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Syrische Flüchtlinge auf der Freiheit : „Es wächst uns über den Kopf“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Ehrenamtler im FKKZ auf der Freiheit fühlen sich mit der Betreuung von syrischen Flüchtlingen in ihren Räumen allein gelassen.

von
erstellt am 30.Aug.2014 | 12:45 Uhr

Schleswig | Die Bomben haben alles zerstört. Sein Haus, sein Geschäft, aber vor allem haben sie seine Familie auseinandergerissen. Basil Tarrad (50) war ein erfolgreicher Im- und Exporteur in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Jetzt ist er in einem der früheren Kasernen-Gebäude auf der Freiheit untergekommen. Hier wurden für 20 Flüchtlinge aus Syrien Räume des Freien Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) angemietet. Und so wurden die FKKZ-Mitarbeiter, die sich sonst mit Schleswiger Jugendlichen beschäftigen, plötzlich zu Integrationshelfern. Die Betreuung der oft traumatisierten Menschen ist zu einer echten Herausforderung geworden.

„Es wächst uns über den Kopf“, sagt Arne Olaf Jöhnk, der Vorsitzende des Vereins Kulturnetz, dem Träger des FKKZ. Der Luftwaffen-Major ist vielfältig ehrenamtlich tätig, aber so überfordert wie jetzt, sagt er, habe er sich bei seinen Aufgaben noch nie gefühlt. Viele der Flüchtlinge kommen fast ohne jedes Gepäck und sind verängstigt. Einige von ihnen sprechen Englisch, aber längst nicht alle. Hilfsbedarf gibt es also an allen Ecken und Enden, aber schon die Beschaffung simpelster Güter für die Flüchtlinge, bereitet Jöhnk Schwierigkeiten.

„Wegen der derzeitigen Flüchtlingssituation gibt es sogar einen Engpass bei Bettdecken“, sagt Jöhnk. 100 Decken habe er gerade aus Bayern bestellt, aber das ist nur eine Maßnahme von vielen, die notwendig sind.

„Man kann diese Menschen eben nicht einfach nur irgendwo unterbringen, man muss sich auch um sie kümmern“, sagt Rüdiger Tietz vom Runden Tisch für Flüchtlinge in der Kirchengemeinde Haddeby. Der Rentner hilft den Flüchtlingen ebenfalls freiwillig und hofft, dass sich bald noch mehr Menschen aus der Region finden, die sich wie er engagieren möchten. „Wir brauchen keine Häuptlinge, sondern Indianer“, formuliert es Tietz knapp.

Solche freiwilligen Helfer nennt er „Lotsen“, weil sie die Flüchtlinge an die Hand nehmen und zum Beispiel auf Behördengänge begleiten. Sie zeigen den Geflüchteten auch, wo sie günstig essen können oder Kleidung herbekommen. „Wir haben einen Leitfaden, der den Freiwilligen erklärt, welche Dinge zu tun sind“, sagt Tietz. So können auch Menschen zu Lotsen werden, die vorher noch nie humanitär gearbeitet haben. Es sei wichtig, so viele Freiwillige wie möglich zu gewinnen, da sich ein Lotse im Moment um bis zu acht Personen kümmern muss. Tietz wünscht sich maximal zwei bis drei Flüchtlinge pro Lotse. Hannelore Braun, die frühere Leiterin der Gallbergschule, gibt den Syrern jetzt Sprachunterricht. Auch sie hofft auf mehr Unterstützung. „Es fehlt ihnen noch viel“, sagt die 75-Jährige.

„Mit Helfern allein ist es aber nicht getan“, erklärt Jöhnk. Auch materielle Spenden, vor allem jegliches Werkzeug für Reparaturen und andere Arbeiten, werden gebraucht. Ein Kopierer werde ebenfalls benötigt, um wichtige Dokumente oder Informationen an alle Bewohner des Flüchtling-Hauses verteilen zu können. „Diese ganzen Dinge kosten natürlich Geld, und so viel haben wir leider davon nicht“, sagt Jöhnk. Der Verein, der sich eigentlich hauptsächlich der Jugendarbeit widmet, bekommt für seine Arbeit mit den Flüchtlingen keine öffentlichen Zuschüsse. Wer Interesse hat mitzuarbeiten, kann sich bei Rüdiger Tietz melden (Telefon 04621/98 98 06, E-Mail ruediger.tietz@ versanet.de).

Das FKKZ hat zudem ein Spendenkonto bei der Schleswiger Volksbank eingerichtet (IBAN: DE54 21690020 0011481932, Verwendungszweck: „Flüchtlinge“).

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