zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 08:20 Uhr

Ausstellung : Es war keine Hexerei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine Ausstellung im Gemeindehaus auf dem Michaelisberg erinnert an Frauen, die im 16. Jahrhundert auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Sie hießen Lene Jürgens, Caterina Eggerdes, Metke Framen, Abelke Stenbrugger, Elli Petersen, Anneke Muttzen und Anneke Lutkenn. Von diesen sieben Frauen ist überliefert, dass sie wegen Hexerei verurteilt und auf dem Scheiterhaufen auf dem Schleswiger Rathausmarkt verbrannt wurden. Die Greueltaten geschahen zwischen 1548 und 1557, und verantwortlich war der Rat der Stadt Schleswig.

An dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte erinnert ab heute eine Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus auf dem Michaelisberg . Dompastor Michael Dübbers hat dazu bis Ende Februar einen Raum zur Verfügung gestellt. „Die Kirche trägt Mitschuld an diesen Verbrechen“, sagt Dübbers. Aus den Ratsprotokollen des 16. Jahrhunderts geht hervor, dass es zumindest in einem Fall der Pastor der Michaeliskirche war, der die Anklage wegen Hexerei gegen eine Frau vorantrieb.

Der „Arbeitskreis Hexenprozesse Schleswig“ um den Erlebnispädagogen Jens Nielsen hat die Ausstellung gestaltet. Auf Schautafeln wird das Schicksal der betroffenen Frauen dargestellt, und es sind Dinge zu sehen, die in den Vorwürfen gegen die vermeintlichen Hexen eine Rolle spielten – zum Beispiel Kräuter oder auch eine Wachspuppe, die eine ähnliche Funktion gehabt haben soll wie bei einem Voodoo-Zauber.

„Wir sind keine Historiker, und wir stehen zu den Fehlern, die wir vielleicht gemacht haben“, sagt er. Die Grundlage für die Ausstellung indes ist eine rund 30 Jahre alte wissenschaftliche Studie von Dr. Dagmar Unverhau. Die Ergebnisse seien in der Stadt weitgehend in Vergessenheit geraten, meint Nielsen. Er empfindet als eine Schande, dass die Ratsversammlung bisher nicht auf seine Anregung eingegangen ist, die Frauen, die einst auf dem Scheiterhaufen brannten, offiziell zu rehabilitieren. Er wünscht sich zudem eine Gedenktafel auf dem Rathausmarkt. „Viele Menschen, die dort im Café ihren Kaffee trinken, wissen gar nicht, dass sie auf einer ehemaligen Hinrichtungsstätte sitzen.“

Pastor Dübbers betont, dass das Thema Hexenverbrennungen auch in der heutigen Zeit aktuell ist. „Man sieht, wozu es führen kann, wenn die Volksseele hochkocht. So etwas erleben wir auch heute noch, wenn zum Beispiel ein Kinderschänder sein Unwesen treibt.“

Die Ausstellung im Michaelis-Gemeindehaus, Bismarckstraße 12b, wird heute um 15 Uhr eröffnet. Sie ist bis Ende Februar donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Pastor Joachim Thieme-Hachmann wird auf das Thema auch im Gottesdienst am morgigen Sonntag um 10 Uhr im St.-Petri-Dom eingehen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen