Idstedt : Erinnern an die Schlacht von 1850

Deutsch-Dänische Feierlichkeit: Jørgen Jessen vom dänischen Verteidigungsministerium (2. v.l .), Kreispräsident Ulrich Brüggemeier und Edgar Petersen (3. und 4. v. l., beide Idstedt-Stiftung) sowie Oberstleutnant Thomas Kwaterski vom Landeskommando Schleswig-Holstein (rechts) legten am Gedenkstein Kränze nieder.
Deutsch-Dänische Feierlichkeit: Jørgen Jessen vom dänischen Verteidigungsministerium (2. v.l .), Kreispräsident Ulrich Brüggemeier und Edgar Petersen (3. und 4. v. l., beide Idstedt-Stiftung) sowie Oberstleutnant Thomas Kwaterski vom Landeskommando Schleswig-Holstein (rechts) legten am Gedenkstein Kränze nieder.

Vor genau 168 Jahren starben in Idstedt mehr als 1400 Menschen, als Deutsche und Dänen gegeneinander kämpften.

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26. Juli 2018, 07:44 Uhr

Die Schlacht war grausam, die Zahl der Opfer hoch: Gestern gedachten Dänen und Deutsche gemeinsam der Schlacht von Idstedt, in der vor 168 Jahren 37 000 dänische und 26 000 schleswig-holsteinische Soldaten um die Landesherrschaft kämpften. Den Preis zahlten mehr als 1400 Tote, 5000 Verwundete, Vermisste und die Einwohner des niedergebrannten Dorfes.

Die oft als „verlustreichste Schlacht in der Geschichte Nordeuropas“ bezeichnete Auseinandersetzung soll nicht vergessen sein. So steht es auf dem Gedenkstein in Idstedt, an dem gestern – wie seit 18 Jahren schon – deutsche wie dänische Würdenträger in gegenseitigem Respekt gemeinsam Kränze niederlegten. Und so lautet das Ziel, für das die Idstedt-Stiftung eintritt, in deren Namen Kreispräsident Ulrich Brüggemeier die zahlreichen Gäste gestern am Idstedt-Tag begrüßte. Für ihn gehöre der Gedenkstein als Mahnmal zu den Botschaftern des Friedens, führte Brüggemeier aus, mehr noch sei er Anstoß für jeden Einzelnen, sich für Sicherheit, Demokratie und Freiheit einzusetzen.

In seinem Festvortrag stellte Professor Claus von Carnap-Bornheim, Leitender Direktor von Schloss Gottorf, die Frage „Idstedt – Was bedeutet Erinnerungskultur?“– und gab zugleich eine Antwort: Die Schlacht von 1850 sei die erste in einer langen Reihe von Auseinandersetzungen im deutsch-dänischen Grenzland gewesen, an deren Ende die europäische Einigung und eine zukunftsweisende Minderheitenpolitik stehe; ein „vorbildhaftes Modell der Integration und des Respekts“. In der Entscheidung, „wie und an was wir uns erinnern wollen“, also mit ihrer Erinnerungskultur, trage die Gesellschaft Verantwortung für die Zukunft des Gedenkens, dafür die hart errungen modernen demokratische Werte über Ländergrenzen hinweg als Basis der Gesellschaft zu erhalten und „im Bewusstsein zu verankern“.

„Künftige Generationen sehen in unserer Auswahl, nach welchen Werten wir gehandelt haben“, führte von Carnap-Bornheim aus und verwies auf das Leben im Grenzland, das über Jahrzehnte von Pragmatismus, Freundschaft und gegenseitigem Respekt geprägt sei. Aber: „Wir wissen alle, dass ein kruder Populismus jene Errungenschaften infrage stellt.“ Vor diesem Hintergrund sei das Vermächtnis von Idstedt die Verbindung emotionaler Beteiligung an den Schicksalen der Opfer mit der Verantwortung gegen Verdrehungen der Geschichte einzutreten. Und das sei das „allerstärkste Argument“ für eine neue Idstedt-Halle.

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