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Hedvig-Sofia-Ausstellung : Enttäuschung auf Schloss Gottorf

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gottorfer Ausstellung zur „Prinzessin Hedvig Sofia“ bleibt mit 18.000 Besuchern hinter den Erwartungen zurück. Die Exponate werden nun nach Finnland verfrachtet

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erstellt am 06.Okt.2015 | 07:47 Uhr

Einen Tag nach dem Ende der Sonderausstellung zum Untergang der „Prinzessin Hedvig Sofia“ haben Restauratoren auf Schloss Gottorf gestern damit begonnen, die Exponate zu verpacken. „Unter extremem Zeitdruck“, so Projektleiter Ralf Bleile, „wandert die Ausstellung jetzt nach Kotka.“ In der südfinnischen Hafenstadt wird die Schau ab dem 13. November zu sehen sein.

In Schleswig hat die Ausstellung über die „Prinzessin Hedvig Sofia“ und den Großen Nordischen Krieg unter dem Titel „Von Degen, Segeln und Kanonen“ seit ihrem Beginn am 29. Mai rund 18.000 Besucher in die Reithalle gelockt. Für die Verantwortlichen eine enttäuschende Zahl: „Ich hatte mit deutlich mehr Besuchern gerechnet“, gibt Ralf Bleile unumwunden zu. Er sei von mindestens 20.000 ausgegangen. Dabei habe aufgrund des nassen Sommers eigentlich sogar gutes Museumswetter geherrscht.

„Wir haben so viel Kraft und Forschung investiert, um dieses landesgeschichtliche Thema in Szene zu setzen“, so Bleile. Vielleicht seien aber einfach mehr Vorkenntnisse erforderlich. „Der Große Nordische Krieg (1700-1721; Anm. d. Red.) ist in Schleswig-Holstein etwas in Vergessenheit geraten.“ Auch sei der Titel der Ausstellung womöglich nicht spannend genug gewesen, räumt Bleile ein. Und nicht zuletzt müsse man über den Eintrittspreis reden. Zwar lägen die neun Euro für die Sonderausstellung unter dem bundesweiten Standard, so Bleile. „Vielleicht ist der Eintrittspreis für diese Region aber zu hoch.“ Wer zusätzlich zur Sonderausstellung auch die übrigen Ausstellungen auf Gottorf sehen wollte, musste 14 Euro bezahlen.

Gleichwohl zieht Bleile ein positives Fazit. Die Besucher hätten sich durchweg zufrieden über die Ausstellung geäußert, betont er. Und mit der erstmals eingesetzten Technik – die Gäste wurden mit Tablets zur Erläuterung der Schau ausgestattet – habe man Maßstäbe gesetzt. „Das hat viele beeindruckt.“ Diesbezüglich habe es viele Anfragen von anderen Museen gegeben. Von der Konzeption der Ausstellung ist Bleile jedenfalls nach wie vor überzeugt: „Ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen sollen.“ Auch sei es die Aufgabe der Landesmuseen, Themen aufzubereiten, die nicht unbedingt zum Mainstream gehören.

In dieser Woche nun werden die Ausstellungsstücke für die Reise nach Finnland vorbereitet. Für jedes Exponat wird dabei zunächst ein Zustandsprotokoll erstellt, ehe es in die Kiste wandert. Es könnte ja sein, dass die wertvollen Objekte während der gut viermonatigen Ausstellung Schaden genommen haben – etwa, weil die Raumtemperatur nicht stimmte. „Der Abbau ist auch immer die Stunde der Wahrheit“, sagt Bleile. Schließlich stellten die Leihgeber klare Bedingungen für ihre zur Verfügung gestellten Exponate.

Doch die Klimaanlage im Reitstall hat offenbar gute Arbeit geleistet. Zumindest konnte Restauratorin Kirsten Frank gestern keinerlei Grünspan oder sonstige Veränderungen erkennen, nachdem sie zum Beispiel die goldene „Sonnenmaske“ von August dem Starken oder einen Degen des schwedischen Königs Karl XII. aus der Vitrine geholt hatte. „Alles in Ordnung“, sagte Frank, die als Mitarbeiterin der Rüstkammer in Dresden für zwei Tage von Sachsen an die Schlei gekommen ist. „Ich war auch schon beim Aufbau dabei“, erklärte sie. Nun wacht sie darüber, dass die Dresdner Leihgaben, die allesamt nicht in Finnland gezeigt werden, unversehrt in ihre Heimatmuseen zurückkehren – in die Rüstkammer sowie ins Grüne Gewölbe.

Mit auf den Weg nach Skandinavien geschickt werden indes die annähernd 500 Löffel, die an einer langen Tafel ausgelegt waren. Mit der Kunstinstallation sollte daran erinnert werden, dass sich seinerzeit etwa 500 Menschen auf der „Prinzessin Hedvig Sofia“ drängten. Gottorf-Mitarbeiterin Claudia Wolff war gestern damit beschäftigt, Löffel für Löffel einzutüten. Jedes Stück Besteck war im Rahmen der Aktion „Gib den Löffel ab“ gespendet worden – und musste jetzt auch beim Verpacken mit dem entsprechenden Spendernamen versehen werden.

Wie erfolgreich die Schau in Kotka sein wird, darüber mag Ralf Bleile nicht spekulieren. Aber: „Der Große Nordische Krieg ist in Finnland viel bekannter.“

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