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Schwere Vorwürfe : Erst geschlagen, dann vergewaltigt?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gestern hat am Landgericht Flensburg der Prozess um einen mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in einer Schleswiger Wohnung begonnen.

Der Abend hatte so nett begonnen – und soll schrecklich geendet haben. Am 7. Mai 2013 soll eine heute 51-jährige Schleswigerin von einem Mann in dessen Wohnung brutal vergewaltigt worden sein. Gestern begann der Prozess vor dem Flensburger Landgericht.

Das mutmaßliche Opfer hatte den Tag mit einem Freund verbracht, abends waren sie noch zusammen ausgegangen in Schleswig. Dabei floss offenbar viel Bier, alle waren angetrunken, aber gut gelaunt, wie gestern sämtliche Beteiligte erklärten. In einer Gaststätte in der Friedrichstraße lernte die 51-Jährige schließlich den jungen Mann kennen, der sie später geschlagen und vergewaltigt haben soll. Da der Wirt die Bar schließen wollte, beschlossen die Frau, ihre Begleitung und der mutmaßliche Täter, heute 31 Jahre alt, den gemeinsamen Abend in dessen Wohnung fortzusetzen. Dort wollten sie „einige Platten hören“. Schon kurz nach der Ankunft in der Wohnung verabschiedete sich jedoch die Begleitung des späteren mutmaßlichen Opfers. Der Alkohol hätte ihn sehr müde gemacht und er müsse dringend schlafen gehen, erklärte er. Die Frau wollte noch ein wenig feiern und Musik hören, bevor sie sich auch ein Taxi nach Hause nehmen wollte.

Sobald ihr Bekannter die Wohnung verlassen hatte, soll der Angeklagte die 51-Jährige von hinten angegriffen und ihren Kopf mehrmals auf den Boden geschlagen haben. Bäuchlings soll sie danach versucht haben, sich zu wehren. Es sei ihr aber nicht gelungen, sich zu befreien. Immer wieder, so erklärte sie nun gestern, sei sie in Ohnmacht gefallen. Als sie das nächste Mal zu Bewusstsein kam, habe sie nackt auf dem Rücken gelegen, während sich der Angeklagte über sie beugte. Dabei habe er sie weiterhin geschlagen und versucht, Geschlechtsverkehr mit ihr zu erzwingen. Ob es letztlich zur Vergewaltigung gekommen ist, steht derweil nicht fest, da die Frau erneut das Bewusstsein verloren hat, wie sie erklärte. Als sie wieder zu sich kam, soll es dunkel gewesen sein im Wohnzimmer, den Angeklagten konnte sie dort nach eigenen Angaben nicht entdecken. Dann sei sie aus der Wohnung geflüchtet – ihre Kleidung ließ sie zurück. Aus Angst, der Angeklagte folge ihr, soll sie sich hinter Büschen versteckt haben, bevor sie panisch bei den umliegenden Häusern klingelte, um Hilfe zu holen. Nachbarn versuchten daraufhin, die vollkommen nackte Frau zu beruhigen. Sie gaben ihr einen Bademantel, verständigten Polizei und Rettungsdienst.

Das mutmaßliche Opfer tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf und kam am ersten Prozesstag lange zu Wort. Der Frau flossen die Tränen, während sie den Tathergang schilderte. Der Angeklagte hingegen schwieg zu der Tat. Während der gesamten Verhandlung saß er ein wenig eingefallen, die Füße überkreuzt und den Kopf gesenkt neben seinem Verteidiger. Nur während der Fragen des Staatsanwalts und der Gerichtsmedizinerin drehte er seinen Kopf in Richtung des Opfers. Sein Gesichtsausdruck blieb dabei jedoch stets der gleiche. Fast teilnahmslos wirkte der junge Mann, dem man die Brutalität, die ihm vorgeworfen wird, ansieht.

Annäherungsversuche oder Flirts sollen an dem Abend nicht stattgefunden haben, erklärte das mutmaßliche Opfer. 20 Jahre jüngere Männer seien für sie nicht von Interesse. Schließlich sei ihr eigener Sohn etwa genauso alt wie der Angeklagte. Dieser wiederum soll dem mutmaßlichen Opfer unterstellen, „härteren Sex“ gewollt zu haben, was die Frau aber bestreitet. Sie habe vielmehr versucht, sich mit allen Kräften zu wehren. Noch zwei Wochen nach der Tat habe sie am gesamten Körper blaue Flecken gehabt. Ihre damalige Beziehung sei nicht zuletzt wegen der Erlebnisse des 7. Mai 2013 zerbrochen. Sie habe weder über das Geschehen sprechen können, „noch konnte ich Berührungen zulassen“.

Weitere Prozesstermine sollen am 25. und 30. September stattfinden.


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