Hausfrauenbund löst sich auf : „Es war eine schöne Zeit“

Die Vereinsvorsitzende Karen Wilkens (li.) mit ihrer Stellvertreterin Renate Poerschke.
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Die Vereinsvorsitzende Karen Wilkens (li.) mit ihrer Stellvertreterin Renate Poerschke.

Der Hausfrauenbund in Schleswig löst sich auf / Einstimmiger Beschluss auf der Mitgliederversammlung

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17. Februar 2018, 07:24 Uhr

Etwas wehmütig, aber überwiegend erleichtert war Karen Wilkens, die Vorsitzende des Hausfrauenverbandes Schleswig, am Ende der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend. Es war die letzte Veranstaltung dieser Art, denn zum Jahresende wird es den Verein mit seiner 99-jährigen Geschichte nicht mehr geben. Denn für die 76-jährige Vorsitzende hat sich auch nach langer Suche keine Nachfolgerin gefunden.

96 der insgesamt 162 Mitglieder des Ortsverbandes waren zu der wichtigen Versammlung erschienen, denn unter dem Tagesordnungspunkt 9 waren sie gefragt. Mindestens die Hälfte aller Mitglieder musste anwesend sein und außerdem noch mussten 75 Prozent dann auch der Auflösung zustimmen, damit diese überhaupt vollzogen werden konnte. Ein mehrfaches Auszählen war nicht erforderlich, denn einstimmig beschlossen die Frauen, dass ihr Verein zum Jahresende der Vergangenheit angehören wird. „Es war eine schöne Zeit und der Vorstand hat jahrelang eine tolle Arbeit gemacht“, resümierte Irmgard Homuth aus Schleswig, die über 20 Jahre Mitglied war. Dennoch ist das Ende des Vereins für sie, wie für alle anderen ein logischer und konsequenter Schritt. „80 Prozent unserer Mitglieder sind über 70. Ich kann verstehen, dass man in diesem Alter keine Vorstandsarbeit mehr übernehmen möchte“, sagte Karen Wilkens. Sie selbst wollte nach 20 Jahren den Vorsitz nicht erneut übernehmen.

Die Abstimmung über die Vereinsauflösung erfolgte nicht durch Handzeichen, sondern geheim auf Stimmzetteln. Die Verkündung des Abstimmungsergebnisses wurde von den 96 Frauen mit Beifall beantwortet. Wie schon in all den Jahren zuvor, wurde auch diese letzte Einscheidung harmonisch und im Einvernehmen getroffen. Es gab keine Gegenstimme.

„Wir haben in den letzten 20 Jahren über 20 000 Euro an soziale Einrichtungen in Schleswig gespendet“, berichtete Wilkens ihren Mitgliedern. Gleich gestern wurde dann auch die Suppenküche Schleswig mit einer Spende von 400 Euro bedacht. Bereits beschlossen wurde, dass der Kassenbestand nach der Auflösung dem Förderverein für ein stationäres Hospiz in Schleswig zugute kommen wird.

Im Jahr 2018 wird es ein Vereinsleben mit Ausflügen und Vorträgen weiterhin geben. Erst am 8. Oktober wird das Erntedankfest die allerletzte Veranstaltung sein. Langweilig soll den Mitgliedern des Hausfrauenbunds anschließend nicht werden. Viele haben bereits entschieden, dem Seniorenförderverein beizutreten. Auch die Arbeiterwohlfahrt bietet für viele interessante Angebote. Dass dort dann auch Männer am Vereinsleben teilnehmen, ist natürlich kein Problem. „Wir haben die Männer hier nie vermisst, aber es ist schön, dass es sie gibt“, sagte die zweite Vorsitzende Renate Poerschke augenzwinkernd.

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