Hilfe für Junge Mütter : Erziehung zum Frühstück

Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Frühstücktreffs für junge Mütter kamen zum  Jubiläum in die Familienbildungsstätte.
Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Frühstücktreffs für junge Mütter kamen zum Jubiläum in die Familienbildungsstätte.

Die Familienbildungsstätte in Schleswig feiert das zehnjährige Bestehen ihres Frühstückstreffs, wo junge Mütter Hilfe für alle Lebenslagen bekommen. Ob damit aber Probleme bei der Erziehung ausgeräumt werden?

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01. Juli 2014, 07:45 Uhr

Es wird sehr schnell laut. Wildes Geschrei und hektische Bewegungen finden statt und manchmal fliegt auch ein Bauklotz durch die Luft. Wenn sich zehn junge Mütter und ihre meist noch sehr jungen Kinder beim Frühstückstreff der Familienbildungsstätte begegnen, sind solche Bilder an der Tagesordnung. Panik bricht im Spielzimmer aber nicht mehr aus, denn die jungen Frauen haben durch den Treff gelernt, wie sie mit ihren Kindern umgehen müssen. Dort bekommen sie seit zehn Jahren nicht nur wichtige Tipps für die Erziehung ihrer Kleinen, sondern können auch einfach mal kurz runterfahren und abschalten.

„Wir versuchen, bei allen Problemen zu helfen. Von der Flaschennahrung bis zum Toilettengang“, sagt Anne Agokoü. Die 23-Jährige ist bereits seit über vier Jahren beim Frühstückstreff als Helferin und Beraterin tätig. Sie selbst sei damals während ihrer Schwangerschaft eher zufällig in diese Gruppe „reingerutscht“. Heute würde sie nur ungern darauf verzichten. „Es ist toll einen Ansprechpartner für alle Probleme zu haben“, sagt sie. Ihr fünfjähriger Sohn Leon habe stark davon profitiert. Mit ihrem zweiten Sohn Milo besuchte sie den Treff ebenfalls regelmäßig.

„Man kommt eben gerne wieder“, sagt auch Nadine Jacobsen. Die 31-jährige Schleswigerin erzieht momentan ihren dritten Nachkömmling Lasse. Wie schon seine zwei Brüder zuvor kommt auch er in den Genuss der lockeren Erziehungsberatung, für die es keine Altersgrenze gibt. Weder für Kinder, noch für die Mütter. „Wir wollten mit diesem Angebot einen Zugang zu jungen Müttern finden, denn diese Altersgruppe ist oft nur über ihr nahes Umfeld oder von Gleichaltrigen zu erreichen“, erklärt Klaus Machlitt, der die Beratungsstelle des Diakonischen Werks in Schleswig leitet. Das Stichwort lautete daher von Anfang an „Niedrigschwelligkeit“. „Einige kommen deshalb immer wieder und tauschen sich weiter aus“, berichtet Ute Jacobsen, die den Treff schon seit seiner Gründung leitet.

So entstünden Freundschaften und ein Netzwerk aus Müttern, die sich gegenseitig dabei helfen die Bedürfnisse ihrer Kinder richtig einzuschätzen. Natürlich klappt das nicht immer, weshalb der Geräuschpegel beim Treff zum Teil etwas weiter oben liegt. „Beim Frühstückstreff bekommen wir aber sehr gute Tipps. Und im Laufe der Zeit sammelt man ja auch Erfahrung“, sagt Lasses Mutter, die schon seit längerem mit dem Vater ihrer drei Kinder zusammenlebt. Die guten Tipps beziehen sich dabei vor allem auf den Umgang mit den Behörden. Jungen alleinerziehenden Müttern, wie Anne Akogoü, werden dadurch große Lasten von den Schultern genommen.

Die Hälfte der momentan teilnehmenden Mütter haben keinen festen Partner. Einige haben ihre Berufsausbildung noch nicht beendet. „Es gibt ein paar Mütter, um die wir uns sorgen machen“, sagt Gruppenleiterin Jacobsen. Meistens finde man aber einen Weg. Oder besser gesagt, sie findet ihn. „Als ich umziehen wollte, hatte das Amt mir diesen Schritt untersagt. Dann rief Ute dort an und alles klärte sich sehr schnell“, erinnert sich Akogoü.

Auch für die Erziehung hatte sie immer eine guten Tipp parat, denn kein Elternteil könne im Voraus schon alles wissen, wie Machlitt betont: „Wenn sie nur einen Hammer als Antwort haben, müssen alle Probleme in Nagelform auftreten. Das tun sie aber nicht“, sagt der 58-Jährige. Wer also nicht weiß, wie man sein Kind vom Schreien abhält, müsse sich eher Gedanken machen, warum es schreit, anstatt sich nur darüber zu ärgern. „Es wäre daher sicherlich gut, wenn es noch weitere Angebote dieser Art in Schleswig geben würde“, sagt Machlitt. Im vergangenen November eröffnete zwar in Süderbrarup der zweite Frühstückstreff der Familienbildungsstätte, weitere Angebote sind aber trotz der Unterstützung aus dem landesweiten Förderprogramm „Schutzengel“ aus finanziellen Gründen vorerst nicht geplant.

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