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Schleswiger Nachrichten

21. Oktober 2017 | 09:45 Uhr

Schleswig : Erneut Schaf am Brautsee gerissen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zum wiederholten Male musste Landwirt Kurt Wiese ein grausam zugerichtetes Tier entsorgen. Aber: Keine Hinweise auf eine Wolfsattacke.

von
erstellt am 20.Apr.2015 | 07:12 Uhr

Für Kurt Wiese ist dieses traurige Bild inzwischen schon fast Routine geworden. Erst Mitte vergangener Woche musste der 77-jährige Schafzüchter zum wiederholten Male rausfahren und ein totes Tier entsorgen. Es lag am Rande einer Koppel am Brautsee, die vom Naturschutzbund betreut wird und auf der er schon seit vielen Jahren seine Schafe weiden lässt. Rund um das Tier lagen Wollfetzen, sein Bauch war aufgerissen, die Eingeweide rausgerissen, ein Schenkel fehlte. „Es war leider nicht das erste Mal, dass so etwas passiert“, klagt Wiese.

Mit Blick auf die sich aktuell auch in Schleswig-Holstein häufenden Fälle von Wolfsattacken auf Schafe kann und will der Landwirt nicht ausschließen, dass auch seine Tiere zu den Opfern gehören. „Wahrscheinlicher ist es aber“, so Wiese, „dass hier ein streunender Hund am Werk war.“ So war es zumindest in der Vergangenheit immer: Im September 2013 waren auf der Koppel am Brautsee und auf einer Fläche am Haferteich, auf der Wiese ebenfalls einen Teil seiner rund 120 Schafe laufen lässt, drei Tiere gerissen worden. Im Herbst 2014 waren es dann gleich sechs und im Dezember sogar acht Schafe.

In letzterem Fall zumindest meldete sich der Besitzer eines Hundes (ein Husky-Schäferhund-Mix) selbst bei der Polizei und kam im Nachhinein für den entstandenen Schaden auf. Bei den anderen Attacken gehen sowohl Polizei als auch Ordnungsamt und Jäger ebenfalls von Hunden als Täter aus. Auch jetzt deute bislang nichts auf einen Wolf hin, sagt Ute Kröger vom Wolfsinformationszentrum im Tierpark Eekholt auf SN-Nachfrage. Von dort aus werden unter anderem sogenannte Wolfsbetreuer eingesetzt, die landesweit sämtlichen Hinweisen auf ein mögliches Auftreten der Raubtiere nachgehen. „Bislang gibt es in Schleswig und nördlich davon aber keine Nachweise, dass es dort Wölfe gibt“, sagt Kröger, die allerdings einzelne „vage Hinweise“ bestätigt. Nur einen bestätigten Nachweis gibt es in der Region: Im Juli 2013 tappte ein Wolf in eine Kamerafalle in Hollingstedt.

Seine Koppeln mit Kameras zu überwachen oder durch extra hohe Zäune zu sichern, kommt für Kurt Wiese derweil nicht infrage. „Das wäre viel zu teuer und aufwändig“, sagt er. Die finanziellen Verluste, die er durch die zahlreichen gerissenen Schafen inzwischen hat, ließen ihn aber darüber nachdenken, das Hobby, das er gemeinsam mit seinem Sohn Kai Wiese betreibt, an den Nagel zu hängen. „Wenn das so bleibt, dann hören wir auf. Nicht nur wegen des Geldes. Es ist auch sehr schade um die Tiere, denn meistens erwischt es auch noch die besten“, sagt Wiese. Im aktuellen Fall sei ein säugendes Mutterschaf das Opfer gewesen. Deren Lamm käme zwar inzwischen auch ohne deren Milch „irgendwie zurecht“, werde nun wohl aber immer ein Kümmerling bleiben.

Wie in den anderen Fällen auch, hat Kurt Wiese inzwischen die Polizei eingeschaltet. Gleichzeitig hofft er, dass Hundebesitzer ihre Tiere künftig besser anleinen und kontrollieren. Sorgen macht ihm dabei jedoch auch, dass die Koppel am Brautsee, der ein offizieller Angelsee ist, frei zugänglich ist.

 

 

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