„Es war eine schöne Zeit“

Nach 65 Jahren bilden sie noch immer eine Gemeinschaft: Die Ehemaligen der Landwirtschaftlichen Haushaltsschule.
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Nach 65 Jahren bilden sie noch immer eine Gemeinschaft: Die Ehemaligen der Landwirtschaftlichen Haushaltsschule.

Zum Klassentreffen der Landwirtschaftlichen Haushaltsschule Niebüll nach 65 Jahren kamen 15 Ehemalige und schwelgten in Erinnerungen

shz.de von
12. Oktober 2018, 13:15 Uhr

Vor 65 Jahren besuchten sie gemeinsam die Landwirtschaftliche Haushaltsschule in Niebüll, nun treffen sich 15 Ehemalige zu diesem außergewöhnlichen Jubiläum im „Utspann“ in Schafflund. Christine Hansen ist aus Habernis angereist. Die 86-Jährige ist Gastgeberin, denn die jährlichen Treffen gingen seit 15 Jahren immer reihum. „Gegessen wurde im Restaurant, aber die Kaffeetafel mit schönen Torten fand zu Hause statt“, erzählt sie. „Nach unserer Prüfung hatten wir uns aus den Augen verloren, doch dann organisierten Meta Hinrichsen und andere nach 50 Jahren ein großes Treffen in Dagebüll.“

Sie kamen aus Wesselburen, Niebüll, Hamburg und allen Ecken des Landes. Fotos von 21 Frauen auf dem Deich machen die Runde – und weitere von gemütlichen Zusammenkünften bei den Mitschülerinnen von damals.

Beim Anblick eines Schwarz-Weiß-Fotos von 1953 sprudeln die Erinnerungen nur so hervor. 27 Mädchen, gruppiert um ihren damaligen Schuldirektor Franz Hjuler, schauen brav in die Kamera. Doch so brav waren sie gar nicht: „Eine Lehrerin konnte sich überhaupt nicht durchsetzen und wurde mitunter gnadenlos geärgert.“ Von Schürzenbändern ist die Rede, die heimlich an die Stühle gebunden wurden, sodass manche Mitschülerin im Unterricht mitsamt ihrem Stuhl aufstand. „Bei der Prüfung in Bürgerkunde hatte ich alles in meine Hand geschrieben. Ich habe Marlene beneidet, die ein Ass in Politik war“, erzählt Thea Christiansen. Doch das, was sie damals gelernt habe, sei bis heute im Gedächtnis.

Nur ein halbes Jahr hat das gemeinsame Wintersemester gedauert, und doch scheint kaum etwas vergessen. „Der Tag begann mit Gymnastik, oft nach der Musik „Laurentia mein“, da hatten wir gleich Muskelkater“, erinnert sich Anne Jensen aus Medelby. Ob Wäschekunde, Kinderpflege, Nähen und Flicken, Kochen, Backen, Putzen oder Schlachten – alles, was man zur Führung eines Haushalts in der Familie benötigt, wurde gelehrt. Davon haben sie alle profitiert. „Man muss es können, auch wenn man es später nicht gebraucht“, sei immer das Motto ihrer Eltern gewesen, sagt Elmine Hilgendorf. „Ich musste eine Henne mit dem Schnabelstich töten – das war die erste und letzte Henne in meinem Leben, es war furchtbar.“

Für Belustigung sorgen dagegen Anekdoten über Raupen, die im Grünkohl mitgekocht wurden oder eine spanische Reissuppe, deren Rezept aus Unkenntnis so umgewandelt wurde, dass sie nicht zu genießen war. Das Bergfest und der Schülerball zum Abschluss sind unvergessene Erlebnisse. Ellinor Peters von Amrum gehörte damals zu den Inselmädchen, die im Internat untergebracht waren: „Es war eine schöne Zeit, auch wenn wir nur alle 14 Tage nach Hause durften, weil die Fähre morgens zu spät fuhr - doch manchmal haben wir vor Heimweh geheult.“ Sie freut sich jedes Jahr auf den Austausch und den Zusammenhalt mit den anderen Frauen. Und diesmal hat Marlene Ingwersen aus Niebüll eine echte Überraschung parat: „Alle haben dicht gehalten.“ In der Mittagspause taucht plötzlich ihr Sohn Jens auf und gibt mit seiner Gruppe „De Watermänner un een Fisch“ (ehemals Inspringers) ein kleines Konzert mit plattdeutschen Liedern zur Feier des großen Jubiläums.

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