zur Navigation springen

Schleswiger Serien-Brandstifter : Er wollte seine Frau umbringen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Brandserien-Prozess gibt der Angeklagte dramatische Einblicke in sein Seelenleben. Der Verteidiger attackiert psychiatrischen Gutachter.

von
erstellt am 25.Feb.2015 | 16:19 Uhr

Eigentlich sollte heute schon der letzte Verhandlungstag sein im Prozess gegen den 36-jährigen Ex-Schleswiger Danny B., der im vergangenen August die ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzte, als er innerhalb weniger Stunden Feuer in sieben Mehrfamilienhäusern legte. Doch nun wird das Urteil frühestens Ende März fallen.

Dabei ist der Ablauf der Taten selbst längst weitgehend aufgeklärt. Jetzt geht es um andere Fragen. Die Blicke richten sich immer mehr auf Dr. Rainer Taistra, einen älteren Herren mit Lesebrille, Halbglatze, rundlichem Gesicht und professoraler Aura. Im Gerichtssaal sitzt er etwas abseits am Katzentisch. Der ehemalige Chefarzt für Forensische Psychiatrie an der Schleswiger Fachklinik ist seit gut drei Jahren im Ruhestand, aber nach wie vor als Gutachter im Auftrag des Landgerichts tätig. Er hat sich intensiv mit der Psyche des Angeklagten beschäftigt, und seine Einschätzung wird Gewicht haben, wenn die Richter über die Strafe entscheiden und auch darüber, ob Danny B. eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und nach seiner Haftstrafe in Sicherheitsverwahrung kommt. Verteidiger Thomas Goede ist ganz offensichtlich besorgt, dass Taistras Einschätzung alles andere als positiv ausfallen wird. Mehrmals deutete er gestern an, er könnte Taistra wegen Befangenheit ablehnen.

Der bedächtige Psychiater ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Die Kritik, er sei bei seinen ersten Gesprächen mit dem Angeklagten von falschen Voraussetzungen ausgegangen, konterte er mit dem Hinweis, es sei „gar nicht untypisch für eine Gerichtsverhandlung, dass wesentliche Umstände der Tat erst in der Hauptverhandlung deutlich werden“. Taistra nutzte die Diskussion um seine eigene Arbeit dazu, noch einmal an den Angeklagten zu appellieren, in offenen Worten seine Gefühlslage und seine Motivation am Tag der Brandstiftungen darzulegen. Mit Erfolg. Viel ausführlicher als am ersten Verhandlungstag schilderte Danny B. die Vorgeschichte seiner Taten. Dass er wenige Wochen vorher versucht hatte, im Drogenhandel zu Geld zu kommen, war auch für Staatsanwalt Axel Schmidt neu. Die Art und Weise seines Scheiterns warf ein bezeichnendes Licht auf Danny B.: Statt das Speed (Amphetamin), das er sich von einem Bekannten besorgt hatte, zu verkaufen, lief er tagelang mit dem Stoff herum. Vor dem Bekannten, der für die Drogen endlich Geld sehen wollte, versteckte er sich bei seinem Cousin in Flensburg – und konsumierte das Speed schließlich selbst.

In seriösen Berufen hatte Danny B. nie Fuß fassen können. An jeder seiner wechselnden Arbeitsstellen geriet er nach kurzer Zeit mit seinen Chefs aneinander. Im Grunde fasste er im Leben nie wieder Fuß, seit er 2005 aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er wegen einer Vergewaltigung einsaß.

Schon am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte mit dem Bekenntnis überrascht, er habe die Brände gelegt, um wieder ins Gefängnis zu kommen, nach dessen geregeltem Leben er sich sehnte. Diese Sehnsucht nach dem Leben hinter Gittern treibt Danny B. offenbar schon lange um. So soll er schon die Vergewaltigung damals begangen haben, um ins Gefängnis zu kommen. Nach einem Überfall auf einen Taxifahrer war er zuvor nach seinem Geschmack viel zu schnell wieder auf freien Fuß gekommen.

Zwar heiratete er bald nach 2005 und bekam eine Tochter. Doch die Ehe scheiterte, so berichtete es Danny B., an seinen eigenen Lügen. Zeitweise verließ er morgens das Haus und kehrte erst am Abend wieder zurück, damit seine Frau nicht merkte, dass er arbeitslos war. „Ich wollte, dass sie zu mir hochschaut und nicht ich zu ihr, das wäre für mich demütigend gewesen“, sagte er. Mit seiner späteren Lebensgefährtin, mit der er zwei Kinder hat, lief es ähnlich. Zwischen beiden Beziehungen lebte er bis 2011 in einer Wohneinrichtung in Schleswig. Sein damaliger Betreuer soll nun ebenso wie seine Ex-Frau vor Gericht aussagen. Dann wird sich Taistra ebenso wie die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Michael Lembke ein abschließendes Bild davon machen, ob von Danny B. auch in Zukunft eine Gefahr ausgeht. Die Frau soll dann auch von einem dramatischen Vorfall aus dem Jahr 2008 berichten: Danny B. wollte sie umbringen, hatte schon unbemerkt eine Schlinge um ihren Hals gelegt, doch bevor er sie zuziehen konnte, fing die kleine Tochter an zu schreien und er ließ los.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen