeplant. Wegen des anhaltenden heftigen Regens aber war man spontan in die Strandhalle ausgewichen. Aber auch von hier aus hatten die Teilnehmer einen guten Blick auf das gemeinsame Sorgenkind. „Wenn man die Schlei wieder sauber bekommen möchte, muss man an die Füsinger Au ran. Da geht kein Weg dran vorbei“, meinte Fritz Laß von der Schleswiger Naturschutzgruppe IGU mit Blick auf Badestellen-Sperrungen und Algenteppiche, die auch in diesem Sommer wieder für Schlagzeilen gesorgt haben. Mindestens 60 Prozent der dafür verantwortlichen Nährstoff-Einleitungen kämen, so Laß, über die Füsinger Au in den Meeresarm. „Da müssen wir dringend etwas tun.“

Tatsächlich weist die innere Schlei laut aktuellen Studien des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) landesweit die höchsten Nährstoffkonzentrationen aller Küstengewässer auf, egal ob es sich um Stickstoff, Phosphor oder Nitrate handelt. „Das hat sicherlich in erster Linie mit der Landwirtschaft zu tun“, betonte auch Habeck, der dabei von einem „Problem mit mehreren Dimensionen“ sprach. So forderte er einerseits vom Bund eine strengere Regelung bei der Düngemittelverordnung. Andererseits aber müsse insbesondere vor Ort an einem Strang gezogen werden, um die Schlei vor Überdüngung zu retten. „Da haben alle, auch die Landwirte, eine ethische Verantwortung.“

Konkret hofft Habeck darauf, dass es in naher Zukunft gelingen wird, die Bauern davon zu überzeugen, einen Wasserrandstreifen einzurichten, der eine intensive Bewirtschaftung der ufernahen Flächen ausschließt. Dazu könnten sowohl die Untere Naturschutzbehörde des Kreises als auch das Land Flächen kaufen oder pachten – wenn auch nicht zu den aktuellen Markt-Spitzenpreisen. „Aber im Moment können wir noch mit den Bauern verhandeln, denn noch ist das Fenster offen. In anderen Ländern aber, etwa in Dänemark, ist ein Wasserrandstreifen schon Gesetz. Wenn es so weitergeht, könnte das bald auch bei uns der Fall sein. Dann gibt es für diese Flächen gar nichts mehr.“

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