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Engagierte Truppe : Erste Klappe für Mohrkirchs Film-Team

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sieben Menschen aus dem ganzen Kreisgebiet haben sich zu einer neuen Filmgruppe zusammengefunden und planen nun den Dreh eines seriösen Spielfilms – allerdings aus reinem Privatvergnügen. Einen ersten „Kennenlern“-Film haben sie bereits im Kasten.

Mohrkirch | Eines Morgens stellt die Familie bestürzt fest: Die Fahrräder aus dem Carport sind weg. Am Tag darauf sind sie plötzlich wieder da, mit einem Brief. Die Diebe entschuldigen sich, man habe sie nur kurz ausleihen müssen. Als Wiedergutmachung befänden sich im Umschlag Theaterkarten. Die Familie freut sich – und besucht eines Abends das Theaterstück. Als sie zurückkehrt, ist das Haus leergeräumt. Diese Einbruchmasche ist so tatsächlich schon passiert – und aus genau diesem Stoff ist der „Kennenlern-Film“ gemacht, den sieben Menschen aus dem Kreis Schleswig-Flensburg nun im Kasten haben. Arbeitstitel: „Geschenkt“.

Kennengelernt haben sich die Film-Fans anhand des Streifens bestens, längst sei aus ihnen eine feste Gruppe geworden, sagt Gründer Wolfgang Philipp aus Mohrkirch, wo sich die Basis befindet. Die Gruppe besteht aus sieben Männern und Frauen, 19 bis 65 Jahre alt. Ihre Lebensläufe zeigen: Die können was. Michael Christiansen ist 47, kommt aus Großsolt. Seit 20 Jahren dreht er hobbymäßig kleine Dokus, etwa für Museen. „Es hat mich aber immer gereizt, einen Spielfilm zu machen. Eine Doku kann man allein drehen, Spielfilme nur im Team“, weiß er. Da kam der Aufruf von Wolfgang Philipp am 19. März in unserer Zeitung, mit dem er nach Film-Begeisterten suchte, gerade recht. Christiansen ist nun „eher für das Technische“ zuständig, wie Kamera und Set.

Robert Pennewiss aus Süderbrarup ist mit Niklas Wacker (19) aus Mohrkirch, der Schauspiel-Parts übernimmt, einer der jüngsten der Gruppe. Pennewiss ist 21, studiert an der Uni Flensburg Medieninformatik mit dem Schwerpunkt Film. „Seit ich 15 bin ist das mein Hobby – und das will ich zum Beruf machen.“ 2011 hat er mit Freunden sogar eine Event-Firma gegründet, ist hier für Video und Audio zuständig. Philipp bezeichnet ihn als „wahren Glücksgriff“. Michael Zemlin sagt: „Wir waren schnell ein richtig gutes Team, obwohl wir uns vorher alle fremd waren und aus drei Generationen stammen.“ Der 54-Jährige aus Niesgrau fungiert als Regisseur, er ist der, der bei den Dreharbeiten den Hut auf hat. In Berlin hat er Film- und Theaterwissenschaften studiert, und Germanistik, danach als Komparse, Tänzer, Regie-Assistent und Erzieher gearbeitet. Er ist zudem ausgebildet in Bühnen-Fechten, Ballett-Tanz und Klavierspiel. „Das Einfühlungsvermögen in die Rollen, das natürliche Darstellen der Emotionen, ist sehr wichtig“, sagt er. Genau dafür ist er zuständig, zum Beispiel, wenn die Rentnerin Anke Schmidt aus Jübek – neben Niklas Wacker das zweite Schauspiel-Talent der Gruppe – eine Szene einstudiert. Das Drehbuch für „Geschenkt“ hat Gruppenmitglied Ruud van der Tang aus Freienwill geschrieben, der hier einiges an Erfahrungen mitbringt.

Diese sechs engagierten Film-Fans hält als Produzent Wolfgang Philipp (65) zusammen. „Wir wollen semi-professionelle Arbeit machen, so gut wie möglich, und dazulernen. Aber es soll Spaß machen“, sagt er. Nach Mohrkirch kam er mit seiner Frau erst 2012, aus dem Badenerland. Dort war er Lehrer an einer Werkrealschule, viele Jahre setzte er mit Schülern große Film-Projekte um. Den Ruhestand habe er im Norden genießen wollen, „aber ich brauche etwas, das mich geistig fit hält, das mich mit Menschen zusammenbringt“. Nach seinem Aufruf hatte sich die jetzige Truppe schnell gefunden. Ihr Name: „HawophilM“ – das steht für Hans Wolfgang Philipp (sein voller Name), und der letzte Wortteil ist ein Wink zu „Film“.

In sechs statt geplanten neun Tagen wurde „Geschenkt“ abgedreht, in Mohrkirch und auf dem Scheersberg. Drehgenehmigungen mussten eingeholt, Statisten organisiert und Equipment von A nach B gefahren werden. Das stammte hauptsächlich von Philipp, doch eine gute Kamera wurde geliehen. „Es ist harte Arbeit, vor allem die Vorbereitungen sind immens“, betont er. Alle machen ihren Part ehrenamtlich, mit den Mitteln, die vorhanden sind. „Wenn man eine fiktive Kostenaufstellung für ,Geschenkt’ vornimmt, ist man aber schnell beim Mittelklassewagen – ohne Equipment“, so Philipp. Geld zu verdienen sei nicht das Ziel. „Es ist unser Privatvergnügen.“ Es könne jedoch notwendig werden, eine Produktionsfirma zu gründen, aufgrund rechtlicher und organisatorischer Dinge, und auch ein Film-Kino-Festival in Mohrkirch schwebt ihm vor, „aber klein und fein, vielleicht in einer alten Scheune“.

Alle hoffen, dass „Geschenkt“ Weihnachten fertig ist. Zemlin sagt aber: „Wir müssten mehr Leute sein, denn die Arbeit geht an die Schmerzgrenze.“ Immerhin soll als nächstes ein längerer Spielfilm gedreht werden. Deshalb kann jeder und jede, die ein wenig Erfahrung mitbringt, gern zu der Gruppe stoßen. Philipp: „Menschen mit Herzblut“.

>Kontakt zu Wolfgang Philipp: Telefon 04646/ 9907830 oder E-Mail an hawophilm@t-online.de

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erstellt am 20.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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