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„Kinderküche auf Tour“ zu Gast in Kropp : Es müssen nicht immer Eier sein

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

70 DaZ-Schüler probieren neue Gerichte aus.

„Ei“, antwortet Nima auf die Frage, was er kochen könne. Mit umgebundener Schürze steht der Elfjährige in der Küche der Geestlandschule in Kropp und bereitet mit dem ein Jahr älteren Sajad Kartoffel- und Kürbisecken zu. Das Rezept kommt von der „Kinderküche auf Tour“, die diese Woche die DaZ-Klasse besucht, in der die beiden Jungs Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen. Das Präventionsprojekt vom Deutschen Kinderschutzbund Schleswig-Holstein vermittelt Kindern spielerisch Wissen über ausgewogene, gesunde und günstige Ernährung.

Über drei Tage verteilt nehmen 50 DaZ-Schüler von der ersten bis zur siebten Klasse teil. „Bei den Erstklässlern mussten wir aufpassen, dass sich niemand in den Finger schneidet. Die älteren Schüler sind super selbstständig“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Anna Baumgarten-Heepe, die das Projekt mit zwei ehrenamtlichen Helfern betreut. Zu Beginn im Jahr 2014 war die Kinderküche in sozial schwachen Gebieten unterwegs, inzwischen besucht sie landesweit Schulen.

Auf den Tisch kommen gesunde, vegetarische Speisen, die kindgerecht sind und mit regionalen Zutaten zubereitet werden. In Kropp zählen Rote-Beete-Bratlinge und Quark mit Schnittlauch dazu. Küchengeräte und Lebensmittel bringt die Kinderküche mit. „Zunächst gucken wir uns die Ernährungspyramide und Hygieneregeln an“, sagt Helfer Rainer Tuschmann. Da ist es wichtig, Handschuhe anzuziehen, bevor es ans Eingemachte geht. Um die Sinne zu schärfen, gibt es Riechgläser mit Fenchel und einen Tastkasten mit exotischen Früchten.

Was die Fertigkeiten in der Küche angehe, sehe sie keinen Unterschied zwischen DaZ-Kindern und anderen Schülern, sagt Anna Baumgarten-Heepe, aber sie habe das Gefühl, dass erstere ein bisschen mehr Enthusiasmus hätten und dankbarer wären. Den Kropper Kindern machen das Schnippeln von Gemüse und das Braten der Rote-Beete-Mischung sichtlich Freude. „Kochen macht Spaß“, sagt Nima aus Afghanistan, der bisher nur Eier kochen konnte. Die Schüler würden praktisch lernen und Stereotype aufbrechen, freut sich DaZ-Lehrerin Karina Spiegel darüber, dass die großen Jungs „in die Rolle der Hausfrau schlüpfen“.

Seine fünfköpfige Gruppe habe „Lustigen Linsensalat“ zubereitet, erzählt der neunjährige Jakub, der aus Polen stammt. Er habe Äpfel, Paprika und Möhren geschnitten, so der Junge, der auch mit seiner Familie koche. Sein Lieblingsessen? „Pizza“, meint er. In seiner Gruppe sind Aylin (9), deren Eltern aus der Türkei kommen, und Eva (10) aus Syrien. Beide Mädchen helfen ihren Müttern öfter in der Küche. Nun möchte sie die Gerichte ihrer Mitschüler probieren, sagt Eva. „Ich habe sehr großen Hunger“, stimmt Aylin zu.

Zum Abschluss sitzen alle am Tisch und essen das selbstgekochte Essen. Besonders der Nachtisch, Dörräpfel mit Quark, kommt gut an. Bevor es an den Abwasch geht, bekommen die Kinder Urkunden, einen Kochlöffel und ein Heft, in das sie eigene Rezepte schreiben können.

Außerhalb der Ferien ist die Kinderküche jede Woche auf Tour. Die Einsätze werden mitfinanziert durch die schleswig-holsteinischen Sparkassen sowie die coop-Stiftung „Unser Norden“. Es sei wichtig, „dass möglichst viele Kinder von diesem vorbildlichen Projekt profitieren“, meint Werner Seeling, Regionaldirektor der Nord-Ostsee Sparkasse, der in Kropp eine Kostprobe bekam.

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