Friedrichsberg-Süd : "Es ist kein sterbender Stadtteil"

Leere Fenster:  Der Supermarkt hat sich schon vor Jahren aus der Erikstraße verabschiedet. Foto: Heldt
Leere Fenster: Der Supermarkt hat sich schon vor Jahren aus der Erikstraße verabschiedet. Foto: Heldt

Wohnblocks abzureißen ist im Moment kein Thema, aber die Siedlung rund um die Erikstraße bleibt ein Sorgenkind der Schleswiger Stadtentwicklung.

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14. Juli 2012, 12:29 Uhr

Schleswig | Vor 50 Jahren schien hier die Zukunft zu liegen. Im südlichsten Zipfel des Schleswiger Stadtgebiets wurde ein Wohnblock nach dem anderen hochgezogen. Es entstanden ein Supermarkt, eine Sparkassenfiliale, eine Schule, eine Kirche. Nicht zuletzt viele Bundeswehrangehörige mit ihren Familien fanden hier ein Zuhause. Das ist lange her. Die Bundeswehr ist aus Schleswig abgezogen. Der Supermarkt steht leer. Die Friedenskirche ist abgerissen und mit ihr der 35 Meter hohe Turm, der dem Stadtteil einst ein Gesicht gab. In die Räume der Sparkasse ist - ein Lichtblick - das Kinderspielzentrum der Winkler-Stiftung gezogen. Die Schule gibt es noch. Sie ist größer als je zuvor. Aber die meisten Kinder fahren mit dem Bus aus anderen Stadtteilen oder aus dem Umland zur Dannewerk-Gemeinschaftsschule.
Vor gut einem Jahr luden die Stadtverwaltung und ein Hamburger Planungsbüro die Bürger aus dem Stadtteil Friedrichsberg-Süd ein zu einem Informations-Abend in der Schul-Mensa. Dort entlud sich die geballte Wut. Der Stadtplaner Christoph Schnetter sammelte Informationen für "vorbereitende Untersuchungen", auf dessen Grundlage sich der Stadtteil offiziell zum Sanierungsgebiet machen lässt - Voraussetzung für Städtebau-Fördermittel in Millionenhöhe.
Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen
Diese Voruntersuchungen sollten eigentlich noch im vergangenen Jahr abgeschlossen werden. Aber die Ergebnisse liegen noch immer nicht vor. Gründe für die Verzögerung konnte man gestern weder im Rathaus noch beim Planungsbüro "Elbwerk" nennen. Jetzt sollen die Ergebnisse im Herbst vorliegen.
Der Inhalt ist völlig offen. Der kürzlich in den Ruhestand gegangene Bauamtsleiter Peter Hopfe sprach gar davon, ganze Wohnblocks abzureißen. Vielleicht entstehen dort dann Einfamilienhäuser? Die sind schließlich nachgefragt, wie die Neubaugebiete im Umland und auch am Berender Redder beweisen.
"Der überwiegende Teil unserer Wohungen ist nach wie vor vermietet"
Dass es dazu in nächster Zeit kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Dietmar Jonscher, Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba und damit Herr über mehr als 400 Wohnungen in dem Gebiet, reagiert zurückhaltend. Grundstücke im Friedrichsberg-Süd als Bauland zu verkaufen, ist für ihn unvorstellbar. Denkbar wäre hingegen, alte Wohnblocks, die sich nicht mehr zu sanieren lohnen, durch Reihenhäuser zu ersetzen. So etwas geschieht bereits an anderen Standorten.
Das Gebiet rund um die Erikstraße hat für die Gewoba im Moment keine Priorität. Geschäftsstellenleiter Sven Lenz hatte schon auf der Info-Veranstaltung vor einem Jahr gesagt: "Aus der aktuellen Situation heraus werden wir hier nicht investieren. Die Abwärtsspirale durchbricht man nicht, indem man das eine oder andere Haus saniert." Dabei denkt man bei der Gewoba durchaus darüber nach, was man selbst tun kann, um das Gebiet attraktiver zu machen. Kann man kleine Läden unterstützen? Fahrdienste in die Innenstadt anbieten? "Die Frage ist nur, wie groß die Nachfrage für so etwas wirklich ist", gibt Steffan Liebscher, kaufmännischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft, zu bedenken. In das Lied vom "sterbenden Stadtteil" will er dennoch nicht einstimmen. Man verzeichne hier zwar mehr Leerstände als anderswo, aber: "Der ganz überwiegende Teil unserer Wohungen ist nach wie vor vermietet."

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