zur Navigation springen

Flüchtlingsdorf bei Tarp : Erstaufnahmeeinrichtung Eggebek: Soldaten richten Container ein

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Bundeswehr bereitet die Erstaufnahmeeinrichtung in Eggebek für den Einzug der Flüchtlinge vor. Am Sonnabend soll alles fertig sein.

von
erstellt am 17.Dez.2015 | 08:31 Uhr

Eggebek | Auf dem Tanklager-Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes in Eggebek wird mit Hochdruck gearbeitet. Dutzende von Fahrzeugen aus Handwerksbetrieben parken in den schmalen Gassen zwischen den Containern, Elektriker, Monteure und Tischler werkeln in den Räumen.

Am Sonnabend soll die Einrichtung bezugsfertig sein und dem DRK übergeben werden – und dann können in den 250 Wohncontainern theoretisch bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht, medizinisch versorgt und registriert werden. Doch es sind nicht nur Handwerker an der Arbeit, mittendrin sind auch Soldaten von der Marineschule aus Mürwik und vom 1. U-Boot-Geschwader aus Eckernförde. Ihre Aufgabe: Aufbau- und Transportarbeiten. Sie bauen Betten und Tische auf, sorgen für Decken, Laken und Kopfkissen und machen sich auch an die Verkabelung der Container, damit die Heizkörper funktionieren.

Koordinator der Hilfe durch die Bundeswehr ist Friedhelm Röttger, Oberstleutnant der Reserve und Beauftragter der Bundeswehr für zivil-militärische Zusammenarbeit im Kreis Schleswig-Flensburg. Zusammen mit elf weiteren ortsansässigen Reservisten ist er dem Landeskommando unterstellt und dessen Verbindung in die zivilen Strukturen. Das Hauptaugenmerk gilt der Katastrophenhilfe und dem Heimatschutz.

Friedhelm Röttger, im Zivilberuf Richter am Oberlandesgericht in Schleswig und sechs Wochen freigestellt, ist gerade der letzte Punkt ein besonderes Anliegen. Er sieht das Engagement der Bundeswehr auch als Zeichen der Unterstützung für die vielen Freiwilligen: „Es liegt mir am Herzen, den Menschen hier im Lande zu helfen.“

Hinzu komme, dass die Bundeswehr sich in dieser Situation zeige, auch wenn das Personal inzwischen sehr knapp geworden sei. „Die Menschen kennen uns auch als Helfer bei der Schneekatastrophe, bei der Oderflut oder bei Deichbrüchen. Und sie erwarten, dass wir uns auch jetzt engagieren“, sagt der Oberstleutnant, der jeden Tag um 16 Uhr seine Uniform ablegt und im Oberlandesgericht Büroarbeiten erledigt, damit sich die Papiere in den sechs Wochen nicht zu sehr auftürmen.

„Zurzeit sind wir hier fünf Tage in der Woche mit acht Soldaten von der Marineschule im Einsatz“, berichtet Hauptbootsmann Heiko Pflinger. Unter den jungen Soldaten sind auch Offiziersanwärter, die nun Betten zusammenbauen und Decken für die Flüchtlinge bereitlegen. Aber sie packen auch überall anders an, wo es notwendig ist.

Pflinger arbeitet in der Flensburger Marineschule in der IT – die Wartung der Rechner muss jedoch zurückstehen, so lange er mit seinen Leuten in Eggebek tätig ist. Ähnliches gilt für die U-Boot-Fahrer aus Eckernförde, die mit einem „ziemlich bunten Haufen“ in Eggebek angetreten sind, wie der Oberleutnant erklärt, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte.

Dass die Arbeit der Soldaten mit der offiziellen Übergabe der Erstaufnahme am Sonnabend beendet ist, kann nicht erwartet werden. Denn auch für die Registrierung der Asylsuchenden sind Soldaten vorgesehen. Zur Unterstützung des Landes und der Kommunen stellt die Bundeswehr in Schleswig-Holstein ein Kontingent von 150 Soldaten – schnelle Unterstützungskräfte genannt – , deren Einsatz vom Landeskommando koordiniert wird. Sie sind unter anderem in Boostedt, Lübeck, Neumünster und Husum im Einsatz. Für Friedhelm Röttger ist wichtig, dass die Bundeswehr sich nicht nur in Syrien engagiert, sondern auch den Heimatschutz-Gedanken aufrecht erhält. Wie jetzt in Eggebek.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert