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Auf der Walz : Erst die Lebensschule, dann der Korn

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Wandergeselle Leif Tüger kehrt nach vier Jahren in seine Heimat Silberstedt zurück / Zwei Spatenstiche reichten, um verbuddelte Flasche wiederzufinden

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erstellt am 18.Mai.2013 | 07:37 Uhr

Silberstedt | Es war ein richtig großer Bahnhof, den Familienangehörige, Freunde und Nachbarn dem von seiner Wanderschaft heimkehrenden Leif Tüger am Ortseingang von Silberstedt bereiteten. Mit Kind und Kegel waren sie gekommen, um den 24-jährigen "rechtschaffenden fremden Zimmer- und Schieferdeckergesellen" nach fast vierjähriger Wanderschaft wieder in der Heimat zu begrüßen.

Zunächst hießt es allerdings für alle Wartenden, sich in Geduld zu üben und je länger die Wartezeit dauerte, umso mehr stieg auch die Vorfreude auf das Wiedersehen. Besonders bei den Eltern und Großeltern war die Spannung sichtlich spürbar. Nach etwa einer Stunde hieß es dann endlich "Sie kommen! Und wieder war Geduld angesagt, denn wie es die Tradition will, wurde ebenso wie bei der Verabschiedung auch die letzte Etappe im so genannten "Spinnermarsch" absolviert. So wurden immer wieder zünftige Gesellenlieder "geschallert" und dabei wurde öfter für einen kräftigen Schluck aus der Buddel Halt gemacht.

Vor der endgültigen Heimkehr hatte Tüger dann noch eine entscheidende Hürde zu bewältigen, er musste über das Ortsschild klettern. Für den Überstieg standen die begleitenden Wandergesellen mit ihren Wanderstäben bereit. Allerdings klappte das Unterfangen erst im zweiten Anlauf, weil ein Stenz, wie der Wanderstab offiziell genannt wird, brach. Oben auf dem Schild machte Tüger erst einmal Pause und rief seinen wartenden Angehörigen und Freunden zu, dass er jetzt gerne ein Bier wolle, das ihm natürlich auch gebracht wurde.

Nach der ausgiebigen Begrüßungszeremonie mit vielen Umarmungen stand eine weitere Aufgabe für den Rückkehrer an. Die bei seinem Abschied vergrabene Flasche Korn musste wieder ans Licht befördert werden. Ob Zufall oder gutes Gedächtnis, mit nur zwei Spatenstichen wurde Tüger bereits fündig. Anschließend wurde die Heimkehr ausgiebig in gemütlicher Runde gefeiert.

In den fast vier Jahren war Leif Tüger hauptsächlich in Europa unterwegs, schließlich aber auch in Neuseeland. Zuvor verschlug es ihn unter anderem nach Österreich, Lichtenstein, in die Schweiz, nach Tschechien und Korsika. Arbeit zu finden stellte nie ein Problem dar und auch die Gastfreundschaft sei überall groß gewesen. So habe er fast immer eine Mitfahrgelegenheit und ein Nachtquartier gehabt, erzählt er. In Norwegen habe er bei gutem Wetter auch mehrmals am Strand geschlafen. Um nach Skandinavien zu kommen, durfte Tüger wegen der 50-Kilometer-Grenze allerdings nicht den direkten Weg wählen. Hier führte ihn der Weg über Fehmarn, Langeland, Lolland, Fünen und Kolding nach Ribe und dann weiter nach Norwegen.

Seine Wanderschaft bezeichnet Leif Tüger als "super Lebensschule", in der man beruflich unheimlich weiter komme. "Jeder, der die Chance hat, sollte das machen!", betont er.

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