Investition von drei Millionen Euro : Erfde baut ein Gesundheitszentrum

In zentraler Lage  das Erfder Gesundheitszentrum entstehen.

In zentraler Lage  das Erfder Gesundheitszentrum entstehen.

2000-Einwohner-Gemeinde will das medizinische Zentrum der ganzen Region werden.

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13. Mai 2019, 16:11 Uhr

Erfde | Die Gemeinde Erfde nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand: „Ich glaube, dass die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum sich in Zukunft stark verändern wird. Die Zeiten, in denen jedes Dorf seinen eigenen Arzt hat, ist wohl vorbei“, sagt Bürgermeister Thomas Klömmer. Deshalb plant die 2000-Einwohner-Gemeinde im Amt Kropp-Stapelholm jetzt ihr eigenes Gesundheitszentrum.

Ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück steht zur Verfügung

Noch ist die Versorgungssituation in Erfde gut, wie der Bürgermeister sagt: Es gibt zwei niedergelassene Ärzte. „Die aber sind 66 und 69 Jahre alt und wollen vielleicht ja auch irgendwann einmal in der Ruhestand gehen. Und was passiert dann?“, fragt Klömmer. Eine rhetorische Frage: Die Gemeinde Erfde trennte vom Neubaugebiet an der Bundesstraße 202 ein 6000 Quadratmeter großen Grundstück für den Bau eines Gesundheitszentrums ab, bemühte sich eine Aufnahme in das Städteförderungsprogramm, über das nun 66 Prozent der Bruttokosten von veranschlagten drei Millionen Euro in den zentralen Ort zurückfließen und sicherte sich in Gesprächen auch die Zusicherung der beiden einheimischen Ärzte, in dieses Zentrum einzuziehen.

Das klingt vergleichsweise einfach, doch natürlich ist die Sache komplizierter: „Wir sind natürlich auch immer in Gesprächen mit in der Kommunalaufsicht, mit den Nachbargemeinden und mit der Kassenärztlichen Vereinigung“, erklärt Klömmer.

Auch Bundesminister Jens Spahn half, das Projekt bekannt zu machen

Und die Gemeinde machte auch richtig viel Werbung für ihr Projekt. Zum Beispiel bei der Veranstaltung mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum in der heimischen Stapelholm-Halle. „Danach haben wir viele Anfragen zu unseren Plänen bekommen“, berichtet der Bürgermeister. Das ist auch notwendig, denn das Gesundheitszentrum soll viel mehr werden als der Standort für zwei Ärzte. In einer Zeitungsanzeige wurde am Wochenende auch nach Zahnärzten, Gebietsärzten, physiotherapeutischen Praxen, ambulanten Pflegediensten und Apotheken gesucht, die in Erfde mitmachen wollen.

Wenn wir nicht wollen, dass die Menschen in die Stadt ziehen, müssen wir tätig werden. Bürgermeister Thomas Klömmer
 

„Wir sehen das als unsere Verantwortung an“, sagt Thomas Klömmer. Für die Versorgung mit Ärzten ist eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung zuständig, die aber einen Weg zum nächsten Arzt von 20 Kilometern für die Patienten für zumutbar hält. Klömmer ist anderer Meinung. „Wenn wir nicht wollen, dass die Menschen in die Stadt ziehen, müssen wir tätig werden.“

Und dafür ist die Gemeinde Erfde auch bereit, Verantwortung und Risiken auf sich zu nehmen. Das finanzielle Risiko hält Klömmer für überschaubar. „Wir bekommen für unser Geld mit dem Gebäude ja auch einen Gegenwert“, sagt er. Aber die Gemeinde wird auch als Träger und Vermieter auftreten. Der Plan: „Wir bilden eine gemeinnützige GmbH, übernehmen die Trägerschaft für das Zentrum, vermieten die Räume und übergeben die Geschäftsführung einem externen Unternehmen“, beschreibt Klömmer das Konstrukt. Darüber, dass es schwierig sein könnte, Nachwuchsärzte nach Erfde zu locken, macht er sich keine Sorgen: „Es gibt unter Ärzten einen erheblichen Bedarf an Teilzeitstellen und Beschäftigung im Angestelltenverhältnis“, ist er überzeugt.

Und weil später einmal Patienten aus dem ganzen Umland erwartet werden, wird schon jetzt über eine Erweiterung des ÖPNV durch Rufbusse nachgedacht.

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