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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 07:07 Uhr

Brarupmarkt : Es geht hoch hinaus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit mehr als 50 Jahren kommt Otto Cornelius mit seinem Riesenrad nach Süderbrarup.

Otto Cornelius aus Wallenhorst bei Osnabrück ist der Besitzer des Wahrzeichens von Brarupmarkt. Seit den 60er-Jahren kommt er mit dem Riesenrad auf das größte ländliche Volksfest des Nordens, das morgen in eine neue Runde geht. Mit einer Gesamthöhe von 50 Metern ist Cornelius’ Fahrgeschäft eines der größten transportablen Riesenräder der Welt und bringt 250 Tonnen Gewicht auf seine Stützen. Bei Bedarf können 216 Personen in den 36 Gondeln Platz nehmen. „Und die Nachfrage ist genauso groß wie früher“, verrät Cornelius. Nur das Riesenrad ist nicht mehr dasselbe wie früher. Es ist inzwischen das fünfte Exemplar, das unter seiner Regie den Brarupmarkt bereichert. Denn auch Riesenräder werden wie Autos gebraucht verkauft und neu angeschafft. Nur der Preis ist mit 3,6 Millionen Euro etwas höher als beim Neuwagen.

Sein erstes Riesenrad kaufte Cornelius für 1,35 Millionen D-Mark und verkaufte es nach neun Jahren über einen Vermittler für 1,2 Millionen D-Mark. Ein parallel betriebenes Rad gab er beim Kauf des heutigen Typs in Zahlung. Das neue Rad kostete damals 3,95 Millionen D-Mark.

Dazu kommen fünf Lkw für den Transport und Kranarbeiten sowie Reparaturen und Renovierungskosten. Die spektakulärste und für alle Marktbesucher sichtbare Neuerung war die Umstellung auf LED-Beleuchtung vor acht Jahren. Die 150  000 LEDs ermöglichten ganz neue Lichteffekte und reduzieren die Anschlusswerte auf 60 Kilowatt.

Die Finanzierung von Anschaffungen für den Jahrmarkt ist kein Zuckerschlecken. Nur wenige Kreditinstitute sind bereit, derartige Darlehen zu vergeben. Denn im Gegensatz zu einer Hausfinanzierung existiert für ein Jahrmarktgeschäft kein sicher erzielbarer Veräußerungswert. Deshalb gibt die Herstellerfirma des Cornelius-Riesenrads eine Rückkaufgarantie. Diese baut sich innerhalb von fünf Jahren ab. Dennoch sehen die Banken hier ein erhöhtes Risiko, das sie sich vergüten lassen. Während ein privater Hausbauer heute Zinsen unter zwei Prozent bezahlt, verhandelt Cornelius für die Anschaffung einer Geisterbahn im Bereich von fünf bis sechs Prozent.

Das Riesenrad ist ein Familienunternehmen. Ehefrau Martina Cornelius ist für den Backstagebereich und die Buchhaltung zuständig. Sohn Ronny wird später einmal das Riesenrad übernehmen. Und Sohn Mike wird die Geisterbahn betreiben. Außerdem finden sich in den beiden großen Wohnwagen noch eine Tochter, zwei Schwiegertöchter, ein Schwiegersohn, zwei Enkelkinder und ein Cousin.

Einen Businessplan wie in einem Industrieunternehmen gibt es bei Cornelius nicht. „Am Ende des Jahres stellen wir fest, dass wir wieder einmal durchgekommen sind“, erklärt der Riesenradbesitzer. Und wenn ein Jahrmarktsunternehmer am Ende eines Jahres Überschüsse habe, stecke er sie sofort wieder ins Geschäft. Wer keine habe, ließe alles so wie es ist. „Und das Frühjahr beginnt für alle mit leeren Taschen“, stellt er fest.

Für Cornelius ist Süderbrarup ein Ort, zu dem er gerne kommt. „In dieser ländlichen Atmosphäre fühlt man sich zu Hause“, schwärmt er. Hier freuten sich die Menschen, wenn man käme. Und man kenne sich mittlerweile. „Das macht Brarupmarkt schon zu etwas Besonderem“, sagt er.






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